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aktualisiert: 15.05.2012 15:22

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€uro am Sonntag

DIAMANTENFIEBER

Die Geheimsprache beim Diamantenhandel



Das Geschäft mit Diamanten ist ganz schön hart
Diamant ist nicht gleich Diamant, jeder Stein ist einzigartig. Der Wert hängt von einer langen Kette von Eigenschaften ab. Die wichtigsten beginnen mit C.

von Petra Maier, €uro am Sonntag

Diamantenkauf ist Vertrauenssache. Entsprechend diskret geht es im Münchner Leihhaus Max Walther zu. Eine Milchglastür schützt vor neugierigen Blicken. Der Raum dahinter ist hell und übersichtlich. Leise spielt ein Radio.

Hinter dem Schalter wartet Hanni Zimmermann: „Ja, gelegentlich haben wir Kunden, die lose Brillanten versetzen, häufiger sind es aber Schmuckstücke“, erzählt sie. „Als Leihhaus muss man die Ware sofort prüfen, die Kunden erhalten ja gleich Bargeld.“

Ihr Blick ist geübt. Sie prüft, begutachtet und misst. „Sie kennen die vier C?“, forscht sie nach. Der Diamant ist der einzige Edelstein, der nach weltweit einheitlichen Richt­linien beurteilt wird. Die berühmten vier C sind Gewicht (Carat), Farbe (Colour), Reinheit (Clarity) und Schliff (Cut). Sie beschreiben die Eigenheiten jedes Steins — und damit dessen Wert. In der Praxis kommt noch ein fünftes C ins Spiel, das Zertifikat (Certificate). Ab einem Gewicht von 0,3 Karat stellen geprüfte Fachleute den Edelsteinen Papiere aus. Das schützt vor Fälschungen und hilft beim späteren Verkauf. Das Zertifikat verhindert Preisabschläge oder Kosten für eine erneute Prüfung.

Wie im Personalausweis sind im Zertifikat die Eigenheiten des Steins anhand der vier C zusammengefasst. In einer Zeichnung werden die Stellen bezeichnet, an denen der Dia­mant Einschlüsse hat. Da jeder Diamant einzigartig ist, kann das Zertifikat dem Stein eindeutig zugeordnet werden. Fachleute erkennen auf den ersten Blick, ob Diamant und Papiere zusammenpassen.

Langwieriger Prozess
Um den Wert eines Steins zu ermitteln, reicht ein routinierter Blick allerdings nicht aus. „Die Beurteilung eines Diamanten hinsichtlich seiner Farbe, Reinheit, Proportionen und des Schliffs führt zu einer Gesamtbewertung, die den Preis bestimmt“, erklärt Alexandra Breuer. „Das ist eine der schwierigsten Aufgaben in unserer Branche.“ Breuer ist Edelsteinkundlerin, in der Fachsprache heißt das Gemmologin. Das Gewicht eines Edelsteins wird in Karat angegeben. Gemmologen würden nie von einem 0,2-Gramm-Stein sprechen, wenn sie einen Einkaräter unter die Lupe nehmen.

Für eine einheitliche Terminologie in der Branche sorgt auch die Internationale Vereinigung Schmuck, Silberwaren, Diamanten, Perlen und Edelsteine (CiBJO). Ihr gehören Dachorganisationen aus 20 Ländern an, die sich bereits 1979 auf Standards und Handelsvorschriften für Edelsteine geeinigt haben. In ihren Statuten ist festgelegt: Das Gewicht eines Diamanten ist in Karat (ct.) mit zwei Stellen hinter dem Komma anzugeben. Zwar wiegen Karatwaagen auf ein Tausendstel Gramm genau, doch aufrunden ist nur erlaubt, wenn die dritte Kommastelle eine Neun ist. Sind mehrere Diamanten in einem Schmuckstück verarbeitet, muss das Gesamtgewicht angegeben werden.

Bei einem gut proportionierten runden Stein können Experten das Gewicht annähernd über die Größe feststellen. Gemessen wird entlang mehrerer Achsen. Ein Einkaräter hat etwa 6,5 Millimeter Durchmesser. Zum Vergleich: Zirkonia, ein sehr ähnlicher, synthetischer Stein, kommt bei gleichem Gewicht nur auf 5,4 Millimeter Durchmesser. Ein echter Diamant dieses Durchmessers würde nur etwas mehr als ein halbes Karat auf die Waage bringen.

Doch Größe und Gewicht sind nur ein Teil des Prüfprozesses. Es kommt auch auf die Proportionen an. Sogenannte Bluffsteine etwa sind zwar groß, aber breit und flach. Deshalb glänzen sie nicht wie ein Brillant. Von „Swindelstones“ spricht die Branche bei Einkarätern, die zwar glänzen und reflektieren, aber durch ungleichmäßige Proportionen nicht auf das Maximum an Brillanz kommen. Swindelstones haben kleinere Durchmesser, dafür dicke und lichtschluckende Rundisten. Die Rundiste ist die Kante, die die obere Hälfte des Diamanten von der unteren trennt und damit die breiteste Stelle, die den Umfang angibt.

Über die idealen Proportionen, die dem Stein nach dem Schliff das Maximum an Glanz bringen, wird bis heute gestritten. Bis der Stein der Weisen gefunden ist, richtet sich die Fachwelt nach der Einteilung des International Diamond Council von 1978.

Mit „sehr gut“ bewertet werden Steine, bei denen die Tafel (also die Oberfläche) eine Größe von 56 bis 66 Prozent der Rundiste hat. Die Oberteilhöhe zwischen Rundiste und Tafel sollte bei elf bis 15 Prozent liegen, die Unterteilhöhe bei 42 bis 45 Prozent. Denn mit dieser Proportion und dem richtigen Schliff wird das „Feuer“ des Diamanten entzündet. Durchgesetzt hat sich der klassische Brillantschliff. Er wird durch 32 Facetten um die zentrale Tafel auf dem Oberteil des Steins und 24 Unterteilfacetten charakterisiert.

Mit „Feuer“ ist die Streubrillanz des Spektralfarbenspiels gemeint, das durch Brechung und Reflexion des Lichts auf den geschliffenen Flächen entsteht. Wie mit einem Prisma wird das einfallende Licht in seine Spektralfarben zerlegt. Ginge es nach der Schmuckvereinigung CiBJO, dürfte sich nur ein runder Diamant mit klassischem Schliff als Brillant bezeichnen. Doch so genau nehmen es die wenigsten. Auch Tropfen-, Oval- oder Herzformen brillieren.

Pingelig dagegen ist die Branche bei der Farbe (Colour). Diamanten sind Naturprodukte. Es gibt sie in Rosa, Rot, Grün und Blau, aber nur extrem selten. Vor allem bei Lieb­habern dieser Raritäten erzielen die „Fancy Colours“ hohe Preise. Vergleichsweise häufig, aber weniger beliebt sind dagegen Steine mit Gelbsättigung. Hier gilt: je farbloser, desto besser. Und auch weiß ist nicht gleich weiß.

Während man die Farbe nur mit einem geschulten Auge oder einem speziellen Messgerät bestimmen kann, ist die Reinheit (Clarity) eines Diamanten vergleichsweise einfach zu ermitteln. Je weniger Einschlüsse ein Diamant hat, desto wertvoller ist er. Die maßgebliche Reinheitsskala des Gemological Institute of America (GIA) geht davon aus, dass der Stein mit einer Lupe mit zehnfacher Vergrößerung begutachtet wird. „Imperfect 3“ bedeutet zahlreiche Einschlüsse, die mit bloßem Auge zu erkennen sind. Die Abstufungen gehen über kleinere und minimale Einschlüsse bis hin zu „flawless“, frei von Einschlüssen oder lupenrein.

Hanni Zimmermann vom Leihhaus Walther geht trotz eigener Sachkenntnis und Zertifikat auf Nummer sicher. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Zum Abschluss der Bewertung kommt jeder Stein ins Diamantenprüfgerät. Da die Steine exzellente Wärmeleiter sind, zeigt die Widerstandsmessung, ob es sich wirklich um einen Diamanten handelt. „Wenn’s piept, ist er echt.“

Die vier C

Clarity Reinheit
Mit einer speziellen Lupe mit zehnfacher Vergrößerung wird nach „Federn“ oder „Wolken“ im Stein gesucht. So bezeichnet ein Steinexperte Risse aller Art oder Trübungen im Diamanten. Die häufigsten Einschlüsse sind mineralische Kristalle, die bereits bei der Entstehung des Diamanten im Weg waren und mit eingeschlossen wurden. Die Einordnung der Steine nach Einschlüssen wurde vom Gemological Institute of America (GIA) festgelegt. Jeder Einschluss mindert den Wert des Steins, als Optimum gilt ein lupenreiner Diamant.
Tabelle des GIA (pdf)

Carat Gewicht
Ein Diamant von einem Karat wiegt ungefähr so viel wie ein Samen des mediterranen Johannisbrotbaums. Die hörnchenförmigen Samen wurde früher zum Aufwiegen wertvoller Steine und Edelmetallen verwendet, weil man glaubte, dass sie sich im Gewicht kaum unterscheiden. Der Begriff Karat, abgeleitet von Karob, „schmales Hörnchen“, ist geblieben, auf die minimal unterschiedlich schweren Samen verlässt sich heute freilich niemand mehr. Die Maßeinheit wurde Ende des 19. Jahrhunderts im metrischen Maß mit 0,2 Gramm für ein Karat festgelegt.

Colour Farbe
Eine grobe Unterteilung ist „farblos“, „nahezu farblos“ und „leicht getönt“. Farblose Steine sind am wertvollsten. Es sei denn, die Steine haben besonders schöne Rot-, Blau- oder Grüntöne (Fancy Colours), für die oft Seltenheitspreise bezahlt werden. Mit einem Spektralfotometer kann die Farbe exakt bestimmt werden. Die Farbgrade sind alphabetisch geordnet. Das Schema startet bei D (farblos) und endet bei Z, was ein leichtes Gelb bezeichnet. Die früheren Bezeichnungen wie „River“ oder „Top-Wesselton“ verschwanden mit der GIA-Farbskala. 

Cut Schliff und Proportion
Der Schliff soll aus dem Rohdiamanten die maximale Brillanz und das „Feuer“ herausarbeiten. Im Prinzip ist jede Form erlaubt, die gefällt und anhand der vorhandenen Rohdiamantform möglich ist. Als Klassiker gilt der runde Brillantschliff mit 32 Facetten rund um die Tafel und 24 Unterteilfacetten.
Vorschlag IDC (pdf)

Investor-Info

Diamant Fonds
Edle Steine als Geldanlage

„Die vier C bauen aufeinander auf und sind in erster Linie die messbaren Kriterien, die es erlauben, Steine miteinander zu vergleichen“, erläutert Diamantenexpertin Alexandra Breuer. „Trotzdem können zwei Steine der gleichen Qualitätsstufe unterschiedliche Preise erzielen, wenn einer der beiden diese besondere, einzigartige Brillanz hat, die man nicht in allen Steinen findet.“
Gemmologin Breuer ist seit mehr als 20 Jahren im Geschäft und stellt ihre Fachkenntnisse der Hamburger Pretagus GmbH zur Verfügung. Pretagus bringt einen Geschlossenen Diamant Fonds mit acht Jahren Laufzeit auf den Markt. Es besteht, analog zu einem vernünftig strukturierten Wertpapierportfolio, aus einem gesunden Mix: große, mittlere, aber auch kleinere Steine in bester Qualität.
Der Fonds ist eine interessante Investitionsmöglichkeit für Anleger, die in turbulenten Zeiten Sicherheit und Renditechancen mit Sachwerten suchen. Anleger können sich ab einer Summe von 5.000 Euro an einem Diamantenportfolio beteiligen. Ab einem Jahr Haltedauer können Investoren ihre Anteile zurückgeben – oder sich die Steine ausliefern lassen.

Bildquellen: iStockphoto

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Kommentare zu diesem Artikel

Alf14 schrieb:
05.07.2012 10:37:09

Mir fehlt in diesem Artikel der Aspekt, daß inzwischen künstliche Diamanten in einer solchen Qualität hergestellt werden können, daß angbelich nur noch ganz wenige Fachleute - weltweit eine handvoll - diese erkennen können.

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