EMFIS.COM - Tokio 08.12.2008 An den asiatischen Aktienmärkten fand heute ein regelrechter Kaufrausch statt. Wie bereits am Freitag in den USA ließ man sich dabei von schlechten Meldungen zum Zustand der Weltwirtschaft kaum noch anfechten. Stattdessen sollen jetzt die Konjunkturprogramme, die man sich von den Regierungen rund um den Globus erhofft, für neue Wachstumsmpulse sorgen. Dabei richteten die Anleger ihre Hoffnung vor allem auf China, wo derzeit ein wichtiger Regierungskongress tagt, und auf die USA, wo der künftige Präsident Obama das größte Investitionsprogramm seit 50 Jahren versprochen hat.
Am japanischen Aktienmarkt fand heute eine fulminante Erholung statt. Der
Nikkei 225, der vergangene Woche um rund 7 Prozent eingebrochen war, sprang heute um 5,2 Prozent nach oben. Der breitere Topix stieg um 3,3 Prozent auf 812 Zähler. Hilfreich waren dabei die guten US-Vorgaben. Daneben hatten viele Marktteilnehmer das Gefühl, dass der japanische Markt zuletzt zu Unrecht so stark unter Druck gekommen ist. In der Hoffnung auf ein Mega-Konjunkturpaket der künftigen Regierung Obama zogen unter anderem die Papiere aus dem Baumaschienensektor an. Hier kletterten etwa Komatsu um 11 Prozent nach oben; Hitachi Construction stiegen um 11,6 Prozent. Auch im übrigen Exportsektor wurde wieder zugekauft. So verbesserten sich unter den Autowerten Honda Motor um 5,0 Prozent und Toyota Motor um 3,0 Prozent, obwohl Toyota bekannt gegeben hatte, 2009 im Westen weitere Fabriken schließen zu müssen. Im Elektroniksektor stiegen Canon um 4,9 Prozent und Sharp um 5,4 Prozent. Aber auch die binnenmarkt-orientierten Titel waren äußert gefragt. So schossen im Einzelhandelssektor Fast Retailing um 8,2 Prozent nach oben. Aeon verbesserten sich um 6,2 Prozent. Pressemeldungen zufolge will die Handelsgesellschaft Mitsubishi demnächst knapp 5 Prozent der Anteile des Supermarktbetreibers für mehr als 324 Millionen
Dollar erwerben.
Auch in Korea hat die Hoffnung auf neue Wirtschafts-Stimulationsprogramme rund um den Globus den Aktienmarkt massiv nach oben gebracht. Der Kospi sprang um 7,48 Prozent aufwärts auf 1105 Punkte, und hat damit die Abschläge der vergangenen Wochen in kürzester Zeit wieder wettgemacht. Sowohl die heimischen Institutionellen als auch die besonders risikoscheuen Auslandsanleger gehörten heute wieder zu den Käufern. Die koreanische Regierung hatte zuvor erklärt, mit Steuersenkungen und anderen Maßnahmen demnächst vor allem kleine und mittlere Unternehmen vor Problemen bewahren zu wollen. Insbesondere zyklische Werte gehörten heute zu den großen Gewinnern. Hier legten etwa im Autosektor Hyundai Motor 7,7 Prozent zu, Kia Motors gewannen 2,2 Prozent hinzu. Im Bausektor sprangen Hyundai Engineering and Construction um 11,0 Prozent nach oben. Auch die Technologiewerte waren gefragt – allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. So zogen Samsung Electronics um 8,7 Prozent an. Hynix Semiconductor verbesserten sich dagegen lediglich um 3,2 Prozent. Die koreanische Regierung hatte heute erklärt, dass derzeit keine staatlichen Unterstützungsmaßnahmen für den angeschlagenen Speicherchip-Hersteller angedacht seien.
In Hongkong glänzte der Hang Seng Index heute mit einem Kursplus von 8,66 Prozent, und kam damit auf seinem Tageshoch von 15.044 Zählern zum Stehen. Die Euphorie der Marktteilnehmer basierte in erster Linie auf einer jährlichen Regierungs-Wirtschaftskonferenz in China, die heute ihren Anfang nahm und am Mittwoch enden wird. Viele Anleger gehen davon aus, dass dort weitere Maßnahmen zur Stimulation der Konjunktur beschlossen werden. Daneben gab es Gerüchte, wonach es den chinesischen Investoren bald erlaubt sein werde, auch an der
Börse Hongkong Wertpapiere zu erwerben. Die Hoffnung auf einen baldigen Ansturm der chinesischen Anleger brachte heute die
Aktie des Börsenbetreibers Hong Kong Exchange and Clearing um 16,3 Prozent nach oben. Auch die übrigen Finanzwerte schlossen teils deutlich im Plus. Unter den Hongkong-Banken verteuerten sich HSBC um 5,0 Prozent; im China-Finanzsektor zogen China Life um 10,2 Prozent und ICBC um 7,4 Prozent an. Auch die Immobilienwerte waren wieder gefagt, nachdem am Wochenende die Wohnungsverkäufe offenbar wieder robust angezogen hatten. Cheung Kong stiegen um 8,1 Prozent und Henderson Land sogar um 16,2 Prozent; China Overseas Land sprangen um 14,8 Prozent nach oben. Unter den übrigen Marktschwergewichten verbesserten sich China Mobile um 7,8 Prozent und PetroChina um 7,2 Prozent. PCCW stiegen im Zuge der geplanten Privatisierung um 3,6 Prozent.
Auch in Taiwan machte man den heutigen Kaufrausch mit, nachdem der dortige Aktienmarkt zuvor vier Tage in Folge nach unten gegangen war. Der TAIEX verbesserte sich um 4,57 Prozent auf 4418 Zähler. Stark gefragt waren unter anderem die Finanzwerte, wo man auf weitere Leitzinssenkungen der Notenbank hoffte. Sowohl Cathay Financial als auch Fubon Financial schossen um die in Taipeh maximal möglichen 7 Prozent nach oben. Die Sektoren Transport und Tourismus profitierten einmal mehr von den Direktflügen von und nach China, die ab kommender Woche einsetzen sollen. Hier legten etwa Ambassador Hotel 7 Prozent und EVA Air ebenfalls 7 Prozent zu. Die Aktie von China Steel stieg um 5,0 Prozent, nachdem der Konzern Details zum laufenden Aktienrückkaufsprogramm vorgelegt hatte. Unter den Technologiewerten stiegen Taiwan Semiconductor um 7 Prozent; United Microelectronics legten 5,9 Prozent zu, obwohl die Gesellschaft Pressemeldungen zufolge Aufträge vom Chip-Designer Xilinx an Samsung Electronics verloren haben soll. Acer verteuerten sich um 6,0 Prozent, Hon Hai Precision stiegen um 7,0 Prozent.
In China gewann der Shanghai Composite Index 3,57 Prozent auf 2090 Punkte hinzu; der Shanghai A-Share Index stieg um 3,57 Prozent auf 2195 Stellen.