EMFIS.COM - Hongkong 28.04.2009 An den asiatischen Börsen war die Stimmung heute weiter gedrückt. Zuvor hatte das „Wall Street Journal“, dass laut dem unveröffentlichten Stresstest der US-Regierung sowohl die Citigroup als auch die Bank of America weitere Staatshilfen nötig hätten. Dies ließ heute auch das Vertrauen in die asiatischen Bankenwerte schwinden. Daneben zeigten sich die Marktteilnehmer weiter über die Schweinegrippe besorgt, die sich zumindest in Mexiko rasant ausbreitet und dort möglicherweise bereits knapp 150 Menschenleben gefordert hat.
Am japanischen Aktienmarkt ging es heute zunächst leicht aufwärts. Die hoffnungsvolle Tendenz konnte allerdings nicht lange aufrechterhalten werden. Vor allem ein stärkerer
Yen und einige enttäuschende Jahreszahlen, aber auch die anhaltende Furcht vor der Ausbreitung der Schweinegrippe belasteten zunehmend die Stimmung. Der
Nikkei 225 verlor schlussendlich 2,67 Prozent auf 8494 Punkte; der breitere Topix gab 2,53 Prozent auf 812 Stellen ab. Insbesondere im Elektroniksektor gab es deutliche Abschläge. So knickte etwa die
Aktie von Sharp nach dem gestrigen Zahlenwerk um 8,8 Prozent ein. Sony verbilligten sich um 3,4 Prozent und Canon um 4,0 Prozent. Die Titel von NEC rutschten um 5,7 Prozent ab, obwohl das Unternehmen gestern bestätigt hatte, die Tochter NEC Electronics mit dem Konkurrenten Renesas zum drittgrößten Chiphersteller der Welt zu verschmelzen. Im Stahlsektor verloren Nippon Steel 5,2 Prozent und JFE Holdings 6,8 Prozent. Der Finanzsektor entwickelte sich uneinheitlich. Hier gaben Mizuho Financial 1,5 Prozent ab, Nomura fielen um 4,8 Prozent. Dagegen legten Sumitomo Mitsui Financial 0,3 Prozent zu. Das Institut soll vor der Übernahme der japanischen Investmentbank-Aktivitäten der Citigroup stehen. Unter den Pharmawerten konnten Chugia Pharma um weitere 1,9 Prozent zulegen, Takeda stiegen um 0,3 Prozent.
In Korea kam es heute vor allem in den zyklischen Sektoren zu Gewinnmitnahmen. Der Kospi knickte um 2,95 Prozent auf 1300 Punkte ein. So gaben unter den Technologiewerten Samsung Electronics 1,7 Prozent ab. LG Display gingen um 4,3 Prozent nach unten; die Aktie des Speicherchip-Herstellers Hynix brach sogar um 8,8 Prozent ein. Samsung SDI verloren 3,9 Prozent, nachdem der Batterien- und Bildschirm-Produzent enttäuschende Quartalszahlen abgeliefert hatte. Daneben gingen naturgemäß auch die Bankenwerte auf Talfahrt. Hier verbilligten sich etwa KB Financial um 4,3 Prozent und Woori Finance auf 5,9 Prozent. Auch die
Aktien der möglicherweise von der Schweinegrippe betroffenen Luftfahrt- und Touristikunternehmen blieben unter unter Druck. Hier fielen Korean Air Line um 2,4 Prozent, Asiana Airlines gingen um 3,3 Prozent und Hana Tour um 2,9 Prozent nach unten. Dagegen stürzten sich die Anleger einmal mehr auf die Lieferanten von Fisch und Hühnerfleisch. Dies verschaffte etwa Oyang Fisheries einen Aufschlag von 14,7 Prozent; Sajodaerim legten 14,8 Prozent zu.
Auch in Taiwan zeigten sich die Anleger heute vor allem über die Schweinegrippe beunruhigt. Deutliche Abschläge im Reise- und Touristik-Sektor brachten den TAIEX um weitere 1,9 Prozent nach unten auf 5596 Punkte. Damit hat Taiwans Leitindex, der sich zuletzt überdurchschnittlich gut entwickelt hatte, alle Aufschläge der vergangenen drei Wochen wieder abgeben müssen. Insbesondere die Papiere aus der Luftfahrtbranche standen stark unter Druck. Hier rutschten sowohl China Airlines als auch EVA Airways um die in Taipeh maximal möglichen 7 Prozent nach unten. Die Aktie des Hotelbetreibers Leofoo Development fiel ebenfalls um 7 Prozent, Ambassador Hotel gaben 6,8 Prozent ab. Im Technologiesektor schlitterten United Microelectronics um 3,4 Prozent nach unten; dagegen konnten sich die Titel des Konkurrenten Taiwan Semiconductor um 1,0 Prozent verbessern. Acer verloren 2,0 Prozent, obwohl der Chairman des PC-Herstellers heute erneut einen sehr optimistischen Ausblick abgegeben hatte. Unter den Bildschirm-Produzenten rutschten Chi Mei Optoelectronics vor Zahlen um 6,6 Prozent ab, AU Optronics verbilligten sich um 3,9 Prozent. Gesucht waren dagegen weiter einige ausgewählte Pharmawerte. Hier konnten etwa China Chemical and Pharmaceutical erneut ein Plus von 0,9 Prozent für sich herausschlagen.
Auch in Hongkong ging es heute angesichts negativer Meldungen über den US-Bankensektor und die Schweinegrippe weiter nach unten. Der Hang Seng Index verlor 1,92 Prozent auf 14.555 Zähler, und landete damit auf dem niedrigsten Schlussstand seit drei Wochen. Das Handelsvolumen blieb robust. Die Marktteilnehmer hoffen nunmehr, dass Hongkongs Leitindex im psychologisch bedeutsamen Bereich um 14.500 Punkte in den kommenden Tagen wieder zum Stehen kommen wird. Angesichts der Hiobsbotschaften aus dem US-Finanzsektor standen auch in Hongkong die Bankenwerte unter Druck. HSBC gaben 2,5 Prozent ab; Hang Seng Bank fielen ebenfalls um 2,5 Prozent. Dagegen konnten sich ICBC mit einem Plus von 2,5 Prozent dem allgemeinen Abwärtstrend entgegenstemmen. Hier hatten die Allianz und American Express bestätigt, große Aktienpakete des chinesischen Instituts verkauft zu haben. Dies nahm von der Aktie allerdings den Druck, der in den vergangenen Tagen auf ihr gelastet hatte. Unter den Fluggesellschaften verbilligten sich Cathay Pacific um weitere 0,8 Prozent, Air China gingen um 7,2 Prozent und China Southern Airlines um 11,2 Prozent nach unten. Die Aktie der Shanghai Electric Group brach um 18 Prozent ein, nachdem der Kraftwerksausrüster einen Gewinnrückgang um 17 Prozent gemeldet hatte. Im Rohstoffsektor verloren PetroChina angesichts des heute gemeldeten Ergebnisses 1,8 Prozent, CNOOC gingen um 2,2 Prozent nach unten. Daneben verbilligten sich die Titel des Kohleminenbetreibers China Shenhua im Vorfeld des Quartalsberichts um 0,2 Prozent.
In China verlor der Shanghai Composite Index 0,2 Prozent auf 2401 Punkte.