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08.10.2012 18:00

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€uro am Sonntag

EDELMETALLE UND IHRE MACKEN

Notenbanken treiben Goldrally an


Keiner braucht es wirklich zum Leben, aber alle wollen es haben, und zwar speziell in Krisenzeiten: Gold. Der Preis des Edelmetalls wird weiter steigen, ist der Marktkenner Max Holzer von Union ­Investment überzeugt.

von Max Holzer, Gastautor von Euro am Sonntag

Gold bringt keine Zinsen, und sein Besitzer kann sich über keinerlei Ausschüttungen freuen. Anders als andere Edelmetalle hat es auch keinen direkten Nutzen außer dem, den man dem Gold einfach unterstellt: nämlich dass es seinen Wert nicht verliert, komme, was wolle. Das hat sich in der jüngsten Krise mehr als bestätigt: Nachdem der Goldpreis knapp 20 Jahre lang seitwärts tendierte, befinden wir uns seit Anfang 2000 in einem langfristigen Aufwärtstrend. Seit Ende 2005 kletterte der Goldpreis um stattliche 245 Prozent.

Ähnlich wie in den 70er-Jahren bilden ­negative Realzinsen eine zentrale Unterstützung, denn andere als sicher angenommene Assets wie etwa deutsche oder US-amerikanische Staatsanleihen werfen kaum noch Rendite ab. Mit der Ankündigung der Europä­ischen Zentralbank (EZB), unbegrenzt Anleihen zu kaufen, den Lockerungsmaßnahmen der US-Notenbank und den ausgeweiteten Konjunkturhilfen der Bank of Japan wurde Gold für viele Investoren auch aus Sorge vor einer anziehenden Inflation offenbar noch ­attraktiver: Die zwischenzeitliche Konsolidierungsphase ist wohl beendet.

Da nicht davon auszugehen ist, dass die Renditen von Staatsanleihen mit gutem Rating bald deutlich steigen, sehen wir von dieser Seite eine solide Unterstützung des Goldpreises. Zugenommen haben vor allem die Käufe von börsengehandelten Indexfonds, den ETFs. Im Durchschnitt der letzten Wochen wurden etwa 460.000 Unzen Gold pro Woche über Gold-ETFs gekauft. Insgesamt verfügen die ETFs über 2.474 Tonnen Gold — in einer Liste der größten Goldbesitzer belegen sie nach den Zentralbanken der USA und Deutschlands sowie dem Internationalen Währungsfonds den vierten Rang.

Rückzug aus dem Dollar,
Euro ist keine Alternative

Neben den ETFs treten auch Notenbanken vermehrt als Käufer auf. Im ersten Halbjahr erwarben sie bereits 254,3 Tonnen und liegen 25 Prozent über dem Vorjahr. Die Rekordkäufe des Jahres 2010 von 458 Tonnen könnten 2012 übertroffen werden. Offenbar wollen die Zentralbanken wegen der schwierigen Konjunkturperspektiven in den USA ihre Abhängigkeit vom Dollar reduzieren. Angesichts der Staatsschuldenkrise und der damit einhergehenden Unsicherheit fällt der Euro als Alternativwährung aus. Wir erwarten, dass die Notenbanken ihre Goldkäufe mittelfristig erhöhen werden.

Eher belastend wirkte sich eine andere, für den Goldpreis maßgebliche Größe aus: die Schmucknachfrage, die immerhin 42 Prozent der gesamten Nachfrage ausmacht, war im zweiten Quartal um 15 Prozent rückläufig. Vor allem in Indien wurde weniger Goldschmuck gekauft. Das liegt zum einen an der aktuellen Stärke der indischen Rupie, zum anderen an einem Streik der indischen Juweliere, der zu einem Einbruch der privaten Goldnachfrage um 38 Prozent führte. Grundsätzlich sehen wir für die kommenden Monate durch den Schmuckmarkt keine klare Unterstützung für den Goldpreis. Aufgrund der wachsenden Mittelschicht in vielen Schwellenländern erwarten wir aber auf längere Sicht eine steigende Nachfrage und für das Jahr 2013 einen durchschnittlichen Goldpreis von mindestens 1.975 US-Dollar.

Wer sein Geld in Edelmetall anlegen will, aber ein Investment bevorzugt, das auch einen industriellen Nutzen und damit eine weitere Nachfragestütze hat, sollte sich Platin, Palladium und Silber ansehen. Während wir für Letzteres, das unter anderem für die Produktion von Solarmodulen benötigt wird, aufgrund der konjunkturellen Situation und des großen Anteils spekulativer Anleger allenfalls verhalten optimistisch sind, sehen wir für Platin und Palladium auch von industrieller Seite eine gute Unterstützung, wenn die globale Konjunktur wieder auf einen starken Wachstumspfad einschwenkt.

Beide Metalle sind zyklisch und werden unter anderem in der Autoindustrie genutzt. Während Platin vornehmlich bei Diesel­fahrzeugen verwendet wird, die wiederum als Pkw auf dem tendenziell stagnierenden europäischen Markt abgesetzt werden, könnte Palladium durch seine Eigenschaften und seine Verwendung in Benzinfahrzeugen von einer anziehenden Nachfrage aus Schwellenländern profitieren. Anders als Platin aber erfährt Palladium keine nennenswerte Unterstützung durch ETFs. Da jedes der genannten Edelmetalle seine eigenen Chancen und Risiken aufweist, empfiehlt sich freilich auch hier eine Streuung der Anlage.

zur Person:

Max Holzer, Leiter der
Asset Allocation bei Union Investment

Holzers Aufgaben­spektrum umfasst das Multi Asset Management sowie die Convertibles & Derivatives Strategy. ­Neben dem Portfolio­management der Multi-Asset-, Garantie-, Rohstoff- und Wandelanleihefonds legt sein Bereich die Strategie für die Asset Allocation der Union ­Investment Gruppe fest.
Die Fondsgesellschaft gehört zu den Volks- und Raiffeisenbanken und ist mit rund 180 Milliarden Euro verwaltetem Ver­mögen einer der größten deutschen Vermögensverwalter für private wie institutionelle Anleger.

Bildquellen: iStock/t_kimura

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