von Astrid Zehbe, €uro am Sonntag
Was des Autofahrers Leid, kann des Anlegers Freud sein: Denn ausgerechnet zur Urlaubszeit ziehen die Preise für Rohöl wieder an. Vergangene Woche sind die Notierungen für die Sorte Brent über die Marke von 110 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen — das höchste Niveau seit Mai. Der Preis für die Sorte WTI hat sich auf über 92 Dollar erhöht. In den nächsten Wochen, so die Rohstoffstrategen, sei mit Preisanstiegen zu rechnen.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben der guten Marktstimmung unterstützt die bevorstehende Angebotsverknappung von Brent die Kurse. Im September werden Nordsee-Förderanlagen wegen Wartungsarbeiten über Wochen geschlossen. Die Lieferungen sinken darum um sieben Prozent auf 720.000 Barrel pro Tag. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen der Verladedaten 2007.
Auch aus den USA kommen Meldungen, die die Preise stützen. Die Lagerbestände sind trotz höherer Importe und niedrigerer Raffinerietätigkeit in den vergangenen Wochen gesunken. Gleichzeitig hat die US-Energiebehörde EIA ihre Prognose für die Nachfrage nach Öl nach oben korrigiert, was den Notierungen weiteren Auftrieb geben könnte.
Für Anleger bietet der Brent-Markt zudem eine seltene Investmentchance: Meistens befindet sich der Ölmarkt in Contango, das heißt, Terminkontrakte mit längerer Laufzeit sind teurer als solche, die bald enden. Aktuell befindet sich der Markt aber in der umgekehrten Situation: Ölkontrakte, die in Kürze auslaufen, werden höher gehandelt als solche, die später fällig werden. „Der September-Kontrakt für Brent handelt aktuell 1,40 US-Dollar je Barrel über dem Oktober-Kontrakt“, meint Eugen Weinberg von der Commerzbank.
Diese Backwardation genannte Konstellation ermöglicht Anlegern sogenannte Rollgewinne. Diese entstehen, wenn ein Öl-Future vor Fälligkeit des aktuellen Kontrakts verkauft und das Geld in einen Terminkontrakt mit längerer Laufzeit investiert werden muss, der günstiger ist. Die gleiche Menge Öl kostet also weniger als zuvor, die Differenz wird als Gewinn verbucht.
Achtung: Rohstoffexperte Weinberg glaubt aber, dass sich die Angebotslage Ende des Jahres wieder entspannt, sodass der Brent-Preis erneut unter Druck geraten könnte. Vor diesem Hintergrund sollten Anleger, die beispielsweise mit dem X-pert-Zertifikat auf steigende Preise bei Brent-Rohöl setzen, ihr Investment spätestens zum Jahresende überprüfen.
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