23.03.2013 10:04
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Experte: Kostenexplosion bei Goldförderung belastet Angebot

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Viele Jahre kannte der Goldpreis nur eine Richtung: Steil nach oben. Gleichzeitig sind auch die Kosten für die Goldförderung in den vergangenen zehn Jahren immer weiter gestiegen. Die Menge an gefördertem Gold hat sich dagegen kaum verändert. Im Interview mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX erläutert der Geologe Joachim Berlenbach, der auch als Fondsberater Gold- und Rohstofffonds bei der Fondsgesellschaft Universal-Investment tätig ist, warum die Kosten bei der Goldförderung ein ernstes Problem für die Fördergesellschaften darstellen und welche Auswirkungen dies auf den Goldpreis haben könnte.
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    Warum wird es für die Minengesellschaften immer teurer das gelbe Edelmetall zu Tage zu fördern?

Berlenbach: "Das Problem liegt darin, dass sich der Goldgehalt in den geförderten Gesteinsmengen stark verringert hat. Die Minengesellschaften sind gezwungen, höhere Kosten in Kauf zu nehmen, um die Goldförderung stabil zu halten und die ausgebeuteten Minen zu ersetzen. Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren zugespitzt. Die Daten aus den Geschäftsberichten der 13 führenden Goldproduzenten der Welt sind alarmierend. Im vierten Quartal 2012 war der Aufwand, der betrieben werden musste, um die Fördermenge stabil zu halten, teurer als die eigentlichen Förderkosten."

Welche Folgen hat die Kostenexplosion bei der Goldförderung?

Berlenbach: "Einfach gesagt: Die Minengesellschaften haben enorme Probleme, kostendeckend zu arbeiten. Die Kosten sind zuletzt derart stark gestiegen, dass sie beim aktuellen Goldpreis von etwa 1.600 Dollar je Feinunze nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll in neue Minen investieren können. Die großen Minenbetreiber versuchen daher verzweifelt, die Kosten zu senken. Dabei werden beispielsweise die besten Lagerstätten bevorzugt abgebaut. Längerfristig wird diese kurzsichtige Vorgehensweise die Lage aber noch weiter verschärfen."

Müssten wir damit rechnen, dass in den kommenden Jahren weniger Gold gefördert wird?

Berlenbach: "Es zeichnet sich ganz klar ab: Beim aktuellen Goldpreis ist die derzeitige Fördermenge nicht mehr aufrecht zu erhalten. Und die Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Wir rechnen, dass der Goldpreis in drei Jahren bei über 2.000 Dollar liegen muss, damit die Firmen bei der aktuellen Fördermenge von 80 Millionen Unzen pro Jahr profitabel arbeiten können."

Zuletzt hat sich der Goldpreis enttäuschend entwickelt. Aktuell steht er mehr als 300 Dollar unter dem Rekordhoch von 1.920 Dollar, das er im September 2011 erreicht hatte. Kann der Preis für das gelbe Edelmetall überhaupt wieder so hoch steigen?

Berlenbach: "Ohne Zweifel, der Goldpreis wird ein neues Rekordhoch erreichen. Die Frage ist nur, wann das passieren wird. Den Rückschlag beim Goldpreis in den vergangenen Monaten sollte man gar nicht so kritisch sehen. Wenn ein Preis zwölf Jahre lang immer weiter steigt, ist eine Konsolidierung völlig normal. Zuletzt hat die Krise um die drohende Staatspleite in Zypern den Goldpreis auch schon wieder etwas ansteigen lassen. Sollte das Beispiel Zypern Schule machen und in weiteren Staaten der Eurozone Sondersteuern auf Bankeinlagen erhoben werden, ist mit einer heftigen Reaktion der Anleger zu rechnen. Dann wird es auch wieder eine Flucht in alternative Geldformen wie Gold geben."

Führende Investoren wie der Milliardär George Soros sehen das offenbar etwas anders. Soros hatte zuletzt einen großen Teil seiner Goldanlagen verkauft. Liegt der Starinvestor diesmal falsch mit seiner Entscheidung?

Berlenbach: "Es wird auch wieder kommen, dass George Soros Gold kaufen wird. Soros hatte ja mit seinen Goldgeschäften sehr viel Geld verdient, und dass er jetzt Gewinne mitnimmt, ist völlig normal. Es wird auch wieder die Zeit kommen, dass ein Großinvestor wie Soros günstige Goldpreise nutzen wird und zukauft."

Wo sehen Sie aktuell die Preistreiber beim Gold?

Berlenbach: "Die ultra-lockere Geldpolitik der führenden Notenbanken der Welt ist eine der wichtigen Stützen für den Goldpreis. Die Sorge vor einer zu starken Inflation wird das Gold für Anleger attraktiv halten. Außerdem wird der Trend, dass die Notenbanken Gold kaufen, in Zukunft weiter zunehmen. In mehreren Zentralbanken herrscht mittlerweile das Motto: Wir können uns bei den nationalen Reserven nicht auf den US-Dollar verlassen. Besonders spannend ist die Entwicklung in China. Über die wahren Ausmaße der Geldreserven lässt uns die Regierung in Peking im Unklaren. Die wahren Goldreserven der Chinesen sind sicherlich höher als die offiziellen Angaben. China meldet schon seit Jahren immer die gleiche Menge. Dabei wird immer mehr Gold in China gefördert und sogar noch Gold importiert, so dass die Reserven der Chinesen logischerweise steigen müssen."

Wird China künftig weltweit die Nummer eins auf dem Goldmarkt und Indien ablösen?

Berlenbach: "China ist jetzt schon der größte Goldproduzent der Welt. Bei den Importen hat China mittlerweile ähnliche Dimensionen wie Indien erreicht. Allerdings wird Indien weiter die dominierende Macht am Goldmarkt bleiben. Die indische Kultur hat eine sehr hohe Affinität zum Gold, das ist bei den Menschen auf dem Subkontinent einfach tief verwurzelt."/jkr/bgf/he

    --- Gespräch: Jürgen Krämer, dpa-AFX ---

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