von Jörg Bernhard
Beim Open Interest, also der Anzahl offener Gold-Futures, ging es im Berichtszeitraum (24. bis 31. Juli) zwar von 420.296 auf 403.403 Kontrakte (-4,0 Prozent) bergab, die kumulierte Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) großer und kleiner Spekulanten wies hingegen einen deutlichen Anstieg von 136.245 auf 156.012 Kontrakte (+14,5 Prozent) aus. Die Zuversicht unter den Kleinspekulanten (Non-Reportables) war besonders stark ausgeprägt. Deren Netto-Long-Position kletterte nämlich von 23.268 auf 29.948 Futures (+28,7 Prozent). Bei den Großspekulanten (Non- Commercials) nahm der Optimismus nicht ganz so dynamisch zu. Ihre Netto-Long-Position erhöhte sich von 112.977 auf 126.064 Kontrakte (+11,6 Prozent).
Glimpfliches Wochenminus erzielt
Angesichts der Tatsache, dass in der abgelaufenen Handelswoche weder die US-Notenbank noch die Europäische Zentralbank konkrete Hilfsmaßnahmen für die angespannten Finanzsysteme verkündet hatte, konnten Goldinvestoren mit dem Kursverlauf des Goldpreises durchaus zufrieden sein. Der Absacker unter die Marke von 1.600 Dollar erwies sich als „Eintagsfliege“ und es kam auf Wochensicht lediglich zu einem leichten Minus von 0,8 Prozent. Die Vorschusslorbeeren in Erwartung geldpolitischer Lockerungsmaßnahmen erwiesen sich somit als zu üppig. Festzuhalten bleibt allerdings: Aktuell reagiert das gelbe Edelmetall weniger wie ein sicherer Hafen, sondern eher wie ein Rohstoff und folgt vor allem den internationalen Aktienmärkten bei ihren unsteten Auf- und Abwärtsbewegungen. In der kommenden Woche meldet China – das in diesem Jahr höchstwahrscheinlich zum bedeutendsten Goldkonsumenten der Welt aufsteigen wird – wichtige Konjunkturdaten. Das Argument Inflationsangst hat auch unter den Chinesen den Rückzug angetreten. So soll laut Analystenschätzungen die Teuerungsrate im Juli von 2,2 auf 1,7 Prozent zurückgegangen sein. Sollte die chinesische Wirtschaft wieder an Stärke gewinnen, wird sich zeigen, wie groß der Goldappetit des Milliardenvolks ausfällt. Da die Schuldenprobleme dies- wie jenseits auf kurze Sicht wohl kaum zu lösen sind, könnte Gold auch im zwölften Haussejahr davon profitieren.
Bildquellen: Julian Mezger