03.10.2012 19:47
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Fidelity-Experte Hochman: „Sehe Gold bis Mitte 2013 auf 2100 Dollar steigen“

Jeff Hochman: Sehe den Goldpreis bis Mitte 2013 bei 2100 US-Dollar
Interview Exklusiv
Vor der Jahresendrally kommt erst eine Korrektur. Davon ist Jeff Hochman, Leiter der Technischen Analyse bei Fidelity, überzeugt. Bei Gold erwartet er ein neues Allzeithoch.
von Karen Szola, Euro am Sonntag

Auf welcher Basis analysieren Sie die Märkte?
Jeff Hochman: Die Grundlage für meine Betrachtung ist ein Mix aus fundamentalen Daten sowie technischen Interpretationen, also Intermarket-Analyse, Sentiment und Technische Analyse.

Die Aktienmärkte legten seit Sommer eine beeindruckende Rally hin. Aktuell scheint aber die Aufwärtsbewegung etwas ins Stocken geraten zu sein. Wie schätzen Sie die Lage ein und wie ist der Ausblick?
Der S&P 500, also der Aktienindex, der die 500 größten börsennotierten US-Konzerne enthält, weist in Korrelation zur Positionierung der Hedgefonds im Moment eine große Diskrepanz auf. So haben die Hedgefonds einen Großteil der Performance in diesem Jahr verpasst. Auch heute sind die meisten unter ihnen noch immer bearish positioniert. Diese Tatsache spricht insgesamt dafür, dass der Markt in den nächsten Monaten ein neues Top markieren könnte. Zudem ist die Volatilität derzeit mit etwa 16 Punkten auf einem relativ niedrigen Niveau.
Doch bevor wir neue Hochs sehen, erwarte ich eine Korrektur der Märkte im Oktober zwischen maximal 5 bis 7 Prozent, mehr nicht.

Gibt es noch weitere Indizien, die Ihren Optimismus für die nächsten Monate unterstreichen?
Viele Wall Street-Strategen raten ihren Kunden derzeit im Schnitt zu einer Aktienrate in Höhe von 44 bis 45 Prozent. Auf Sicht der letzten 30 Jahre lag diese Benchmark jedoch im Durchschnitt bei 60 Prozent Aktienanteil. Diese Zurückhaltung, auch als „Wall of Worry“ bezeichnet, zeigt die immer noch konservativ eingestellte Haltung der Profis zum Aktienmarkt und dient andererseits als ein guter Kontraindikator dafür, dass der Markt nicht deutlich unter Druck geraten wird.

Auf welche Branchen sollten sich Anleger fokussieren?
Für interessant halte ich Agrarrohstoffe wie Mais, Weizen, Sojabohnen, die in den nächsten zwölf Monaten wieder auf ihre Allzeithochs marschieren sollten.
Bei den Industriemetallen, wie Kupfer, Alu oder Nickel, bin ich dagegen etwas vorsichtig, da sie zuletzt seitwärts tendierten, sich also abschwächten und den Schub anderer Assetklassen nicht vollzogen. Technisch sind die Charts noch gut unterstützt. Sollten die Kurse der Industriemetalle jedoch nachhaltig durch ihre Supports nach unten brechen, so würde dies eine langfristige Trendwende nach unten einleiten.

Wie sieht es beim überhitzten Ölpreis aus? Wird er noch weiterklettern?
Nach dem starken Anstieg seit Sommer wird die Nordseemarke Brent tendenziell seitwärts laufen. Meine erwartete Range liegt hier zwischen rund 100 und 130 US-Dollar. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass der Ölpreis kurzzeitig wegen einer unvorhergesehenen geopolitischen Krise auch aus diesem Seitwärtstrend auf 150 oder 160 US-Dollar hochschnellen kann. Der Haupttrend sollte aber seitwärts gerichtet sein.

Interessant sieht auch der Langfristchart von Erdgas aus. Ist der Turnaround nach dem deutlichen Einbruch geschafft?
Erdgas, also Naturgas, bildet bei den Energierohstoffen eine Ausnahme. Hier bin ich überzeugt, dass der Preis weiter steigen wird, denn die Nachfrage ist enorm. Die USA sind hier langfristig klar im Vorteil, denn sie besitzen große Lagerstätten.

Die Angstwährung Gold ist in aller Munde und wird immer noch stark nachgefragt. Wird der Preis weiter zulegen?
Der langfristige Aufwärtstrend beim Gold ist intakt. Zuletzt ist das Edelmetall nach einer längeren Konsolidierungsphase nach oben ausgebrochen. Daher sehe ich den Goldpreis bis Mitte 2013 auf 2100 US-Dollar ansteigen. Im Zuge dessen sollte auch der Silberpreis weiter anziehen. Allerdings sollte der Aufwärtsschub bei Silber nicht so stark ausfallen wie 2010 oder 2011.

Wie kann man am besten in das Edelmetall investieren?
Anleger, die in Gold investieren möchten, greifen am besten zu Gold-ETFs oder zu anderen liquiden Goldinvestments. Skeptisch bin ich dagegen bei Goldminen-Aktien, obwohl diese derzeit auf einem historisch günstigen Niveau notieren. Ein wichtiger Grund sind die stark gestiegen Kosten der Goldminen-Betreiber, sodass sich die Gewinne der Unternehmen relativieren. Die bessere Alternative sind also direkte Investments in das Edelmetall.

Wie sind die Aussichten für das deutsche Aktienbarometer?
Für den DAX bin ich sehr optimistisch gestimmt. Er wird sein Allzeithoch noch vor April 2013 testen, da sich genügend BlueChips-Titel zuletzt unterdurchschnittlich zum Markt entwickelten, die für den nötigen Turbo sorgen werden. Sollte ich falsch liegen, so ist auf der Unterseite bei 6000 Punkten eine massive Unterstützungszone auszumachen, die einer möglichen Abwärtsdynamik die Stirn bietet. Zusammengefasst aber wäre ich nicht überrascht, wenn wir das Allzeithoch jenseits der 8100 Punkte-Marke beim DAX wiedersehen. Allerdings glaube ich, dass sich der Markt 2013 insgesamt nicht so stark entwickeln wird, wie in diesem Jahr. Eine Seitwärtsbewegung ist wahrscheinlich.

Von Interesse ist natürlich auch die weitere Prognose für die Gemeinschaftswährung, denn der Euro hat in den vergangenen Wochen deutlich aufgeholt. Ist das schon die Trendwende?
Richtig, der Euro hat zuletzt kräftig zugelegt. Mein Einstiegssignal wäre jedoch erst ein nachhaltiger Anstieg über 1,35 Dollar, um einer möglichen, bereits eingeleiteten, Trendwende Ausdruck zu verleihen. Denn noch unterliegt er langfristig seinem Abwärtstrend. Verharrt er demnach weiter unter der 1,35er Dollar-Barriere, so erwarte ich eine seitwärts gerichtete Bewegung in der Spanne zwischen 1,25 und 1,31 Dollar bis Ende des Jahres. Langfristig sollte der Euro unter Druck bleiben.

Jeff Hochman ist Leiter der Technischen Analyse bei Fidelity Worldwide Investment.

Top und Flop-Performer: So haben sich Rohstoffe im dritten Quartal entwickelt:

 

Platz 36: Mageres Schwein (-22,11%)

Den Auftakt für das Ranking macht Mageres Schwein. Mit einem Preiseinbruch um mehr als 22 Prozent ist der Rohstoff der schwächste Performer im letzten Jahresviertel.

Bildquellen: ded pixto / Shutterstock.com
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