von Julia Groß, Euro am Sonntag
Alles bleibt, wie es ist, und das ist gut so: Das versuchte die Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) nach ihrem Ministertreffen am Mittwoch zu vermitteln. Tatsächlich deuten die Beschlüsse aber eher auf Uneinigkeit und mangelnde Handlungsfähigkeit der Zwölfergruppe hin. Man kann sich nicht auf einen von den drei Kandidaten für das Amt des Generalsekretärs einigen — also bleibt der alte einfach für die dritte Amtszeit. Manche Mitglieder sorgen sich um die steigende Ölproduktion außerhalb der OPEC, ein anderer Teil fürchtet um die Weltkonjunktur — also bleibt die Förderquote, wie sie war.
So manövriert die OPEC den Ölmarkt in ein äußerst fragiles Gleichgewicht, das schnell in heftige Preisausschläge münden könnte. Denn besonders die immensen Produktionszuwächse in den USA, die durch neue Pipelines 2013 auch effizienter exportiert werden können, deuten auf einen deutlichen Überschuss an Öl hin. Das würde den Ölpreis belasten. Zwar wird Saudi-Arabien reagieren und seine Fördermenge kürzen: Die Saudis brauchen einen Ölpreis um die 100 US-Dollar pro Barrel, weil sie im Zuge des Arabischen Frühlings teure Wohlfahrtsprogramme für ihre Bürger aufgelegt haben. Fraglich ist aber, ob sie angesichts des neuen Ölriesen USA noch genug Einfluss auf den Preis ausüben können.
Denn der Puffer bei der OPEC-Förderkapazität ist gering, nach unten wie nach oben. Deshalb rechnet die Commerzbank mit deutlich steigenden Ölpreisen: Es gibt so viele potenzielle Konfliktherde im Nahen Osten und Nordafrika, dass Produktionsausfälle wahrscheinlich seien. Und auch die Nachfrage könnte sich positiver entwickeln als erwartet.
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