05.04.2013 13:01
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Gold kaufen, wenn die Kanonen fliegen?

Viele reiben sich dieser Tage die Augen beim Blick auf den Goldpreis: er ist auf USD Basis auf seinen tiefsten Stand seit über einem Jahr gefallen.
Die Eurokrise hat sich ausgeweitet, der internationale Währungskrieg tobt, die Weltwirtschaft wächst langsamer und das Säbelrasseln Nordkoreas nimmt ernstere Züge an. Im Grunde genommen die beste Nahrung für einen steigenden Goldpreis. Wenn Kim-Jong-il testosterongeladen den Vereinigten Staaten von Amerika die Stirn bietet und quasi den Krieg erklärt, so müsste doch der Goldpreis – der Angstbarometer schlechthin – nur eine Richtung kennen. Nämlich nach Norden. Doch genau das Gegenteil passiert. Ein Blick auf die weltweiten ETF-Bestände zeigt, dass die Abflüsse weiter anhalten. So auch beim größten Gold-ETF dem SPDR Gold Trust, welcher erneut Mittelabflüsse zu verzeichnen hat. Von seinem Rekordhoch ist der Goldpreis mittlerweile mehr als 20% entfernt.

Doch warum reagiert der Markt auf die Spannungen in Nordkorea mit einem gelangweilten Achselzucken? Politisch betrachtet gehen viele davon aus, dass Nordkorea gar nicht über das Millitärarsenal verfügt, um eine wirkliche, ernsthafte Bedrohung darzustellen. Doch unterschätzen sollte man den jungen Diktator ebenso wenig. Die Aktienmärkte sind weiter attraktiv und locken mit Renditen wie zu besten Bullmarktzeiten. Es ist also derzeit ein Spiel zwischen den Erträgen im Aktienmarkt und Sicherheit beim Goldpreis. Nachlassende Inflationsängste auf der einen Seite und Umschichtungen von Geldern in den Aktienmarkt auf der anderen Seite sind wohl die Haupttreiber. Institutioneller Akteuren, wie z.B. Hedgefonds, ziehen derzeit Gelder aus dem Goldmarkt ab und investieren in den Aktienmarkt auf der Suche nach satten Kursgewinnen. Dabei werden die Kurse an der Börse nicht von guten Nachrichten, sondern von billigem Geld erzeugt.

Und billiges Geld soll es nun noch mehr geben. Im Kampf gegen die Deflation hat Japan eine neue Kür eingebaut. Das Land schaffte über Nacht ihren Leitzins ab und orientiert sich jetzt bei ihrer Geldpolitik an der Geldmenge. Auf gut deutsch – Japan will jetzt alles: noch mehr Geld, noch mehr Wachstum, mehr Inflation und mehr Schulden. Die Zentralbankmenge an YEN soll mehr als verdoppelt werden. Das Kuriose hierbei – weltweit keine Spur von einer Inflationsangst.

Der relativ stabile US-Dollar gepaart mit einer rückläufigen Nachfrage tun ihr übriges dazu, dass der Goldpreis in EURO weiter unter Druck gerät. Während man als Mahner allein auf weiter Front steht, geht indes die Party an der Börse munter weiter. Und diese Börsenparty wird aller Voraussicht nach auch noch länger anhalten. Erst gestern verkündete die EZB, dass sie den Leitzins unverändert lassen wird. Der Kurs von Mario Draghi ist also weiterhin bekannt locker. Doch Vorsicht ist dennoch geboten. Zypern wurde relativ schnell von den schieren Mengen des billigen Geldes auf dem Markt aufgesaugt. Doch weitere Kandidaten wie z.B. Slowenien stehen auf der Beobachtungsliste. Interessanterweise haben sich die Netto-Long-Positionen an den Terminmärkten Ende März sehr schnell wieder vergrößert. Das zeigt, dass der Geldstrom bei den Investoren sich auch recht schnell wieder umkehren kann.

Es ist schon hinlänglich bekannt, dass Märkte in der Geschichte hin und wieder Anomalien aufweisen. Besitzer von physischem Gold tun gut daran, diese Marktanomalien auszusitzen. Für alle anderen Anleger, deren Verstand noch nicht von den möglichen Aktiengewinnen benebelt sind, können günstig einsteigen. Eins ist in diesen Tagen auch klar: Gold sollte man nicht nur aus dem Grund kaufen, dass Renditen ansteigen. In Zeiten, in denen Staaten Geld wie Monopolygeld behandeln und großflächig an die Banken verschenken, ist Gold das Stück Sicherheit, das langfristig zählt. Denn langfristig wird jemand die Zeche für diese gigantische Geldmengenausweitung zahlen. Es ist stark davon auszugehen, dass es mal wieder der Steuerzahler sein wird…

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