LONDON (dpa-AFX) - Der britische Gaskonzern Centrica <CNA.ISE> <CENA.FSE> steigt in das Atomstromgeschäft ein. Centrica will dem französischen Energiekonzern Electricite de France (EdF) <PEDF.PSE> für 2,3 Milliarden Pfund (2,57 Mrd Euro) einen 20-prozentigen Anteil am Atomstrom-Spezialisten British Energy abkaufen, wie die Unternehmen am Montag mitteilten. Der Preis beinhaltet den Angaben zufolge einen Nachlass von 6 Prozent auf den Preis, den die Franzosen zu Jahresbeginn rechnerisch für diesen Anteil bezahlen mussten. EdF-Aktien verloren am Vormittag knapp 3 Prozent auf 35,41 Euro, Centrica verbesserten sich um gut 3,5 Prozent auf rund 235 Pence.
Im Gegenzug übernimmt EdF für 1,3 Milliarden Euro 51 Prozent am belgischen Energieversorger SPE von Centrica. Insgesamt muss Centrica also rund 1,2 Milliarden Euro an EdF überweisen. Durch die Übernahme der Mehrheit an SPE wird EdF nach eigenen Angaben zum zweitgrößten Stromproduzent in Belgien. Die Transaktionen sollen Ende des dritten Quartals abgeschlossen sein. Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. EdF hatte British Energy erst Anfang des Jahres für 12,5 Milliarden Pfund übernommen und war damit zum größten Stromanbieter Großbritanniens geworden. Mit dem Einstieg bei British Energy will Centrica nach eigenen Angaben seine Abhängigkeit vom Gasgeschäft reduzieren.
HOHER KAPITALBEDARF
Wegen des hohen Kapitalbedarfs hatten sich EdF und Centrica bereits im vergangenen Jahr auf eine Zusammenarbeit verständigt, allerdings war damals eine Centrica-Beteiligung von 25 Prozent im Gespräch. Wegen gesunkener Energiepreise hatten sich die Centrica-Aktionäre allerdings gegen eine solch hohe Beteiligung ausgesprochen. British Energy betreibt acht Atomkraftwerke in Großbritannien. Weil die britische Regierung weiter auf den Ausbau der Kernenergie setzt, wollen Centrica und EdF vier neue Atomkraftwerke errichten. EdF betonte, für weitere Partner offen zu sein.
Zur Finanzierung der Investitionspläne sieht EdF-Chef Pierre Gadonneix keinen Bedarf für eine Kapitalerhöhung. Sein Unternehmen wolle sich aber von Beteiligungen im Wert von rund fünf Milliarden Euro trennen. Der Konzern stehe etwa in Gesprächen mit dem deutschen Energiekonzern E.ON <EOAN.ETR>. Dabei gehe es um unterschiedliche Themen, unter anderem um Tauschgeschäfte bei Unternehmensbeteiligungen sowie die Beteiligung an Atomkraftwerken in Frankreich wie in Penly. In jedem Fall werde es aber nur einen Betreiber pro Kraftwerk geben./RX/nl/pf/dct/wiz