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aktualisiert: 03.02.2012 16:57

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ROHSTOFF-ESSAY

Quo vadis, Ölpreis?



Max Holzer, Union Investment
Fast jedes Produkt benötigt Öl. Daher handelt es sich beim Ölpreis um einen zentralen Einflussfaktor für die Weltkonjunktur, erklärt Gastautor Max Holzer und gibt einen Ausblick.

Max Holzer, Gastautor von Euro am Sonntag

Die Preisentwicklung von Rohöl verlief 2011 zweigeteilt: In den ersten Monaten kam es in kurzer Zeit zu kräftigen Preissteigerungen. Aufgrund einer bis dahin gut laufenden Weltkonjunktur und dementsprechend robuster Nachfrage nach dem „schwarzen Gold“ befeuerten vor allem die Unruhen in den arabischen Ländern den Ölpreis. Der Ausfall der libyschen Ölförderung und die Möglichkeit einer Ausdehnung der Proteste (und des Verlusts weiterer Produk­tionsstätten) ließen im März den Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent auf über 120 US-Dollar ansteigen.

Zu Jahresanfang 2011 hatte der Wert noch unter 100 Dollar gelegen. Solche schnellen, abrupten Entwicklungen sind Gift für die Konjunktur, denn sie entziehen Kaufkraft. Nach einer gewissen Beruhigung der Lage im Nahen Osten und in Nordafrika (und dem Ausbleiben weiterer negativer Schocks auf das Angebot) folgte eine Phase der Entspannung. Zudem wirkte die weltweit abnehmende Wirtschaftsdynamik bremsend auf die Nachfrage. Der Preis je Barrel Brent pendelte sich zwischen 105 und 110 Dollar ein.

Engpass bei den Pipelines
verhinderte den Transport

Anders hingegen die Situation in den USA. Hier wird in erster Linie die Sorte WTI verwendet, deren Preis bis auf 75 Dollar zurückging. Hintergrund war ein Überangebot in Cushing (Oklahoma), das aus einer Mischung von innovativen Fördermethoden und einem Mangel an Pipeline-Kapazitäten resultierte. Neue Technologien ermöglichten eine höhere Ölproduktion. Ein Engpass im Leitungssystem verhinderte jedoch einen Transport von den Lagerstätten in der Landesmitte zu den Seehäfen. Resultat: Der Preis je Barrel WTI blieb bis zum Herbst unter Druck. Erst mit dem Umbau einer bereits bestehenden Pipeline konnte das überschüssige Öl zu den Terminals an der Küste geleitet und schließlich exportiert werden. Der WTI-Preis reagierte mit deutlichen Zuwächsen und der Preisunterschied zur Nordsee-Sorte Brent (zwischenzeitlich bis zu 30 Dollar) ging spürbar auf rund zehn Dollar je Barrel zurück. Dennoch: Bis zur Fertigstellung neuer Pipelines im Jahr 2014 wird die Differenz Bestand haben.

Für das Jahr 2012 sprechen aus fundamentaler Sicht viele Faktoren für ein relativ stabiles Preisband im Bereich um 105 Dollar je Barrel Brent bzw. 95 Dollar je Barrel WTI. Warum? Zum einen wird die libysche Ölproduktion wieder hochgefahren und vergrößert somit das verfügbare Angebot. Zum anderen hat die Weltwirtschaft an Fahrt verloren, wodurch die Nachfrage gedämpft wird. Diese Punkte wirken Preissteigerungen entgegen. Gleichzeitig ist jedoch nicht mit einem scharfen Absinken des Bedarfs zu rechnen, allein schon wegen des nach wie vor hohen Energiehungers in den Emerging Markets. Einen nur schwer kalkulierbaren Unsicherheitsfaktor stellen geopolitische Ereignisse wie die derzeitigen Spannungen im Nahen Osten dar. Negative Überraschungen sind daher nicht ausgeschlossen. Vor allem der Konflikt mit dem Iran könnte im Falle einer Zuspitzung — etwa bei einer Sperrung der wichtigen Seeroute durch die Straße von Hormus — zu drastischen Preissteigerungen führen. Sollten krisenhafte Entwicklungen jedoch ausbleiben, gehen wir von einer Seitwärtsbewegung beim Ölpreis aus.

Kein Belastungsfaktor
für die Weltkonjunktur

Aus konjunktureller Sicht gibt es also positive Vorzeichen für Ölimportländer wie Deutschland. Die „Ölsteuer“, das heißt der Kaufkraftentzug durch steigende Rohölpreise und der damit verbundene Vermögenstransfer in die Petro-Staaten, verliert an Bedeutung. Dieses Geld steht damit für andere Zwecke (etwa Konsum oder Investitionen) zur Verfügung. Hinzu kommt der größere geldpolitische Spielraum für die Notenbanken.

Aufgrund seiner Bedeutung heizt ein höherer Ölpreis die Inflationserwartungen an und kann somit die Zentralbanken zum Gegensteuern zwingen. Umgekehrt gilt: Bei stabilen oder sinkenden Notierungen hat die Geldpolitik eher Spielraum zur Stützung der Konjunktur, ohne gleich eine höhere Teuerung zu riskieren. Insbesondere in Staaten mit noch erhöhter Inflation — wie etwa bei der Wachstumslokomotive China — ist dieser Effekt von Bedeutung. Insgesamt bestehen somit gute Chancen, dass sich der Ölpreis im Jahre 2012 nicht zu einem Belastungsfaktor für die Weltkonjunktur entwickelt.

zur Person:

Max Holzer, Leiter Asset
Allocation bei der Union Investment

Max Holzer ist als Leiter der Asset Allocation für die Portfoliostrukturierung der Fondsgesellschaft Union Investment zuständig. Union Investment gehört zu den Volks- und Raiffeisenbanken und verwaltet aktuell ein Vermögen von rund 170 Milliarden Euro

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