von Andreas Höss, €uro am Sonntag
Bis zum Sommer gehörten Seltene Erden zu den Stars an den Börsen. Ein seltener Rohstoff, der für Zukunftstechnologien elementar ist und nur in China gefördert wird: „Das klang äußerst sexy“, so Rohstoffexperte Eckart Keil von Premium Investments. Anleger stürzten sich auf Zertifikate und kauften Aktien jener Unternehmen, die Gebirge, Meeresböden und Ebenen nach dem kostbaren Gut durchforsten. Heute ist die Euphorie verflogen. Anleger wurden ebenso geerdet wie die Börsenkurse dieser Unternehmen und die Preise für den Rohstoff.
Geschätzte 100 bis 200 Millionen Tonnen des Metalls schlummern in der Erde, verstreut über den Globus – in China, den USA, Australien oder Tausende von Metern unter der Oberfläche des Pazifiks. Trotzdem kommen 95 Prozent der Förderung aus China. Und der Monopolist beschränkt die Ausfuhren. Deshalb gab es beinahe hysterische Warnungen, Deutschland werde von den wichtigen Rohstoffen abgeschnitten. Denn die 17 Metalloxide der Gruppe werden in Elektroautos, Smartphones oder Windturbinen verbaut. Drehe China den Hahn zu, verpasse Deutschland dort den Anschluss, so die Sorge.

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Doch wie knapp die Seltenen Erden tatsächlich sind, ist schwer zu ermitteln. Die Verbraucher handeln Lieferkonditionen direkt aus, Zahlen sind Mangelware. „China begrenzt zwar das Angebot“, sagt Keil, „komplett zudrehen wird das Land den Hahn aber nicht.“ Entwarnung kam zuletzt auch von der Deutschen Rohstoffagentur. Sie erwartet besonders bei den sogenannten leichten Seltenen Erden wie Lanthan 2012 „eine deutliche Entspannung der Marktlage“.
Denn auch die steigende Nachfrage aus der Industrie ist keineswegs ausgemacht. Unklar ist, welche Zukunftstechnologien sich durchsetzen und wie stark diese von Seltenen Erden abhängig sind. So nimmt zum Jahresanfang an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen eine von Siemens geförderte Forschungsgruppe ihre Arbeit auf. Ihr Ziel: Strategien zur effizienteren Nutzung,
Wiederverwertung und Substitution Seltener Erden entwickeln. Rohstoffanalyst Jonathan Hykawy von Byron Capital Markets in Kanada spricht sogar von einem „Käuferstreik“.
Der ist ablesbar an den Preisen für Seltene Erden, die seit Frühjahr zwischenzeitlich um 20 Prozent zurückgingen. Das brachte wieder die Unternehmen der Branche unter Druck.
So verlor der vom Datendienstleister Bloomberg ermittelte Index der Seltene-Erden-Konzerne seit dem Hoch im Frühjahr über 50 Prozent.
„Bei diesen Bewertungen wird das Thema langsam wieder interessant“, sagt Keil, der zugleich davor warnt, auf kleine Explorer zu setzen. Lediglich fünf Prozent der Projekte aus diesem Bereich werden erfolgreich sein, so die Rohstoffagentur. Bleiben also nur große Konzerne wie Molycorp (ISIN: US 608 753 109 0), die Minen eröffnen wollen. Diese könnten auch wirtschaftlich arbeiten, wenn der Preis für Seltene Erden noch leicht sinkt, so Keil. Allerdings nur, wenn sie auch wirklich die angestrebten Fördermengen erreichen.