21.07.2012 03:00
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Goldstücke: Was Sammlermünzen wirklich wert sind

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Rohstoffe Spezial

Bundesdeutsche Goldstücke lohnen sich nur, wenn die Auflage gering ist — und deutsche Silberlinge eignen sich als rentierliche Kapitalanlage häufig gar nicht

€uro am Sonntag

von Martin Reim, Euro am Sonntag

Weil sie so schnell wächst, ist die Fichte bei Forstwirten und Waldbesitzern beliebt. Nun erfreut sie mit ihrer Dynamik auch Anleger: Ende Juni erschien eine Goldmünze des Bundes, auf der ein Zweig des Nadelbaums geprägt ist. Ausgabepreis beim offiziellen Verteiler, der Versandstelle für Sammlermünzen: 207,05 Euro. Beim Internet-Auktionshaus Ebay werden für diese Stücke aktuell bis zu 260 Euro bezahlt.

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Auf den Goldpreis ist der Anstieg nicht zurückzuführen, denn der ist in den vergangenen Wochen relativ konstant geblieben. Offensichtlicher Grund für den Aufschlag ist vielmehr die relativ geringe Auflage von 200.000 Stück, welche die Nachfrage nicht decken kann.

Nicht zum ersten Mal treibt eine knappe Auflage den Kurs. Bestes Beispiel ist die erste Münze aus der reihe „Deutscher Wald“ vom Juni 2010. Die „Eiche“, von der ebenfalls nur 200.000 Stück geprägt wurden, kostete damals 151 Euro und wird aktuell auf Ebay mit bis zu 330 Euro gehandelt — ein Plus von mehr als 100 Prozent. Der Goldpreis stieg gleichzeitig nur um etwa ein Drittel.

Schwanken mit dem Materialwert
Doch das sind Ausnahmen. Die meisten bundesdeutschen Ausgaben hängen am bloßen Goldpreis. Besonders deutlich wird das bei den Münzen mit einem Nennwert von 100 Euro, die seit 2002 jährlich erscheinen — in einer Auflage von bis zu einer halben Million. Daten von Ebay zeigen: Kein einziger Jahrgang liegt wesentlich über dem Materialwert. Der ging in den vergangenen Jahren steil nach oben. Aber ein zusätzlicher Sammlerwert ist nicht festzustellen.

So kosten Exemplare des im Oktober 2011 erschienenen Motivs „Wartburg“ derzeit etwa 660 Euro. Sie wiegen eine halbe Feinunze, also knapp 16 Gramm. Zum Vergleich: Der offizielle Goldpreis je Feinunze beträgt etwa 1300 Euro.

Die Käufer der „Wartburg“ haben sogar ein ziemlich schlechtes Geschäft gemacht. Denn seit 2011 wird pro Münze ein Ausgabeaufschlag von 50 Euro auf den Materialwert fällig. Zuvor waren es lediglich 25 Euro. Die 50 Euro liegen über den handelsüblichen fünf Prozent Aufschlag, wie sie beispielsweise bei einem Krügerrand gleichen Gewichts anfallen. Es wäre also besser gewesen, zu Investmentzwecken nicht zur „Wartburg“ zu greifen.

Preissprung ist fraglich
Offen ist, was preislich mit der diesjährigen 100-Euro-Ausgabe „Aachener Dom“ geschehen wird. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums erklärte gegenüber dieser Zeitung, die Auflage werde lediglich 270 000 Stück betragen. Das ist die niedrigste Zahl aller 100-Euro-Münzen; bei der „Wartburg“ waren es noch 300 000 Stück (siehe Tabelle). Ob diese Reduktion allerdings einen Preissprung bewirken wird, ist fraglich. Denn die Sprecherin begründet die Entscheidung mit einer „geringeren Nachfrage“ während der Bestellfrist, die bis Ende Mai lief.

Während bei Gold der eine oder andere Zuschlag auf den Ausgabepreis möglich ist, sieht es bei Silbermünzen der Bundesrepublik ganz finster aus, was die Wertentwicklung betrifft. Die Statistiken von Ebay sind eindeutig: Keine einzige Ausgabe der vergangenen vier Jahrzehnte schafft es, ihren Materialwert nennenswert zu übertreffen.

Auch in Zukunft sind keine großen Sprünge zu erwarten. So ist bei den Stücken der Qualität „Stempelglanz“, die bei Banken erhältlich sind, kein Gramm Silber enthalten. Nach einem starken Anstieg des Edelmetallpreises beschloss das Finanzministerium im Frühjahr 2011, eine Mischung aus Kupfer und Nickel zu verwenden. Kleiner Trost: Wer zugreift, erleidet zumindest inflationsbereinigt keinen Wertverlust. Die Stücke sind gültige Zahlungsmittel und müssen von der Bundesbank zum Ausgabepreis von zehn Euro zurückgenommen werden.

Silberfrei sind aber nicht alle Münzen: 62,5 Prozent sind in Stücken in „Spiegelglanz“ — einer besonders schönen Ausführung enthalten, die ausschließlich über die Verkaufsstelle für Sammlermünzen (www.deutsche-sammlermuenzen.de) erhältlich sind. Doch sie sind extrem teuer. So beträgt der Ausgabeaufschlag zehn Euro und übertrifft damit schon allein den Materialwert von knapp acht Euro. Hinzu kommt der Nennwert von zehn Euro, sieben Prozent Mehrwertsteuer (siehe Kasten) plus das Porto von mehr als vier Euro — macht zusammen gut 25 Euro. Zum Vergleich: Für diese Summe bekommt man im Fachhandel beinahe schon eine australische Silbermünze mit dem Motiv „Koala“ — und dem mehr als dreifachen Silbergehalt.

Fiskus geht bei Goldkauf leer aus
Goldfans haben es gut: Der Kauf bundesdeutscher Münzen ist steuerfrei, das gilt auch für fast alle aktuellen ausländischen Stücke. Bei Silber gelten hingegen drei verschiedene Steuersätze. Leer geht der Fiskus aus, wenn der aufgeprägte Preis gleich dem Verkaufspreis ist. Das ist bei jenen deutschen Silberlingen relevant, die über Banken und Sparkassen erhältlich sind. Allerdings enthalten diese Exemplare seit 2011 kein Edelmetall mehr, sodass sie für eine Rohstoffspekulation ausscheiden. Hingegen sind für die meisten aktuellen Silberstücke sieben Prozent fällig, etwa für jene Emissionen, die nur über die Verkaufsstelle für Sammlermünzen erhältlich sind. Für einige ältere Ausgaben gilt ein Steuersatz von 19 Prozent.

Welche das sind, steht auf einer Liste des Bundesfinanzministeriums, die €uro am Sonntag für Sie bereitgestellt.

Besteuerungsliste der Edelmetalle (PDF)

Beim Verkauf gilt für Gold- wie für Silbermünzen: Gewinne sind nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei. Bei früherem Verkauf ist der individuelle Steuersatz fällig, der höher sein kann als die pauschale Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Verluste sind mit anderen Spekulationsgewinnen verrechenbar.

Bildquellen: Julian Mezger

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