28.02.2013 13:01
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Holz-Investments: Sägen und hacken für den Aufschwung

Rohstoffe Spezial
Die Erholung am amerikanischen Immobilienmarkt treibt die Preise für Bauholz in die Höhe. Von dieser Entwicklung können auch Privatanleger in Deutschland profitieren.
€uro am Sonntag

von Andreas Hohenadl, Euro am Sonntag

Jedes Jahr tragen Holzfäller aus aller Herren Länder in der US-Kleinstadt Hayward im Bundesstaat Wisconsin ihre Weltmeisterschaft aus. Auch im kommenden Sommer werden in 21 Disziplinen vom Sägen bis zum Baumklettern wieder die Besten ihres Fachs ermittelt. In diesem Jahr dürften die Teilnehmer besonders gut trainiert sein. Denn Holz ist in den USA derzeit gefragt wie lange nicht.

Anfang der Woche kletterte der meistgehandelte Kontrakt für Bauholz an der Terminbörse in Chicago auf über 400 US-Dollar pro 1000 Board Feet (etwa 2,36 Kubikmeter). Das ist der höchste Stand seit April 2005. Vor zwölf Monaten kostete die gleiche Menge Holz rund 290 Dollar.

Angetrieben werden die Preise von der Erholung auf dem US-Immobilienmarkt. Im vergangenen Jahr trug der Wohnungsbau erstmals seit 2005 wieder zum Wachstum der weltgrößten Volkswirtschaft bei. Und auch für 2013 stimmen die Aussichten optimistisch: Die Zahl der Baugenehmigungen, ein wichtiger Vorlaufindikator, kletterte im Januar unerwartet stark auf eine Jahresrate von 925 000. Das ist der höchste Stand seit viereinhalb Jahren. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise wurden lediglich rund 554 000 Baugenehmigungen erteilt.

Wie eng die US-Holzpreise mit den Aussichten der Baukonjunktur verknüpft sind, zeigte sich ebenfalls diese Woche. Als ein viel beachteter Stimmungsindex der US-Hausbauer leicht zurückging, erhielten auch die Preise für Bauholz einen Dämpfer. Grund zur Sorge besteht nach Ansicht von Experten allerdings nicht, schließlich notiere der Stimmungsindex der National Association of Home Builders immer noch 64 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Geschwächtes Angebot
Die US-Baukonjunktur dürfte also in diesem Jahr die Holzpreise stützen. Daneben hat auch der weltweite Holzhandel in den vergangenen Jahren zugenommen. Vor allem in Asien und speziell China ist die Nachfrage nach Bauholz gestiegen.

Die hohen Preise kommen allerdings auch durch ein verringertes Angebot zustande. „In den vergangenen Jahren hat die Holzwertschöpfungskette beträchtlichen Schaden genommen“, sagt Christoph Butz, Manager des Pictet Timber Fund. Als Folge der Immobilienkrise in den USA ging die Bautätigkeit und damit der Bedarf an Bauholz massiv zurück. Das sorgte dafür, dass viele Sägemühlen aufgaben oder ihre Kapazität und ihren Personalstand verringerten. „Nun braucht es große Anreize, bis wieder Maschinen angeschafft und stillgelegte Fertigungslinien erneut in Betrieb genommen werden. Außerdem ist es nicht einfach, qualifiziertes Personal anzuwerben“, erklärt Butz.

Zu alledem kommt, dass die USA große Mengen Holz vom Nachbarn Kanada importieren. Doch dort reduzierte in den vergangenen Jahren die größte je registrierte Borkenkäferplage den Waldbestand in der für die Holznutzung wichtigsten Provinz British Columbia. Gemäß Schätzungen sind rund 18 Millionen Hektar Wald betroffen, was das Holzangebot in den USA um zehn bis 20 Prozent verknappt.

Die höheren Preise für Bauholz haben in weiten Teilen der USA bereits auf Baum- und Grundstückspreise durchgeschlagen. Davon profitieren Firmen wie Plumcreek — mit drei Millionen Hektar der größte private Waldbesitzer in den USA.

Auf solche Unternehmen zu setzen ist für Privatanleger der einfachste Weg, das Thema Holz und Wald im eigenen Portfolio zu spielen. Es empfiehlt sich jedoch ein breit gestreutes Investment via Fonds oder ETF (siehe Investor-Info). Dabei sollte man sich bewusst sein, dass eine solche Anlage „nur“ ein Investment in ein einzelnes Segment des Aktienmarkts darstellt — mit allen typischen Chancen und Risiken.

Das klassische Kriterium für ein Waldinvestment — die niedrige Korrelation dieser Anlage zu allen anderen Assetklassen — erfüllt ein solcher Aktienkorb nicht. Dazu müsste man in Geschlossene Fonds investieren. Die Nachteile dieser Beteiligungen sind allerdings „die mangelnde Streuung des Anlagevermögens und die hohe Kapitalbindung über einen langen Zeitraum“, wie Jürgen Raeke, Geschäftsführer von Berenberg Private Capital, betont.

Vorsicht ist auf alle Fälle angebracht, wenn Anbieter mit außergewöhnlich hohen Renditen für den Einstieg in Holzplantagen und Ähnliches werben. Anleger sollten sich stets ein genaues Bild von der Qualität des Initiators und des Managements machen. „Man sollte sich jemanden aussuchen, der einen Ruf zu verlieren hat“, rät Raeke.

Waldinvestments per se hält der Sachwertespezialist für aussichtsreich. Dafür sorgt schon der schwindende weltweite Baumbestand bei gleichzeitig steigender Holznachfrage. Denn Wald steht zunehmend in Konkurrenz zu Ackerland und Wohnflächen, die mehr Rendite abwerfen. Der World Wildlife Fund (WWF) prognostiziert bis zum Jahr 2050 in seinem drastischsten Szenario einen weltweiten Waldverlust von 230 Millionen Hektar. Die Bäume, die bei der Weltmeisterschaft der Holzfäller in Hayward zersägt und zerhackt werden, dürften da kaum ins Gewicht fallen.

Investor-Info

Wald als Kapitalanlage
Besser als der Aktienmarkt
Über die Preisentwicklung von Forstflächen gibt es bisher fast nur in den USA langfristige Zeitreihen. Ein viel beachteter Index ist der NCREIF Timberland, der seit 1987 berechnet wird. In ihn fließen vierteljährlich die Wertveränderungen von privatem Waldbesitz in den USA ein. Gegenwärtig repräsentiert er fast 400 Waldflächen im Wert von 23 Milliarden Dollar. Seit Beginn der Zeitreihe erzielten diese eine jährliche Wertsteigerung von 12,8 Prozent, während der Weltaktienindex MSCI World gerade mal um 4,3 Prozent pro Jahr zulegte.

Pictet Timber
Erfolgreicher Holzfonds
Seit April 2008 geht die Schweizer Gesellschaft Pictet mit ihrem Timber-Fonds ihren eigenen Holzweg. Und das sehr erfolgreich. Rund 53 Prozent hat der Fonds seit Auflage gewonnen. Die Fondsmanager Christoph Butz und Gabriel Micheli investieren schwerpunktmäßig in Unternehmen mit großen Waldbeständen. Derzeit setzen sie stark auf die Erholung am US-Häusermarkt. Fast 50 Prozent der Unternehmen, die sie im Fonds haben, profitieren unmittelbar von einer besseren Baukonjunktur.
ISIN: LU0340559557

iShares S & P Global Timber
Günstig abholzen
Eine kostengünstige Alternative für Anleger, in das Thema Holz und Wald zu investieren, bietet der iShares-ETF auf den S & P Global Timber & Forestry. Der Index bildet die Wertentwicklung von 25 Unternehmen aus der Holz- und Papierbranche in aller Welt ab. Rund 60 Prozent entfallen auf kanadische und US-amerikanische Firmen, knapp zehn Prozent auf japanische Unternehmen.
ISIN: DE000A0NA0H3

Geschlossener Fonds
Langer Atem gefragt
Geschlossene Waldfonds sind eine relativ junge Anlageklasse. Doch große Anbieter wie Jamestown oder Nordcapital haben bereits erfolgreich solche Fonds platziert. Derzeit interessant ist eine Beteiligung, mit der Anleger in Teak- und Akazienhölzer in Panama investieren: Pure Forest 01 (www.pure-blue.de). Der Fonds hat eine relativ kurze Laufzeit von 15 Jahren, erste Rückflüsse in Höhe von acht Prozent sind bereits nach vier Jahren geplant. Das Besondere ist, dass Anleger in bereits bewirtschaftete Waldflächen investieren. Nach der Edelholzernte sollen diese in einen ökologisch genutzten Mischwald umgewandelt werden. Der Initiator ist zwar neu unter den Waldfondsanbietern, dafür verfügt der Forstmanager Forest Finance seit 1995 über Erfahrung vor Ort. Die Waldflächen wurden günstig für 3,5 Millionen US-Dollar gekauft. Mindestanlage: 5250 Euro inklusive Agio.

Bildquellen: Creativ Collection
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