von Astrid Zehbe, Euro am Sonntag
Ein gehöriges Maß an Ausdauer und Durchhaltevermögen hat Ivan Glasenberg, das muss man ihm lassen. Der Chef des Rohstoffgiganten Glencore ist nicht nur mehrfacher südafrikanischer Landesmeister im Gehen, sondern auch Strippenzieher bei der Megafusion von Glencore und Xstrata. Vergangenen Dienstag ist er seinem Ziel ein großes Stück näher gekommen. Auf den Hauptversammlungen der beiden Rohstoffgiganten sprachen sich die jeweiligen Anteilseigener für einen Zusammenschluss aus — über 99 Prozent der Aktionäre von Glencore und 78,88 der Besitzer von Xstrata.
Mit der Zustimmung endet ein monatelanges Gerangel um die Fusion der beiden Konzerne. Nachdem Xstrata-Aktionäre die ursprüngliche Offerte von 2,8 Glencore-Aktien als zu niedrig abgelehnt hatten, erhöhte Glasenberg das Angebot auf 3,05 Aktien. Glencore legt damit rund 33 Milliarden Dollar für Xstrata auf den Tisch.
Das verbesserte Angebot überzeugte am Ende auch das Emirat Katar. Der Golfstaat, der mit einem Anteil von zwölf Prozent einer der größten Anteilseigner ist, hatte sich lange gegen eine Verschmelzung gesträubt, dann aber doch zugestimmt. Abgelehnt hingegen wurde eine umstrittene Halteprämie für Xstrata-Manager, die sich auf fast 230 Millionen Dollar belaufen hätte.
Geht die Fusion wie geplant über die Bühne, wäre das der größte Zusammenschluss der Branche seit der Fusion von Rio Tinto und Alcan 2007. Der neue Konzern hätte dann 130.000 Mitarbeiter in über 40 Ländern und würde einen Umsatz von über 200 Milliarden Dollar erwirtschaften. Das Besondere an dem Megadeal ist die Entstehung eines Rohstoffunternehmens, das die gesamte Wertschöpfungskette in sich vereint. Das heißt, von der Förderung der Rohstoffe über ihre Verarbeitung und Lagerung bis hin zum Verkauf findet alles unter einem Dach statt. Mit einer Marktkapitalisierung fast 90 Milliarden Dollar wäre „Glenstrata“ das viertgrößte Unternehmen des Sektors.
Auf einigen Gebieten würde der Rohstoffkoloss sogar zum Marktführer aufsteigen. Bei den Rohstoffen Blei, Kobalt und Zink wäre der Konzern die neue Nummer 1 auf dem Markt. Außerdem könnte das Unternehmen seine Position auf dem Kohlemarkt deutlich ausbauen.
EU-Kommission bewilligt Deal
Das letzte Wort in Sachen Fusion haben nun die Wettbewerbshüter. Am Donnerstag gab die EU-Kommission grünes Licht — allerdings unter Auflagen. So muss der Rohstoffriese die Kooperation mit dem belgischen Zinkproduzenten Nyrstar zurückfahren. Die Bereitschaft dazu hatte Glencore bereits Anfang November signalisiert. Glasenberg muss sich nun ein letztes Mal in Geduld üben, denn auch die Kartellwächter in China, Australien und Südafrika haben Mitspracherecht und könnten die Fusion noch kippen.
Diese letzte Unsicherheit spiegelt sich auch in den Notierungen wider: Mit einem Kurs von 12,61 Euro
weist die Xstrata-Aktie (ISIN: GB 003 141 100 1) noch einen leichten Abschlag zur Glencore-Aktie (ISIN: JE 00B 4T3 BW6 4) auf, die bei 4,26 Euro notiert. Angesichts des Übernahmeangebots von 3,05 Glencore-Aktien müsste sie eigentlich bei knapp 13 Euro notieren.
Im Überblick: Die größten Rohstoffkonzerne (pdf)