„Short-Squeeze und starke Dollarverluste lösen Ölpreisrallye aus“ / Heizölpreise und Getoil.de-Report vom 23.09.2008
Der Preis für Rohöl ist am Montag aufgrund größerer Kursverluste des amerikanischen US-Dollars und einem Monatswechsel der gehandelten Ölfutures regelrecht explodiert und zwischenzeitlich auf die Marke von 130 US-Dollar je Fass angestiegen. Nach Aussagen von Analysten kam der historische Preisanstieg von rund 25,5 US-Dollar beim auslaufenden Oktoberkontrakt nur wegen einer sogenannten Short Squeeze-Situation zustande, weil einige Händler unter Zugzwang gerieten und ihre Positionen aus spekulativen Leerverkäufen der letzten Woche glattstellen mussten, um einer tatsächlichen Auslieferung des Rohöls zu entgehen. Die Gegenseite nutzte die Notsituation eiskalt aus, indem Sie das Öl nur mit kräftigen Aufschlägen handelte. Im Fokus des Marktinteresses lag allerdings der neue Folgemonat November, -hier wurden die eigentlichen Umsätze generiert und ein Tagesgewinn von mehr als 6 US-Dollar je Fass Rohöl erzielt.
Der US-Dollar erlebte gestern im Gegenzug den kräftigsten Kursrutsch seit Januar 2001 und verlor gegenüber dem Euro mehr als zwei Prozent an Wert. Anleger hatten bereits in der Vergangenheit immer wieder mit umfangreichen "Hedgegeschäften" in Rohstoffe wie Öl investiert und den Ölpreis dadurch auf Rekordstände gehievt, um sich vor Kursverlusten des US-Dollars abzusichern.
Zudem sehen viele Experten in der vermutlich größten Rettungsaktion der Finanzgeschichte einen idealen Anlass um in Rohstoffe wie Öl zu investieren. Die US-Regierung hatte gegen Ende der letzten Woche nach der Bankenpleite der legendären Lehman Brothers eine Finanzspritze von 700 Milliarden US-Dollar für den Aufkauf von faulen Krediten in Aussicht gestellt. Michael Aronstein, Analyst und Präsident von Marketfield Asset Management, kann sich in diesem Zusammenhang sogar eine neue Ölpreisrallye im Zuge einer plötzlichen Erholung der US-Konjunktur im letzten Quartal des laufenden Jahres vorstellen. Allerdings geht Aronstein in den nächsten Monaten von Preisen unterhalb der letzten Rekordstände aus, da die aktuelle Krise der US-amerikanischen Finanzindustrie aufgrund struktureller Probleme noch weiter andauern wird.
Am heutigen Dienstag notiert der Ölfuture des aktuellen Frontmonats November im Vergleich zum Vortagesschluss nahezu unverändert bei der Marke von 109 US-Dollar. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der führenden US-Sorte West Texas Intermediate (WTI)* 109,05 US-Dollar. Das waren 0,32 US-Dollar weniger als am Montagabend zu Handelsende (Schlusskurs: 109,37 US-Dollar) in New York. Damit lag der Kurs für Rohöl 25,95 Prozent bzw. 38,22 US-Dollar unter der Rekordmarke vom 11. Juli 2008.
Neue Impulse versprechen sich Experten nun von den neuesten US-Lagerbestandsdaten, die morgen Nachmittag gegen 16:35 Uhr MEZ bekannt gegeben werden. Aufgrund der letzten Wirbelstürme im Golf von Mexiko sowie im Süden der USA gehen Analysten aufgrund von Förder- und Produktionsausfällen überwiegend von Bestandsabbauten aus. So erwarten die Experten bei den Rohöllagerbeständen einen Rückgang der Bestände in Höhe von -1,6 Mio. Barrel und beim Benzin Abbauten in Höhe von -3,5 Mio. Barrel im Vergleich zur Vorwoche. Die Bestände der Destillate, dazu zählen Heizöl und Diesel, sollen ersten Prognosen zufolge ebenfalls um -1,0 Mio. Barrel abgenommen haben.
Situation der Heizölpreise:
Der Hamburger Heizölpreis steigt heute um 0,50 Euro pro hundert Liter an. Eine Lieferung von 3.000 Ltr. Premium Heizöl kostet heute im Großraum Hamburg EUR 82,75 (Vorjahr: EUR 65,20) und liegt damit knapp unter dem laufenden Jahresdurchschnittspreis in Höhe von EUR 83,15. Alle vorgenannten Heizölpreise verstehen sich pro 100 Ltr. inkl. 19% MwSt. und frei Haus.
Philip Hagel, Louis Hagel Mineralöl Handels-GmbH / http://www.getoil.de


