27.06.2013 14:10
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Geht Gold auf Null?

Das wohl gerade nicht, doch muss ich zugeben, dass dieser Sturz nicht in mein Szenario passt.
Mit dem heutigen Tag hat er nun auch das Korrekturausmaß im Lehman-Crash von 2008 überschritten. Es fällt schwer, eine Prognose abzugeben, wie weit der Preis noch fallen kann. Aus antizyklischer Sicht müsste nun eigentlich mal Schluss sein. Die US-Anlagestrategen erreichen mit nur noch 29 Prozent Optimisten den tiefsten Stand seit April 2004, als sich die Hausse noch im Anfangsstadium befand. Die kurzfristigen US-Gold-Börsenbriefschreiber empfehlen mit minus 43,3 Prozent massive Short-Positionen im Gold und die von Sentix gemessene Stimmung befindet sich auf einem neuen Rekordtief. Auch die Positionsdaten vom Terminmarkt in den USA sprechen die gleiche Sprache. Das Verhältnis der Long-Positionen zu Short-Positionen ist ebenfalls so niedrig wie seit 2004 nicht mehr. Massiver können die Kaufsignale kaum sein.
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Am fundamentalen Umfeld hat sich eigentlich nichts geändert. Gold müsste eigentlich der Gewinner des internationalen Währungsabwertungswettlaufs sein, tatsächlich aber passiert derzeit das Gegenteil.

Für den Gold-Investor mit langfristiger Perspektive sollte der Kurssturz selbst nicht zum Verkaufsargument werden. Sich in seiner fundamentalen Sicht von kurzfristigen Kursentwicklungen beeinflussen zu lassen, war langfristig gesehen immer falsch. Problematisch ist es nur dann, wenn die fundamentale Sicht grundverkehrt ist. Hier muss jeder Anleger selbst Position beziehen, meine für Sachwerte und damit auch die Edelmetalle positive Sicht hat sich nicht geändert. Eines aber dürfte durch die jüngsten Kursstürze klar geworden sein. Die Verschwörungstheoretiker, die großen Banken schlimme Manipulation unterstellt haben, als im April der Einbruch begann, befinden sich auf dem Holzweg. Oder wer soll nun wieder Interesse haben, auf die Kurse zu drücken?

Nach meiner Einschätzung sehen wir nach wie vor die Zwangsauflösung von Haussepositionen, wo nun einfach Stopp-Loss greifen. Dazu gehören sicher auch jüngere Engagements, die auf eine schnelle Erholung angelegt waren.

Ein Grund für die Schwäche des Goldpreises dürfte auch in der aktuellen Schwäche der Indischen Rupie liegen. Diese erreicht neue Rekordtiefs und lässt somit die Kaufkraft der immer noch größten Goldkäufer schwinden. Dazu kommen erhöhte Einfuhrzölle, weil Indien sein Leistungsbilanzdefizit nicht weiter wachsen sehen möchte, was durch hohe Goldimporte passieren würde. Dennoch, Montag beginnt das saisonal bekanntlich günstigere zweite Halbjahr für Gold, und eine gewisse Erholung der Rupie erscheint ebenfalls überfällig. Damit rückt eine Aufwärtskorrektur des Goldpreises wahrscheinlich auch immer näher, wenngleich derartige Prognosen in diesem Marktumfeld schwierig bleiben.

Mehr von und über Stefan Riße erfahren Sie unter www.rissesblog.de

Stefan Riße, ist Fondsmanager des Investmentfonds „Riße Inflation Opportunities UI“ bei der HPM Hanseatischen Portfoliomanagement in Hamburg. Bekannt ist er durch seine jahrelange Tätigkeit als Börsenkorrespondent für den Nachrichtensender N-TV. Sein aktuelles Buch „Die Inflation kommt“, belegte 2010 erste und zweite Plätze auf den bekannten Wirtschaftsbuch-Bestsellerlisten.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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