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29.10.2012 13:18

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Gold für Draghi!


Fast den ganzen Sommer über dümpelte der Preis für die Feinunze Gold in einem schmalen Seitwärtskanal zwischen 1550 und 1630 US-Dollar vor sich hin.

von Wolfgang Köbler, Vorstand der KSW Vermögensverwaltung AG, Nürnberg

Doch dann ließ der EZB-Chef die Goldbesitzer jubeln: Mario Draghi verkündete Anfang September, die EZB stehe künftig bereit, im Zweifelsfall unlimitiert Staatsanleihen europäischer Krisenstaaten zu kaufen, um so das Überleben der Europäischen Einheitswährung zu sichern.

ETFs heizen Nachfrage an

Die monetären Schleusen sind nun also auch in Europa weit geöffnet. Ob Draghi damit wie einst Goethes Zauberlehrling Geister rief, derer er nicht wieder Herr werden kann, muss sich noch zeigen. Die Inflationsangstwährung Gold reagierte auf die Nachricht jedenfalls prompt und stieg auf ein vorläufiges Jahreshoch von rund 1.750 Dollar.

Die Hausse wird dabei zunehmend von Finanzinvestoren getrieben, die sich umso stärker am Goldmarkt engagieren, je mehr das Vertrauen in die Papierwährungen schwindet. Sämtliche Gold-ETFs halten mittlerweile eine komplette Jahresproduktion in Höhe von rund 2.500 Tonnen Gold. Allein seit Juli kauften sie fast 100 Tonnen. Damit sind die Gold-ETFs der drittgrößte Halter von Goldreserven weltweit, nach den USA und der Bundesrepublik Deutschland. Die Goldbestände der Zentralbanken innerhalb der Eurozone blieben unverändert bei ca. 480 Mrd. Euro, die Notenbanken der Schwellenländer haben im ersten Halbjahr 2012 ihre Goldreserven um 250 Tonnen aufgestockt.

Geldmenge wächst schneller als der Goldpreis

Trotz der wachsenden Nachfrage ist der Goldpreis in den vergangenen vier Jahren nur halb so stark gestiegen wie die Zentralbankgeldmenge M 0, die Summe des Bargeldumlaufs und der Guthaben der Kreditinstitute bei der EZB. Diese Geldmenge ist seit 2008 viel stärker gewachsen als die reale Wirtschaft. Natürlich will die EZB mit der Ausweitung der Geldmenge die Wirtschaft im Euro-Raum ankurbeln. Doch die gewünschten Effekte werden immer kleiner.

Es wird genau dann spannend, wenn die radikalen Maßnahmen der Notenbank zu sichtbaren negativen Effekten führen, das heißt wenn nach Stabilisierungspolitik und Geldschwemme die Wirtschaftsleistung fällt und der Kapitalmarkt stärker korrigiert.

Für Besitzer von Aktien, Anleihen oder Immobilien ist es von höchster Bedeutung, ob die aktuelle Marktverzerrung weiter gestützt oder ob eine dringend notwendige Marktbereinigung doch noch zugelassen wird. Dabei ist es für die Investoren völlig unbedeutend, ob die Bereinigung durch inflationäre Geldentwertung oder den deflationären Kreditausfall erfolgt. Gold ist die ideale Anlage, wenn sich Zinsniveaus, kreditfinanziertes Wachstum und Kapitalfehlallokationen der realen Wirtschaftstätigkeit anpassen.

Goldproduktion kann nicht Schritt halten

Doch was machen die Goldproduzenten? Ist nicht davon auszugehen, dass ein anhaltend steigender Goldpreis irgendwann zu einer nachziehenden Produktion führt? In den 1970er Jahren dauerte es ca. sieben Jahre, bevor aus einer fallenden Produktion eine deutlich anziehende Fördermenge wurde. Seit Beginn des derzeitigen Aufwärtstrends 2001/2002 fiel die Goldförderung erneut sieben Jahre, um seit Ende 2009 langsam wieder anzuziehen. Es erscheint zwar wahrscheinlich, dass die Jahresfördermenge von aktuell 2500 Tonnen in den kommenden fünf Jahren auf 3000 Tonnen gesteigert wird. Eine weitere Erhöhung der Produktion ist langwierig. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte dauert es im Schnitt 18 Jahre vom Auffinden wirtschaftlich sinnvoll abbaubarer Goldvorkommen bis zu deren tatsächlicher Ausbeutung.

300 Prozent Plus in zehn Jahren

In den vergangenen zehn Jahren brachte ein Goldinvestment in Euro gerechnet fast 300 Prozent Wertzuwachs. Dass dieser langfristige Anstieg jetzt plötzlich zum Ende kommen könnte, ist nicht in Sicht, solange Draghi die Notenpresse laufen lässt.

Wir gehen davon aus, dass der Goldpreis nach einer kurzfristigen Korrektur, die durchaus 10 bis 15 Prozent betragen kann, seinen langfristigen Aufwärtstrend fortsetzen wird. Innerhalb der kommenden 12 bis 24 Monate dürfte der Preis für die Feinunze Gold auf 2.200 US-Dollar steigen.

Immer mehr Privatanleger in Deutschland vertrauen bei ihrer Geldanlage auf bankenunabhängige Vermögensverwalter. Frei von Produkt- und Verkaufsinteressen können sie ihre Mandanten bestmöglich beraten. Mehr Informationen finden Sie unter www.vermoegensprofis.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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