Dies wirft Fragen hinsichtlich der Motive auf, denn warum sollte das Königreich mehr Öl fördern, wenn es dieses nicht verkaufen kann? Saudi Arabien erhöhte seine Ölvorräte zwischen Dezember und Februar um 35,4 Millionen Barrels. Ein Grund dafür könnte eine Vorbereitung auf eine Eskalation des Irankonflikts sein.
Saudi Arabien ist ein Swing-Producer. Durch seine vorhandenen, aber nicht genutzten Kapazitäten bei der Ölförderung zählen Öl importierende Länder darauf, dass Saudi Arabien im Notfall den Markt mit ausreichendem Angebot versorgen wird. Iran exportiert rund 2,2 Millionen Barrels täglich und Analysten von Goldman Sachs schätzen, dass die tatsächlich nutzbare Restkapazität innerhalb der OPEC lediglich einer Million Barrels/Tag erreicht. Sollte Iran als Exporteur also tatsächlich ausfallen, so könnten die Restkapazitäten nicht ausreichen, um den Weltmarkt zu versorgen. Saudi Arabien greife mit dem Aufbau von Lagerbeständen einem solchen möglichen Engpass bereits vor.
Die Analysten schätzen, dass die Aufstockung auch eine Vorbereitung sein könnte auf eine saisonal höhere Nachfrage im Sommer. Dann wird in den Industrieländern wieder verstärkt das Auto genutzt, besonders während der Urlaubszeit. Außerdem wird im Sommer wieder mehr Öl von den Ölkraftwerken in Saudi Arabien nachgefragt. Die Saisonalität der Nachfrage dieser Kraftwerke hat sich in den letzten Jahren immer stärker herausgebildet und lag im vergangenen Jahr im dritten Quartal um 400.000-500.000 Barrels/Tag über dem Niveau des ersten Quartals. Saudi Arabien beuge mit dem Aufbau eigener Lagerbestände dem Umstand vor, dass es mehr Öl auf den Weltmarkt exportieren muss, ohne gleichzeitig zu riskieren, selbst zu wenig Öl zur Verfügung zu haben.
Anleger sollten in jedem Fall beachten, dass, wie aus diesen Ausführungen deutlich wird, die Entwicklung des Ölpreises von einer Vielzahl wirtschaftlicher und politischer Faktoren abhängt, die bei der Bildung einer Markterwartung berücksichtigt werden sollten.
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