12.03.2017 13:22
Bewerten
(0)

Negativzinsen bald auch bei anderen Brokern?

Wer folgt flatex?: Negativzinsen bald auch bei anderen Brokern? | Nachricht | finanzen.net
Negativzinsen für Privatkunden bald auch bei anderen Banken?
Wer folgt flatex?
DRUCKEN
Ab 15. März berechnet der Onlinebroker flatex Strafzinsen auf Kundenguthaben. Ein Einzelfall? Oder ziehen andere Broker bald nach? finanzen.net hat bei Consorsbank, comdirect, ING-DiBa & Co. nachgehakt.

Die Aufregung war groß, als den 180.000 flatex-Kunden am 2. März eine "Information zur Einführung von Negativ­zinsen auf Guthaben" ins Haus flatterte. Man sehe sich gezwungen, so flatex-Chef Frank Niehage, den Kunden ab 15. März 2017 einen Negativzins in Höhe von derzeit 0,40% p.a. auf ihre bei der biw AG gehaltenen Guthaben zu berechnen. Zugleich kündigte der Finanz­dienstleister an, auch eventuelle weitere Anpassungen des Negativ­zinssatzes durch die EZB an die Kunden weiter­reichen zu wollen.

finanzen.net berichtete ausführlich über die Strafzinsen für flatex-Kunden, die laut flatex-Chef Niehage einer Zusatzbelastung von im Durchschnitt 40 Euro pro Jahr gleichkommen. Im Schnitt wohlgemerkt, denn die Zusatzkosten können durchaus auch geringer oder höher ausfallen, je nachdem, welche Beträge auf dem Cashkonto bei flatex lagern.

Strafzinsen auch bei anderen Banken und Brokern?

Zahlreiche Anleger, die nicht bereit sind, Strafzinsen auf ihre Einlagen zu zahlen, haben sich zwischen­zeitlich auf die Suche nach Alternativen begeben. Der finanzen.net Online Broker-Vergleich, der die Konditionen der wichtigsten Anbieter vergleicht, hatte so viele Zugriffe wie selten zuvor. Und auch das finanzen.net Brokerage-Angebot war deutlich stärker als sonst frequentiert. Wenig verwunderlich, hatte die flatex-Konkurrenz doch umgehend die Werbetrommel gerührt, um die Gunst der Stunde zu nutzen und abwanderungs­willigen flatex-Kunden ihre Kontenmodelle "ohne Negativ­zinsen" schmackhaft zu machen. "Keine Lust auf Negativ­zinsen? Dann wechseln Sie jetzt." hieß es beispielsweise bei der comdirect.

Die Verunsicherung unter Anlegern ist jedenfalls spürbar. Viele Depotkunden stellen sich die Frage, ob das Beispiel flatex Schule machen und vielleicht auch die eigene Depotbank bald mit Negativ­zinsen um die Ecke kommen könnte. finanzen.net hat sich deshalb unter den bedeutendsten Online­brokern umgehört und die Anbieter nach ihren dies­bezüglichen Planungen befragt.

Das sagen Deutsche Bank, ING-DiBa und Targobank zu Negativ­zinsen

Eine Sprecherin der Deutschen Bank teilte finanzen.net auf Anfrage mit, dass das Institut "sehr aufmerksam und fortlaufend die Auswirkungen der negativen Marktzinsen auf die Kunden und die Bank beobachte". Die Deutsche Bank "plant derzeit nicht, im breiten Kundengeschäft Kosten für Einlagen an die Kunden weiterzugeben". Mit institutio­nellen Kunden mit zusätzlichem Bedarf an Einlage­produkten stehe die Bank im engen Dialog, um passende Anlage­alternativen oder Kompensations­modelle zu vereinbaren." Diese Aussagen gelten so auch für maxblue, die Online-Investment-Plattform der Deutschen Bank, so die Sprecherin der Deutschen Bank.

Ziemlich eindeutig hingegen die Aussagen der ING-DiBa. Laut eines Unternehmenssprechers gebe es "überhaupt keine Überlegungen bezüglich der Einführung von Negativ­zinsen für unsere Sparkunden". Negativ­zinsen wolle man "auf jeden Fall vermeiden" und man sei "sehr zuversichtlich, dass uns das auch über 2017 hinaus gelingen wird".

Dass vielen Banken die von der Europäischen Zentralbank (EZB) berechneten Strafzinsen weh tun, räumte auch Axel Bäumer von der Targobank im Hintergrundgespräch ein. Dennoch ein klares Statement des Unternehmenssprechers: "Die Targobank plant nicht, Negativ­zinsen einzuführen."

Aktienhandel beim Testsieger *

Consorsbank und comdirect wollen keine Strafzinsen

Auch die Branchengrößen comdirect und Consorsbank, die erst kürzlich die Übernahme der DAB Bank vollzogen hat, teilen unisono mit, dass es derzeit keine Überlegungen zur Einführung von Strafzinsen gebe. Die Frage, ob die Einführung von Negativ­zinsen bis Ende 2017 ausgeschlossen sei, beantwortete Dirk Althoff von der Consorsbank wie folgt: "Es wäre unseriös, Dinge kategorisch auszuschließen. Ich bin mir aber recht sicher, dass es mit hoher Wahrscheinlich­keit keine Negativ­zinsen in 2017 geben wird."

Auch bei der comdirect, so Sprecherin Katharina Bremer, plane man "Negativ­zinsen für unsere Kunden zu vermeiden". Gleichzeitig "beobachte man aber auch weiterhin den Markt und die Entwicklungen". Auf die Frage, wann sich die comdirect gezwungen sehe, Negativ­zinsen einzuführen, teilt die comdirect mit: "Natürlich prüfen wir, wie wir im Interesse aller Beteiligten bestmöglich auf die anhaltende Niedrig­zinsphase reagieren können. Und klar ist auch: Hohe Einlagen, die dauerhaft zinslos auf den Konten deponiert werden, nutzen niemandem etwas. Nicht den Kunden, da sie einen realen Wertverlust erleiden, wenn sie ihr Geld auf ihrem Konto liegen lassen. Und auch nicht der Bank, die dafür bezahlen muss, ihr Geld bei der EZB zu deponieren. Wir schauen daher gemeinsam mit den Kunden, wie wir eine für alle Beteiligten optimale Lösung finden."

Für LYNX sind Negativ­zinsen nichts Neues

Kein neues Thema sind Strafzinsen hingegen beim Broker LYNX, der seine Kundenkonten über Interactive Brokers (IB) in Groß­britannien führt. Die gibt es bereits. Anders als bei der BIW (flatex, ViTrade), die schon ab dem erste Euro Negativ­zinsen erhebt, berechnet LYNX Negativ­zinsen jedoch "ausschließlich ab einem Volumen von 100.000 Euro und größer", so Klaus Schulz. "Die Einführung von Negativ­zinsen ab dem ersten Euro ist zum aktuellen Stand nicht geplant." Auf die Frage, ob die Einführung von Negativ­zinsen bis Ende 2017 ausgeschlossen werden könne, entgegnet der Marketing­verantwortliche: "Wir vermeiden dies, solange wie es wirtschaftlich sinnvoll ist."

Keine derartigen Überlegungen bei DKB, S Broker und DEGIRO

Auch beim Broker der Sparkassen (S Broker) und der niederländischen DEGIRO will man von Strafzinsen derzeit nichts wissen. Alexander Rackwitz vom S Broker beteuert, dass "die Weitergabe so genannter Negativ­zinsen an unsere Kunden bzw. die Erhebung von Verwahr­entgelten [...] derzeit nicht geplant" sei. "Keine Überlegungen zur Einführung von Negativ­zinsen" gebe es auch bei DEGIRO, so Jan Jirsa, der bei den Niederländern für die DACH-Region (Deutschland, Österreich und die Schweiz) verantwortlich ist.

Auf die Frage, ob man die Einführung von Strafzinsen bis Ende 2017 aus­schließen könne, teilt der Sparkassen­broker schriftlich mit: "Die Einführung von Negativ­zinsen können wir - ebenso wie viele andere Institute - nicht kategorisch ausschließen. Eine solche Einführung ist beim S Broker jedoch derzeit nicht geplant." Bei DEGIRO klingt das hingegen so: "Negativ­zinsen erscheinen aus heutiger Sicht sehr unwahrscheinlich."

Auch von der DKB-Pressestelle erfuhr finanzen.net, dass "derzeit keine Negativ­zinsen geplant" seien. Eine verbindliche Aussage auf die Frage, ob die Einführung von Negativ­zinsen bis Ende 2017 ausgeschlossen werden könne, erhielt finanzen.net hingegen nicht.

IG und OnVista Bank legen sich fest

Auch wenn alle zwölf befragten Institute beteuern, dass es "aktuell" keine Überlegungen zur Einführung von Negativ­zinsen gebe, wollten sich nur zwei davon verbindlich auf den Zeitraum bis Ende 2017 festlegen. Sowohl bei IG Markets, einer 100-prozentigen Tochter der britischen IG Group, als auch bei der OnVista Bank aus Frankfurt, denke man nicht darüber nach, die EZB-Strafzinsen an die Kunden weiter­zureichen. Die Einführung negativer Zinsen bis Ende 2017 schließen sowohl IG als auch die OVB definitiv aus. Letztere ist auch für das finanzen.net Festpreis-Depot verant­wortlich, gute Nachrichten also für finanzen.net-Nutzer.

Passend zum Thema:

» Stiftung Warentest: Sparpotenzial bis zu 627 Euro bei den Depotkosten 
» Broker Vergleich: die Konditionen von Online­brokern im Überblick 
» flatex führt Strafzinsen auf Guthaben ein
» finanzen.net Brokerage: das Festpreis-Depot für Anleger 

Bildquellen: igorstevanovic / Shutterstock.com, StockThings / Shutterstock.com, igor.stevanovic / Shutterstock.com

Heute im Fokus

DAX geht schwächer ins Wochenende -- Dow schwächer -- Sinn: Krise der Eurozone nicht vorbei -- Morgan Stanley-Chef: Bitcoin könnte weitere 700% steigen -- Tesla stellt Lkw & Roadster vor

Nächster BER-Eröffnungstermin soll im Dezember genannt werden. Air-Berlin-Chef - Etihad wollte schon vor einem Jahr aussteigen. Tausende protestieren bei Siemens gegen Stellenabbau. Londoner Startup will Bitcoin zum normalen Zahlungsmittel machen. Foot Locker: Hoffnung auf anziehende Sportschuh-Käufe in den USA. Warum Warren Buffett mit seinem Apple-Investment alles genau richtig macht. VW-Kernmarke sieht sich mit Sparprogramm auf Kurs.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Payment-Trend: Der Vormarsch von digitalen Zahlungsabwicklern

Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, warum vor allem asiatische Unternehmen beim Mobile-Payment eine wichtige Rolle spielen und welche Aktien vom mobilen Bezahlen profitieren könnten.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Top-Rankings

KW 46: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
KW 45: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Die Länder mit den größten Goldreserven 2017
Wo lagert das meiste Gold?

Umfrage

Glauben Sie, dass eine Jamaika-Koalition zustande kommt?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
GAZPROM903276
EVOTEC AG566480
Deutsche Bank AG514000
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
TeslaA1CX3T
Daimler AG710000
Fresenius SE & Co. KGaA (St.)578560
BYD Co. Ltd.A0M4W9
Apple Inc.865985
GeelyA0CACX
CommerzbankCBK100
Siemens AG723610
E.ON SEENAG99
Bitcoin Group SEA1TNV9
Infineon AG623100