von Thomas Schmidtutz, €uro am Sonntag
Wer in diesen Tagen die Fernsehnachrichten in den USA verfolgt, kriegt es ein bisschen mit der Angst zu tun. Das liegt nicht am republikanischen Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney, der auf seiner Europa-Tournee gerade von einem Fettnapf in den nächsten stolperte. Viel mehr als der tapfer lächelnde Außenpolitikpraktikant bewegen die Menschen zwischen Boston und San Diego stattdessen die täglichen Horrorberichte über die anhaltende Dürre. Vor allem den Mittleren Westen hat es schwer erwischt. In vielen Regionen ist seit über vier Monaten kein Regen mehr gefallen. Schon jetzt gilt die Dürre als schlimmste Trockenperiode seit 1956.
Naturparks als Weiden
Die Situation ist inzwischen so schlimm, dass viele US-Bundesstaaten zu Notmaßnahmen greifen. Angesichts verdorrter Weiden hat etwa der US-Bundesstaat Wisconsin staatliche Naturparks als Weiden fürs ausgemergelte Vieh ausgewiesen. In Iowa, Illinois oder Missouri, die vor allem vom Getreideanbau leben, fällt die Ernte im laufenden Jahr praktisch komplett aus. Neben den USA werden auch Teile Europas sowie Indiens derzeit von einer ungewohnten Trockenperiode heimgesucht. Russland hat angesichts massiver Ernteausfälle seine Prognose für die Weizenernte bereits mehrfach nach unten korrigiert. Weil die Dürre einfach nicht enden will, zieht Russland — immerhin der drittgrößte Weizenexporteur der Welt — nun die Notbremse. Im laufenden Jahr werde man wohl keinen Weizen exportieren können, warnte unlängst Vize-Agrarminister Alexander Tschernogorow.
Kein Wunder, dass die Preise von Agrarrohstoffen kein Halten mehr kennen. Seit Mitte Juni ist der Preis pro Scheffel (27,2 Kilo) Weizen um 40 Prozent auf 8,80 Dollar nach oben geschnellt. Die Preise anderer Agrarrohstoffe wie Soja oder Mais sind ähnlich stark gestiegen.
Doch während sich die Landwirte die Haare raufen, reiben sich Anbieter von Pflanzenschutzmitteln, Dünger und Saatgut die Hände. Angesichts der hohen Preise sei es für Farmer momentan „besonders lukrativ, den Ertrag ihrer Äcker mithilfe von Dünger und Pflanzenschutzmitteln zu maximieren“, schreiben die Analysten der Citigroup in einer neuen Studie. Vor allem die Landwirte in Lateinamerika dürften sich entsprechend positionieren.
Angesichts dieses Umfelds läuft es für die Anbieter von Düngemitteln, Saatgut oder Pflanzenschutz blendend. Der weltgrößte Agrarchemiekonzern Syngenta peilt fürs laufende Jahr einen neuen Umsatzrekord an. Wegen der hohen Preise gebe es für die Bauern „einen hohen Anreiz, Syngenta-Produkte zu verwenden“, jubelte Syngenta-Chef Mike Mack unlängst. Ähnlich zuversichtlich hatte sich zuvor der US-Saatguthersteller Monsanto geäußert und seine Prognose angehoben. Auch deutsche Konzerne profitieren. Ende Juli hatte etwa der Düngemittelhersteller K + S unerwartet gute Zahlen gemeldet.
Treiber Bevölkerungswachstum
Auch langfristig sind die Perspektiven der Branche ziemlich gut. Bis 2100 könnte die Weltbevölkerung von derzeit 7,4 auf zehn Milliarden Bewohner steigen. Der zusätzliche Nahrungsmittelbedarf wird sich nur über den Ausbau der Ackerflächen und einen höheren Hektarertrag decken lassen.
Anleger, die vom Boom bei Agrarrohstoffen profitieren und ihr Risiko breit streuen wollen, können sich mit einem Endloszertifikat der UBS (ISIN: DE 000 UB8 963 4) positionieren. Es enthält die zehn größten Aktien des Agrarchemiesektors und wird einmal pro Jahr überprüft und angepasst. Neben Syngenta und Monsanto sind auch K + S und Potash dabei.