von Sven Parplies, Euro am Sonntag
Es kann ganz schnell gehen — quasi über Nacht können Übernahmeangebote den Aktienkurs von Unternehmen in die Höhe treiben. Wie beim Metallpressenhersteller Schuler: Als Ende Mai der österreichische Anlagenbauer Andritz den Anteil der Gründerfamilie aufkaufte und ein Angebot an alle anderen Aktionäre vorlegte, schoss die Schuler-Aktie aus dem Stand um über 25 Prozent in die Höhe.
Für Anleger, die in aussichtsreiche Übernahmekandidaten investieren wollen, hat die HypoVereinsbank jetzt ein Zertifikat aufgelegt (ISIN: DE 000 HV7 TPD 2). Es bildet einen Index aus 20 deutschen Aktien ab — den Solactive German Mergers & Acquisitions Performance Index. Qualifiziert haben sich Unternehmen, bei denen aufgrund von Marktstellung, Aktionärsstruktur und Bewertungskennziffern eine Übernahme realistisch ist. Als Mindestgröße ist eine Marktkapitalisierung von 100 Millionen Euro festgelegt.
Besonders spannend ist die Situation beim Indexmitglied Vossloh, einem Spezialisten für Bahninfrastruktur. Dort hat der Milliardär Heinz Hermann Thiele seine Beteiligung auf über 20 Prozent aufgestockt und angekündigt, Einfluss auf das Unternehmen nehmen zu wollen.
Das Biotechunternehmen Morphosys wäre durch seine breite Pipeline mit Wirkstoffkandidaten ein attraktives Ziel für einen Pharmakonzern. Novartis hat sich bereits sechs Prozent der Aktien gesichert — womöglich ist die Beteiligung der erste Schritt zu einer Komplettübernahme.
Auch bei den Indexmitgliedern Bertrandt, Deutz und Kuka gibt es Großaktionäre, für die eine Komplettübernahme strategisch sinnvoll sein könnte. Bei anderen Titeln schürt die Dynamik der jeweiligen Branche Übernahmefantasie, etwa beim Generikahersteller Stada und beim Chiphersteller Infineon.
Die 20 ausgewählten Aktien wurden zum Emissionstag des Zertifikats gleich stark gewichtet. Alle drei Monate wird die Zusammensetzung überprüft und angepasst, zum ersten Mal im Dezember. In Sondersituationen können auch kurzfristig Änderungen vorgenommen werden, etwa wenn die Handelsumsätze einer Aktie nach einem Übernahmeangebot zu niedrig werden. Das Zertifikat hat keine Laufzeitbeschränkung. Die Managementgebühr liegt bei jährlich einem Prozent.
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