von Jens Castner, Euro am Sonntag
Zwei Prozent Zinsen pro Jahr sind derzeit nicht überall zu bekommen, pro Quartal schon gar nicht. Wer solche Renditen sucht, muss sich von Tages- oder Festgeld verabschieden und ins Risiko gehen – dank der von der HypoVereinsbank (HVB) aufgelegten Zins-Expresszertifikate aber nicht übermäßig. Die Papiere sind eine Art Zwitter aus Aktienanleihen und klassischen Expresszertifikaten.
Die Funktionsweise ist denkbar einfach. Wie bei einem herkömmlichen Expresszertifikat erhalten Anleger sofort das Geld (zuzüglich einer Ertragszahlung) zurück, wenn der Basiswert an einem bestimmten Bewertungstag auf oder über dem Kurs zum Emissionszeitpunkt des Zertifikats notiert. Sollte der Kurs darunter-, jedoch noch oberhalb einer eingezogenen Sicherheitsbarriere liegen, wird ebenfalls gezahlt. Dann allerdings verlängert sich die Laufzeit bis zum nächsten Beobachtungstag. Wenn auch die untere Barriere berührt oder gerissen wird, fällt die Ertragszahlung aus. Die Laufzeit verlängert sich ebenfalls, die Chance auf weitere Ertragszahlungen zu den nächsten Beobachtungstagen besteht weiterhin.
Ein Verlust entsteht nur, wenn der Kurs des Basiswerts auch am allerletzten Bewertungstag unterhalb der Barriere verharrt. Hier kommt die Aktienanleihekomponente ins Spiel. Statt des Nominalbetrags (meist 1000 Euro) wird eine vorher festgelegte Anzahl von Aktien geliefert, falls der Risikopuffer nicht ausgereicht hat. Damit es nicht so weit kommt, werden recht komfortable Barrieren, in der Regel 40 Prozent unterhalb des Basispreises, angeboten.
Besonders attraktiv sind die Papiere für Anleger, denen an regelmäßigen Ausschüttungen gelegen ist. „Da die Bewertungstage im Quartalsrhythmus stattfinden, ergibt sich auch die Chance auf vierteljährliche Ertragszahlungen“, erklärt HVB-Derivateexperte Dominik Auricht.
Beim Zins-Express auf Puma können pro Quartal im besten Fall 2,2 Prozent Ertrag vereinnahmt werden. Sollte das Zertifikat bis zur Endfälligkeit im Dezember 2012 durchlaufen, errechnet sich eine jährliche Rendite von etwa 10,5 Prozent.
Ebenso viel bringt ein Zertifikat auf die Allianz-Aktie, das mit einer Barriere unter 50 Euro besonders für konservative Anleger geeignet scheint: Um die Zinszahlung zu gefährden, müssten die Anteilsscheine des Versicherungskonzerns schon auf die Tiefststände der Finanzkrise abrutschen. Und nur, wenn dieses niedrige Niveau bis zum Ende der Laufzeit Bestand hätte, würden statt des Nominalbetrags zwölf Allianz-Aktien geliefert. Die Chance, dass der Allianz-Kurs bis zum nächsten Bewertungstag am 6. August von derzeit 81 auf den Basispreis von 82,98 Euro steigt, erscheint da ungleich höher.
Eine etwas aggressivere Herangehensweise ist mit einem Papier auf die Deutsche Bank möglich, derzeit einer der volatilsten DAX-Titel. Beim Stichtag am 1. Juni verfehlte der Aktienkurs den Basispreis von 49,66 Euro denkbar knapp, die nächste Chance ergibt sich am 1. September. „Zins-Expresszertifikate müssen nicht zwangsläufig bis zur Endfälligkeit gehalten werden“, sagt Auricht. „Sie lassen auch Spekulationen auf eine vorzeitige Rückzahlung zu.“
Wenn das nicht klappt (und der große Crash am Aktienmarkt ausbleibt), wird die Wartezeit mit mehr als drei Prozent Rendite versüßt – wiederum pro Quartal.
Investor-Info
Allianz (DE 000 HV5 A0Y 0), Basispreis: 82,98 Euro, Barriere: 47,79 Euro, Ertrag pro Quartal: 21,00 Euro, Laufzeit: 14.11.2011, Rendite p.a: 10,54 %, Zertifikat in Euro: 976,16
Bayer (DE 000 HV5 A31 1), Basispreis: 53,73 Euro, Barriere: 32,24 Euro, Ertrag pro Quartal: 19,00 Euro, Laufzeit: 13.12.2011, Rendite p.a: 10,15 %, Zertifikat in Euro: 983,99
Deutsche Bank (DE 000 HV5 AZ8 3), Basispreis: 49,66 Euro, Barriere: 29,80 Euro, Ertrag pro Quartal: 30,00 Euro, Laufzeit: 08.12.2011, Rendite p.a: 14,00 %, Zertifikat in Euro: 972,33
Puma (DE 000 HV5 A24 6), Basispreis: 232,17 Euro, Barriere: 139,31 Euro, Ertrag pro Quartal: 22,00 Euro, Laufzeit: 22.12.2011, Rendite p.a: 10,50%, Zertifikat in Euro: 1002,67