
Wenn es in den vergangenen Jahren eine erfolgreiche Innovation in der Zertifikatebranche gab, dann sind es Faktorzertifikate. Zunächst von der Commerzbank entwickelt, werden diese speziellen Hebelpapiere inzwischen hundertfach von diversen Häusern angeboten — und von tradingorientierten Anlegern gern nachgefragt. Kein Wunder: Denn die Dinger sind so, wie es Anleger mögen — einfach konstruiert, einfach zu verstehen.
Der Clou von Faktorzertifikaten ist der konstante Hebel. Ein Beispiel: Ein Anleger kauft ein entsprechendes Long-Produkt mit einem Dreierhebel auf den DAX. Er spekuliert also auf steigende Kurse bei dem Index. Klettert der DAX nun von einem auf den anderen Tag um 1,5 Prozent, so legt das Faktorzertifikat um 4,5 Prozent zu. Umgekehrt verliert es im gleichen Ausmaß, wenn der Index um 1,5 Prozent fällt.
Der Unterschied zu klassischen Turboprodukten ist nun, dass bei Faktorzertifikaten der Hebel täglich auf das festgelegte Niveau zurückgesetzt wird. Anleger agieren also jeden Tag mit dem gleichen, in diesem Fall also immer mit einem Dreierhebel. Bei einem klassischen Turbopapier sinkt dagegen der Hebel während eines Kursanstiegs.
Als erste Bank bringt die Deutsche Bank nun Faktorpapiere auf den DAX mit einem Sechserhebel auf den Markt — sowohl in der Long-Variante (ISIN: DE 000 DX6 DAX 0) als auch in der Short-Variante (DE 000 DX6 SRT 0)auf den Markt. Sollte der DAX nach der EZB-Entscheidung unbegrenzter Anleihekäufe nun in einen Rallymodus starten, bieten die Produkte für tradingorientierte Anleger eine interessante Chance auf hohe Kursgewinne. Doch Vorsicht, sie bergen auch enorme Risiken.
Zum einen wirkt der Hebel natürlich auch in die andere Richtung. Allerdings hat die Deutsche Bank einen Mechanismus eingebaut, um einen plötzlichen Totalverlust zu verhindern. Verliert der DAX während des Handelstags bei Faktor-6-Zertifikaten 8,33 Prozent, wird ein neuer Handelstag simuliert und so die Berechnungsgrundlage angepasst. Damit beziehen sich alle weiteren Kursbewegungen nicht mehr auf den Schlusskurs des Vortags, sondern auf den letzten DAX-Stand vor dem Anpassungsmechanismus. Die Berechnungsbasis wird also halbiert.
Doch auch in Seitwärtsmärkten sind die Produkte hochriskant. Sollte beispielsweise der DAX über mehrere Tage stark schwanken, können Faktorzertifikate stark an Wert verlieren, obwohl der DAX am Ende des Trends wieder sein ursprüngliches Niveau erreicht.
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