Turbo-Puts: Für den Urlaub das Depot absichern
Mit den wieder aufkeimenden Sorgen um eine Ansteckung weiterer Euroländer durch die Schuldenkrise ist die Nervosität an den Aktienmärkten in den vergangenen Wochen enorm gestiegen. Trotz der jüngsten Aufwärtsbewegung vieler Aktienmärkte: Es ist kaum absehbar, wie sich beispielsweise der DAX angesichts der politischen Unsicherheit in Griechenland oder der angeschlagenen spanischen Banken in den nächsten Wochen entwickeln wird. Für Anleger ist es daher sinnvoll, ihr Depot urlaubsfest zu machen und ihre Aktienpositionen abzusichern. Neben Put-Optionsscheinen eignen sich dazu auch Turbo-Shortprodukte.
Put-Optionsscheine in Kombination mit Aktien gleichen einer Versicherung. Sie greift, wenn sich die Kurse des Basiswerts negativ entwickeln, und ermöglicht eine Partizipation an steigenden Kursen des Basiswerts. Der Kaufpreis des Optionsscheins entspricht dabei der Versicherungsprämie — ähnlich wie bei einer Haftpflichtversicherung. Aktuell liegen die Prämien für Optionsscheine bei einer dreimonatigen Absicherung eines Portfolios mit DAX-Aktien aufgrund der hohen Volatilität bei etwa 6,6 Prozent. Das ist erheblich mehr als noch Anfang des Jahres.
Eine Alternative zu klassischen Put-Optionsscheinen sind Turbo-Shortprodukte: Sie sind nahezu frei von Volatilitätseinflüssen, haben häufig eine unbegrenzte Laufzeit und sind von steigenden Optionsprämien nicht betroffen.
Mit Turbos nehmen Anleger immer eine neutrale Position zum Markt ein. Es entstehen weder Verluste noch Gewinne, da der Wert der Aktienposition in Kombination mit dem Turbo immer gleich hoch ist und Verluste und Gewinne der Aktienposition und der Turbo-Position sich gegenseitig aufheben. Denn anders als Optionsscheine sind Turbo-Produkte unbedingte Termingeschäfte, das heißt, das Geschäft wird immer durchgeführt und abgerechnet. Turbo-Shorts eignen sich zur Absicherung, wenn kurzfristig nicht mit steigenden Kursen gerechnet oder der Verzicht auf Gewinne über den Absicherungszeitraum in Kauf genommen wird.
Eine Absicherung mit Turbos
ist vergleichsweise günstig
Ein Vorteil von Turbos ist, dass ihr Preis in erster Linie von der Basiswertentwicklung abhängt, wodurch die Preisgestaltung sehr transparent ist. Der Grund: Bei Turbos haben weder die Volatilität des Basiswerts noch der Zeitwert einen Einfluss auf den Kurs des Papiers. So sind Turbos in Phasen hoher Volatilität ein vergleichsweise günstiges Absicherungsinstrument — immer genau dann, wenn der Wunsch nach Absicherung steigt.
Auch sonst ist die Absicherung mit Turbos quasi kostenlos: Denn wird die Absicherung nicht benötigt — wie bei einer Seitwärtsbewegung des Basiswerts —, kann die Turbo-Position zum gleichen Wert wieder verkauft werden. Dabei ist es unerheblich, wie hoch der Knock-out-Level gewählt wurde. Zwar verteuert sich mit einem hohen Knock-out-Level der Turbo deutlich, aber der Anleger erhält bei einem Verkauf der Absicherungsposition den entsprechend hohen Kaufpreis zurück.
Dabei ist es ratsam die Knock-out-Schwelle sehr hoch zu wählen, damit diese Absicherung nicht vorzeitig ausknockt und dadurch schlagartig verfällt.
Bei klassischen Optionsscheinen hingegen reduziert die Optionsprämie immer den Gewinn der Gesamtposition, ob der Schadensfall eintritt oder nicht. Daher ist diese Versicherung häufig mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden — besonders wenn die Volatilität hoch ist.
Zu guter Letzt sind Turbos unschlagbar, wenn der Absicherungshorizont unklar ist oder offenbleiben soll. Durch Endlos-Turbos bleiben Anleger flexibler, sie müssen sich nicht festlegen. Bei Optionsscheinen hingegen ist es zwingend notwendig zu entscheiden, für welchen Zeitraum die Versicherung benötigt wird, da der Preis mit der Länge der Laufzeit signifikant steigt und die Absicherung erst zum Laufzeitende wirkt.
Klassische Optionsscheine sind immer dann ein sinnvolles Absicherungsinstrument, wenn die Volatilität gering ist und eine Partizipation an steigenden Kursen aufrechterhalten werden soll. Kurzum, wenn die Absicherung einer Versicherung gleichen soll.
Daher sind Turbos in vielen Fällen eine gute und kosteneffiziente Alternative zu klassischen Optionsscheinen — immer dann, wenn die Volatilität hoch ist und der Zeitraum für die Absicherung unklar ist.
zur Person:
Stefano Angioni,
Investmentexperte bei der DZ Bank
Stefano Angioni ist seit 2001 europaweit im
Zertifikatemarkt tätig, seit 2008 bei der DZ Bank in verschiedenen Funktionen wie Sales, Vermarktung und Strukturierung. Zuvor studierte der
gebürtige Frankfurter mit italienischen Wurzeln in Mannheim BWL.
Die DZ Bank gehört zu den drei führenden Emittenten von Zertifikaten und Hebelprodukten in Deutschland mit einem Marktanteil von knapp 16 Prozent. Eniteo.de, das Derivateportal der DZ Bank, bietet Anlegern mit rund 75.000 Zertifikaten und Optionsscheinen eine große Produktauswahl.
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