von Thomas Schmidtutz, €uro am Sonntag
Das Internet hat eine vergleichsweise kurze, aber schon sehr bewegte Geschichte hinter sich — auch an der Börse. Zur Jahrtausendwende sprangen Investoren im kollektiven Anlagewahn auf alles, was sich auch nur annähernd mit der magischen Sigle „www“ in Verbindung bringen ließ.
Die Folge: Im März 2000 kamen die rund 370 an der US-Technologiebörse Nasdaq notierten Internetwerte auf eine Börsenbewertung von insgesamt 1,3 Billionen Dollar. Doch dann dämmerte Investoren, dass auch im heraufziehenden Zeitalter des World Wide Web eine eigene Präsenz im Web allein längst nicht genügt, um damit Geld zu verdienen — und die Internetblase platzte.
Amazon knöpft sich Apple vor
Eine Dekade nach dem Absturz fällt das Urteil der Investoren nun differenzierter aus. Während einst hochgejazzte Webaktien wie Yahoo mit wachsender Verzweiflung nach einem Geschäftsmodell suchen und der Aktienkurs im Keller ist, rennen Kunden anderen Web-Unternehmen die Bude ein. Beim Internetkaufhaus Amazon etwa stieg der Umsatz im abgelaufenen Quartal um satte 29 Prozent auf 12,8 Milliarden Dollar. Zwar litt der Gewinn erneut unter hohen Investitionen in Lager, Versandzentren und digitale Inhalte sowie das eigene Abspielgerät Kindle. Aber Amazon ist bei den Webshops längst die Nummer 1 und im Vertrieb von digitalen Inhalten wie Musik oder elektronischen Büchern ein ernst zu nehmender Gegner für Branchenprimus Apple. Die Aktie hat seit Jahresanfang gut 40 Prozent zugelegt.
Auch beim Online-Reiseportal Expedia kriegen sich Investoren kaum noch ein angesichts rasanter Wachstumszahlen. Im jüngst abgelaufenen Quartal hat das digitale Reisebüro seinen um Sondereffekte bereinigten Gewinn je Aktie dank starker Hotelbuchungszahlen um 24 Prozent auf 89 Cent je Aktie gesteigert. Analysten hatten gerade mal 72 Cent erwartet. Angesichts dieses Wachstums legte die Aktie nach Veröffentlichung der Zahlen vor gut einer Woche um 20 Prozent zu. Mit einem Plus von rund 90 Prozent gehört Expedia im laufenden Jahr zu den stärksten Aktien im S & P 500, der die größten US-Werte umfasst.
Neben den Branchengrößen wie Amazon oder Expedia weisen auch kleine, hierzulande kaum bekannte Werte erstaunliche Zuwächse aus. Beispiel Concur: Das US-Unternehmen liefert eine Plattform zur Abrechnung von Reisekosten von Firmenkunden via Internet. Erst Anfang Juni hatte sich die Webfirma aus der Microsoft-Hochburg Redmond überraschend den Auftrag zur Reisekostenabrechnung der US-Bundesbehörde GSA gesichert. Die GSA bündelt als Dienstleister die Bestellungen anderer Bundesbehörden. Zu ihren Aufgaben gehören etwa die Planung, der Bau und der Betrieb neuer Bürogebäude, aber auch der Einkauf. Hier kommt dann Concur ins Spiel. Nach den Planungen werden die US-Bundesbehörden in den kommenden Jahren ihre gesamten Reisebuchungen, die dazugehörigen Genehmigungen und die Abrechnung von Dienstreisen über Concur abwickeln. Das Volumen ist lukrativ: Über die Vertragslaufzeit von 15 Jahren umfasst der GSA-Deal ein Einkaufsvolumen von insgesamt rund 1,4 Milliarden Dollar. Investoren waren begeistert, der Kurs zog kräftig an.
Starke Zahlen bei Concur
Am Mittwoch präsentierte Concur zudem erneut überraschend gute Zahlen. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres legte der Umsatz um rund ein Viertel auf 113,2 Millionen zu, der um Sondereffekte bereinigte Gewinn stieg um 17 Prozent auf 34 Cent je Aktie. Analysten hatten lediglich mit 21 Cent gerechnet. Die Aktie gehört im laufenden Jahr zu den stärksten Werten an der US-Technologiebörse Nasdaq.
Investoren, die auf den weiteren Siegeszug von Internetwerten setzen, finden mit Basketzertifikaten eine interessante Alternative zum Investment in Einzeltitel. Basketzertifikate bilden einen Aktienkorb nach. Dies kann ein Land sein oder ein Investmentthema. Bei Internetwerten bietet sich das Basketzertifikat auf den Dow Jones Internet Commerce an (ISIN: DE 000 687 485 2). Das Papier um Amazon, Ebay und Co ist seit Jahresanfang bereits um 50 Prozent gestiegen, und das, obwohl Mitglieder wie der DVD-Verleiher Netflix oder das Gesundheitsportal WebMD im laufenden Jahr zweistellige Kursverluste erlitten haben.
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