06.12.2012 17:30
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Israelische Index-Zertifikate: Zuversicht in Tel Aviv

Israel-Investments
Trotz permanenter Kriegsgefahr läuft die Wirtschaft des Heiligen Landes hervorragend. Mit welchen Zertifikaten Anleger dabei sein können.
€uro am Sonntag

von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Fast schon routiniert reagierten Anleger an der Börse in Tel Aviv auf den neuen Gaza-Krieg. Der Leitindex TA 25 tauchte kurz um fünf Prozent ab, die er nach Ende des Konflikts aber sofort wieder aufholte. Dieses Muster zeigte sich schon bei früheren Konflikten. Die israelischen Anleger sind es gewohnt, dass ihr Staat sich seit seiner Gründung im Jahr 1948 im permanenten Kriegszustand befindet.

Auch Regierungskrisen machen den abgebrühten Anlegern kaum Sorgen. Die Halbwertzeit von Parteienkoalitionen in Tel Aviv ist traditionell gering. Daher bewirkte die kürzlich erfolgte Auf­lösung der Regierung durch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und die Ausrufung von Neuwahlen im Januar keine Unruhe an den Märkten. Auch weil Netanjahu klarer Favorit ist. Der Rechtsblock unter Führung seiner immer extremer werdenden Likud-Partei mit Verbündeten aus dem ultra­nationalistischen und religiösen Spektrum dürfte wiedergewählt werden.

Die Opposition, die vorrangig aus Kadima, der Partei des verstorbenen Ex-Premiers Ariel Scharon, und der Arbeiterpartei besteht, ist zerstritten und hat keine charismatischen Kandidaten. Selbst die Großproteste im Sommer 2011 und 2012 trieben ihr kaum Wähler zu.

Hauptthema im Wahlkampf sind nicht die sozialen Proteste, sondern die Bedrohung durch den Iran und die Palästinenser. In Krisenzeiten schart sich die Bevölkerung um ihren Führer. Diese alte Weisheit scheint auch auf den Hardliner Netanjahu zuzutreffen. Die Mehrheit der Israelis vertraut ihm, da er auf eine lange Militärlaufbahn zurückblicken kann und das Bild eines entschlossenen und starken Mannes abgibt.

Ähnlich wie der Ministerpräsident präsentiert sich auch die Wirtschaft des Mittelmeerstaates. Selbst in der Finanzkrise war Israel eines der wenigen Länder, die noch ein positives Wirtschaftswachstum aufwiesen. Seitdem läuft es wieder hervorragend. 2010 und 2011 betrug der BIP-Zuwachs jeweils fast fünf Prozent. Auch dieses Jahr wird mit drei Prozent Zuwachs gerechnet. Für 2013 werden 3,2 Prozent prognostiziert. Die Inflationsrate ist mit 2,4 Prozent moderat. Auch die Staatsverschuldung ist mit 73 Prozent vom BIP noch erträglich.

Das lange Zeit positive Leistungsbilanzdefizit ist zuletzt mit minus 1,5 Prozent leicht in den negativen Bereich gerutscht. „Beachtenswert sind dabei die öffentlichen Transferzahlungen, die vorwiegend aus den USA kommen und sich jährlich auf gut fünf Milliarden US-Dollar belaufen“, sagt Verena Strobel, Länderanalystin der BayernLB. Sonst wäre das Defizit höher.

Der Protest zeigt Wirkung
Probleme bereitet dagegen das Haushaltsdefizit, das 3,5 Prozent beträgt. Trotz von Netanjahu angekündigter Sparmaßnahmen dürfte es kaum sinken. Um die Protestbewegung zu besänftigen, hat die Regierung versprochen, den Wohnungsbau zu forcieren und Abgaben zu senken. Die hohen Mieten und Abgaben waren einer der Hauptkritikpunkte der Demonstranten. Das kostet Geld und wird künftig den Haushalt belasten.

Doch die positiven Aspekte für Israels Wirtschaft überwiegen. Das Land verfügt über eine global konkurrenzfähige Elektronik-, Chemie- und Generika­industrie. Mit rund 4.000 Firmen gibt es im Heiligen Land die höchste Konzentration an Hightechunternehmen außerhalb des Silicon Valley. Viele Firmen sind auch an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet. Vor allem in den Bereichen Software, Sicherheitssysteme, Telekom und Halbleiter gehören die Israelis zur Weltspitze. Teva gehört zu den am höchsten gewichteten Werten im Leitindex und ist einer der größten Generikahersteller der Welt. Der Schlüssel für die innovative Wirtschaft sind die umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsausgaben (F & E) des Landes und die hohe Zahl an Akademikern. Zudem strömten in den 90er-Jahren aus Russland und Osteuropa gut ausgebildete Juden ins Land. Wegen Sparmaßnahmen sinken aber die staatlichen F & E-Gelder seit Jahren. Zudem stagniert die Produktivität der Hightechfirmen.

Die Regierung versucht daher, die Wirtschaft breiter zu diversifizieren. Der Aufbau einer konkurrenzfähigen Wasser- und Umwelttechnikbranche schreitet voran. Auch der Tourismus wird gefördert. Große Hoffnungen werden zudem in zwei große Gasvorkommen gesetzt, die im Mittelmeer gefunden wurden und das Land unabhängig von Gasimporten machen sollen.

Mit dem Deutsche-Bank-Zertifikat (ISIN: DE 000 DB2 5TA 4) auf den TA-25-Index kaufen Anleger die 25 von der Kapitalisierung her größten israelischen Firmen. Eine Alternative ist das Zertifikat (DE 000 HV5 LJX 4) der HypoVereinsbank auf den Stoxx-Optimised-Index, der aus 28 Titeln besteht. Er ist weniger technologielastig als der TA 25. Bei beiden Papieren erhalten Anleger keine Dividenden. Nach zwei Jahren Seitwärtsbewegung stieg der Leitindex seit Juni um 17 Prozent. Die Chancen dafür, dass es weiter aufwärts geht, stehen gut.

Die Risiken liegen nicht im ökonomischen, sondern im politischen Bereich. Neben dem möglichen Krieg mit dem Iran hat sich die geopolitische Situation durch den arabischen Frühling verändert. Die früher verlässlichen Nachbarn Ägypten und Syrien sind nun Brandherde. Daher sollten nur Anleger in Tel Aviv kaufen, die auf Krisen ähnlich stoisch reagieren wie die Israelis selbst.

Bildquellen: Andrey Yuriev/123RF
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