von Jens Castner, €uro am Sonntag
Auch wenn Unternehmensanleihen im Zuge der jüngsten Marktturbulenzen unter Druck geraten sind – Bonds von Firmen mit Top-Ratings bringen, ähnlich wie Bundeswertpapiere, kaum mehr genügend Zinsen, um die Inflation von zuletzt 2,6 Prozent zu kompensieren. Aktien und Rohstoffe sind langfristig eine gute Alternative, wegen erratischer Kursschwankungen aber nicht jedermanns Sache.
Dennoch sollten auch konservative Anleger Dividendenpapiere nicht grundsätzlich ausklammern. Denn: Aktie ist nicht gleich Aktie, wie sich ausgerechnet am Bondmarkt zeigt. Die wenigen börsennotierten Unternehmen nämlich, deren Anleihen die Top-Ratings „AAA“ oder „AA+“ aufweisen, folgen auch am Aktienmarkt anderen Gesetzmäßigkeiten als der Rest: Hier stehen nicht hohe Wachstumsraten oder glamouröse Geschäftsmodelle im Vordergrund, sondern solide Bilanzrelationen, zuverlässige Dividendenzahlungen und die Fähigkeit, auch eine längere Krise durchzustehen.

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Der Frankfurter Indexanbieter Structured Solutions hat errechnet, dass die Aktien der zwölf bestbewerteten Großunternehmen der Welt seit 2006 durchschnittlich 6,35 Prozent Rendite pro Jahr abwarfen, während der Vergleichsindex MSCI World jährlich um mehr als drei Prozent nachgab. Allein mit den im MSCI nicht enthaltenen Dividenden ist der Renditevorsprung kaum zu erklären: Das bilanziell saubere Dutzend der im – von Structured Solutions berechneten – Solactive-Top-Investment-Grade-Index enthaltenen Werte bringt es im Schnitt auf 2,5 Prozent Dividendenrendite. Der Rest der Überrendite stammt vornehmlich aus geringeren Kursverlusten in Abwärtsphasen. Während der Weltaktienindex im schlechtesten Monat der vergangenen fünf Jahre um 9,2 Prozent nachgab, kamen die bestbewerteten Unternehmen mit 5,6 Prozent vergleichsweise glimpflich davon. Auch die geringere Volatilität (15,5 statt 19,4 Prozent) spricht für den bilanzstarken Zwölferpack.
Mit den Ölkonzernen Exxon Mobil und Imperial Oil, den Technologieriesen Microsoft, General Electric und Automatic Data Processing, dem Pharmagiganten Johnson & Johnson oder Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway enthält der Top-Investment-Grade-Index eine Reihe von Klassikern – vornehmlich aus Nordamerika.
Allerdings gelang es mit Singapore Tech Engineering und der ebenfalls
in Singapur ansässigen SMRT Corp. (Nahverkehrssysteme) sowie der Hongkonger MTR Corp. (Schienenfahrzeuge) mittlerweile drei Unternehmen aus Asien, das begehrte „AAA“-Rating zu ergattern.
Als einziger europäischer Vertreter schaffte es ausgerechnet eine Bank in den Auswahlindex, allerdings eine, die seltener in den Schlagzeilen zu finden ist: Die Basler Kantonalbank wird von den Ratingagenturen mit der zweitbesten Note, „AA+“, eingestuft.
Aus der Eurozone erfüllt momentan nicht ein Unternehmen die strengen Kriterien (mindestens eine Milliarde Euro Börsenwert, mindestens eine Million tägliches Handelsvolumen, Rating „AA+“ oder besser).
Für Anleger bedeutet das: Trotz der geringeren Schwankungen der grundsoliden Titel in Landeswährung könnten Verwerfungen am Devisenmarkt zu erheblichen Kursverlusten führen, denn das von Vontobel emittierte Indexzertifikat auf den Solactive-Top-Investment-Grade-Index (ISIN: DE 000 VT2 812 9) verfügt über keinerlei Währungsabsicherung.
Die jährliche Managementgebühr beträgt 1,2 Prozent, Dividenden werden komplett reinvestiert. Die Zeichnungsfrist läuft bis zum 27. Oktober, der Ausgabeaufschlag liegt bei 1,5 Prozent.
Unternehmen mit Top-Ratings (pdf)
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