von Sven Parplies, €uro am Sonntag
Krank werden die Leute immer. Deshalb flüchten viele Anleger in konjunkturell unsicheren Zeiten in Aktien aus dem Gesundheitssektor. Der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Health Care hat jetzt sogar ein neues Vierjahreshoch erreicht. Über die vergangenen zwölf Monate hat der Index rund 15 Prozent an Wert gewonnen. Der alle Branchen umfassende Stoxx 600 und der DAX hingegen liegen im selben Zeitraum im Minus.
Der Gesundheitssektor profitiert von langfristig wirkenden Trends: Die alternde Gesellschaft in vielen westlichen Industrienationen steigert die Nachfrage nach Medikamenten und Dienstleistungen. Zugleich verbessert sich mit wachsendem Wohlstand die medizinische Versorgung in Schwellenländern.
Anleger schätzen Pharmakonzerne auch deshalb, weil sie hochprofitabel sind und verlässlich Dividende zahlen. Roche, der nach Marktkapitalisierung größte Wert unter den 36 Mitgliedern des europäischen Gesundheitsindex, hat die Ausschüttung innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. Neben Pharmariesen wie Roche und Novartis enthält der Index erfolgreiche Nebenwerte. Die irische Biotechfirma Elan, die sich auf Medikamente gegen Erkrankungen des Nervensystems spezialisiert hat, der schwedische Medizintechniker Elekta und der spanische Blutplasmaspezialist Grifols zählen zu den Top-Performern. Aus Deutschland sind sechs Aktien vertreten: die Fresenius-Familie (Fresenius, FMC und bald wohl auch Rhön-Klinikum) sowie Gerresheimer, Merck und Stada.
Auch der Gesundheitssektor hat Probleme: Viele Industrienationen müssen Ausgaben im Gesundheitssystem drücken. Der Branchendienst IMS hat ermittelt, dass bis zum Jahr 2015 der Patentschutz für sechs der zehn weltweit umsatzstärksten Medikamente in jeweils mindestens einem Land ausläuft. Die Pharmakonzerne haben mit massiven Kostensenkungen reagiert. Zusätzlich stärken sie durch Übernahmen ihre Pipeline. Das wiederum macht kleinere Mitglieder des Index zu Übernahmekandidaten. Da der Stoxx Unternehmen aus ganz Europa abdeckt, investieren Anleger in verschiedenen Währungen, unter anderem in den Schweizer Franken. Das stärkt den defensiven Charakter.
Investoren können über Zertifikate an der Kursentwicklung des Stoxx Europe 600 Health Care teilhaben. Ein Papier von HSBC Trinkaus (ISIN: DE 000 TB0 MTM 5) bildet den Index ohne Laufzeitbeschränkung ab. Mehr Schwung bietet ein Zertifikat der RBS, das den Index mit dem Faktor 4 hebelt (DE 000 AA3 PQG 2). Die Stop-Loss-Schwelle des Mini Long liegt bei 353 Punkten, rund 20 Prozent unter dem aktuellen Stand.