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aktualisiert: 11.06.2012 15:12

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€uro am Sonntag

POLEN / UKRAINE

Fußball-EM: Zwei ungleiche Spieler



Polen / Ukraine: Zwei ungleiche Spieler
Die Ausrichterstaaten der EM könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Polens Wirtschaft prächtig läuft, steckt die Ukraine in der Dauerkrise.

von Emmeran Eder, €uro am Sonntag

Endlich rollt der Ball. Mehr als eine Million Touristen erwarten Polen und die Ukraine bei der Fußball-EM. Obwohl geschätzt wird, dass jeder Reisende etwa 800 Euro ausgibt, ist der Effekt auf die Wirtschaft Polens und der Ukraine aber marginal. Die Erste Group rechnet mit einer Steigerung des polnischen BIPs 2012 um 0,11 bis 0,16 Prozent, im Nachbarland ist es mit 0,32 Prozent etwas mehr.

„Auch langfristig ist zweifelhaft, ob sich durch ein Sportgroßereignis die Attraktivität der Ausrichterländer für Besucher erhöht. Ein solcher Schub ist eher die Ausnahme“, sagt Birgit Niessner, Chefanalystin Osteuropa bei der Erste Group.

Die Länder profitieren aber indirekt von der EM. 85 Prozent der Gelder dafür flossen sowohl in Polen als auch in der Ukraine in den Ausbau von Straßen, Gleisen und Flughäfen. Das war dringend notwendig, da sich die Infrastruktur in einem miesen Zustand befindet. So hat Polen die viertniedrigste Autobahndichte in der EU, noch viel schlechter steht die Ukraine da. Die verbesserte In­frastruktur könnte helfen, mehr Investoren anzuziehen. Zudem erhöhen sich Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie.

Die Ausgaben für die Stadien hielten sich mit rund zehn Prozent in Polen und zwölf Prozent im Nachbarland in Grenzen. Meist ist der Betrieb von Sportstätten nach Turnieren defizitär. „Die finanziellen Mittel für die EM wurden so betrachtet in Polen und in der Ukraine effizient eingesetzt“, lautet das Lob Niessners.

Damit enden aber auch schon die Gemeinsamkeiten der beiden Ausrichter. Denn anders als in Polen sieht es ökonomisch in der Ukraine nicht gerade rosig aus. Die Wirtschaftsdaten sind zwar oberflächlich betrachtet mit einem Prozent Wachstum für 2012, einer öffentlichen Verschuldung von 30 Prozent vom BIP und einem Haushaltsdefizit von 2,5 Prozent gut, doch hinter der Fassade bröckelt es.

Die Ukraine hat große Probleme
Sozialausgaben fressen 70 Prozent des Budgets. Zudem kriselt die wichtigste Branche, die Stahlindustrie, da die Nachfrage aus China nachlässt. Hinzu kommt, dass die Regierung mit allen über Kreuz liegt. Das EU-Assoziierungsabkommen ist wegen der Inhaftierung von Julia Timoschenko auf Eis gelegt. Der IWF fordert für die Auszahlung einer dringend benötigten Zehn-Milliarden-Kredittranche das Anheben der subventionierten Gaspreise — das will die Regierung nicht. Das Land kämpft mit hohem Leistungsbilanzdefizit und kann sich am Kapitalmarkt nicht refinanzieren. „Im zweiten Halbjahr könnte die Lage prekär werden“, warnt Niessner.

Das Gegenteil davon ist Polen, das derzeit mit 2,7 Prozent Wachstum für 2012 als Musterknabe in der EU gilt. „Die Wirtschaft ist gut ausbalanciert und nicht so abhängig vom Export wie die der meisten anderen osteuropäischen Staaten“, sagt Henning Eßkuchen, Aktienanalyst der Erste Group. Vor allem der starke Konsum und der Anstieg der Investitionen macht Polen weniger anfällig für Schocks aus dem Euroraum.

Auch die sonstigen ökonomischen Kenndaten überzeugen. Das hohe Haushaltsdefizit dürfte von 7,8 Prozent vom BIP 2010 in diesem Jahr auf 3,5 Prozent sinken. Gelungen ist das durch sprudelnde Steuereinnahmen und Reformen. Das Renteneintrittsalter wurde etwa auf 67 Jahre angehoben und das staatliche Renten­system finanziell gestärkt. Einziger Wermutstropfen ist, dass 700.000 Polen in Schweizer Franken denominierte Hypothekenkredite aufgenommen haben. Der Immobilienmarkt in Polen scheint den Höhepunkt überschritten zu haben. Von dort drohen Störfeuer.

Trotz der stabilen Verfassung der polnischen Wirtschaft hat der Leitindex WIG 20 in den vergangenen zwölf Monaten 27 Prozent verloren. Die Börse in Warschau wurde für die Eurokrise in Sippenhaft genommen. Der Leitindex befindet sich jetzt mit 2111 Punkten wieder auf dem Niveau vom Juli 2009 — wie kurz nach der Finanzkrise. „Die Börse spiegelt in keinster Weise die gute Lage der Volkswirtschaft wider“, meint Kemal Bagci von RBS.

Antizyklische Anleger nutzen das mit einem Zertifikat der UBS auf den WIG 20 (ISIN: CH 002 160 625 3). Sie verzichten dabei aber auf die hohen Dividenden von fünf Prozent. Eine Alternative ist daher der ETF von iShares auf den MSCI-Poland-Index (DE 000 A1H 8EL 8), bei dem die Ausschüttungen reinvestiert werden.

Bildquellen: istock/Brandon Alms

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