von Joachim Spiering, Euro am Sonntag
Wenn ein neuer Trend mit Attributen wie „mega“ oder „super“ ausgestattet wird, dann ist generell erst mal Vorsicht geboten. Das hatten sich auch die SAP-Manager gedacht, die recht lange nichts von Cloud-Computing wissen wollten. Doch irgendwann merkten sie, dass das Geschäft mit der Datenwolke mehr ist als eine kurze Modeerscheinung. Im Gegenteil, das Auslagern von Softwareleistungen weg vom PC und rein ins Internet ist ein riesiger Zukunftsmarkt, in dem sich auch noch richtig Geld verdienen lässt. Folge: Seit einem Jahr gibt SAP mächtig Gas, die Walldorfer wollen in dem Bereich eine relevante Größe werden.
Ende 2011 kauften sie deshalb für 3,4 Milliarden Dollar den Cloud-Computing-Spezialisten Success Factors. Im Mai folgte der nächste Deal: Für 4,3 Milliarden Dollar wurde die virtuelle Einkaufsplattform Ariba übernommen. Bis 2015 will SAP zwei Milliarden Umsatz aus der Datenwolke machen. Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz in diesem Jahr dürfte bei 16 Milliarden landen.
Nicht nur für SAP und Co, auch für Privatanleger ist Cloud-Computing ein interessantes Thema. Das zeigt die Performance eines Branchenzertifikats von EFG Financial Products: Seit das Produkt im Mai 2011 an den Start ging, hat es um 25 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der DAX notiert seitdem leicht im Minus. Das Zertifikat deckte die Entwicklung eines Index ab, in dem 15 Unternehmen enthalten sind, die sich auf Cloud-Computing spezialisiert haben — darunter Firmen wie Red Hat, Salesforce, Netsuite oder Teradata. Sämtliche Unternehmen stammen aus den USA.
Immer mehr im Netz
Freilich läuft es nicht bei allen rund. Während sich die Geschäfte bei Netsuite oder Teradata sehr gut entwickeln (und die Charts exzellent aussehen), haben andere Firmen Probleme. Die Branchengröße Salesforce kämpft beispielsweise mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen — allerdings auf hohem Niveau. Dennoch: Unterm Strich wird Cloud-Computing immer wichtiger. Je stärker wir unser (Arbeits-)Leben über Laptop und Smartphone organisieren, desto mehr Programme werden ins Internet ausgelagert — seien es Adressdatenbanken, Videospiele oder das private Fotoalbum.
Wie stark das Thema in der deutschen Industrie angekommen ist, zeigt eine Umfrage des Marktforschungshauses IDC. Demnach wollen 23 Prozent der deutschen Firmen Cloud-Services in so vielen Bereichen wie möglich nutzen, bei 34 Prozent ist Cloud-Computing sogar die Unternehmensstrategie.
Das Zertifikat dürfte auch in Zukunft vom Wachstum in der Wolke profitieren. Wir halten es weiterhin für ein gutes Investment.
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