Agrarrohstoffe: Gegessen wird immer
Mit jeder Minute werden es mehr Menschen auf dieser Erde. Und zwar 150, um genau zu sein, und das alle 60 Sekunden. Schätzungen der UNO zufolge wird es 2025 1,3 Milliarden mehr Erdenbürger geben als heute. Insgesamt sollen es dann acht Milliarden Menschen sein, die neben einem Dach über dem Kopf vor allem eines wollen: essen und trinken.
Es wäre eine veritable Hausse, die demnach auf Agrarrohstoffe zukommen müsste. Eine Ahnung, wie diese aussehen könnte, geben dabei die Preisentwicklungen der jüngeren Vergangenheit. So stieg der breit gefasste Rohstoffindex S & P GSCI von gut 6000 Punkten im Jahr 2007 auf über 10 500 Punkte im Sommer 2008.
Getrieben von der „Tank-oder Teller-Diskussion“ zur Herstellung von Biobenzin aus Agrarrohstoffen, den explodierenden Rohölpreisen und nicht zuletzt einer boomenden Weltwirtschaft, verteuerten sich Rohstoffe so binnen eineinhalb Jahren um über 175 Prozent.
Mit der Weltwirtschaftskrise brach der Index in der zweiten Jahreshälfte 2008 ein und notiert derzeit auf einem Niveau von 4500 Punkten. Hintergrund für den Absturz ist, dass Industriemetalle, Rohöl und Gas einen großen Bestandteil des Index ausmachen und mit dem Einbruch der Weltwirtschaft der Bedarf für diese Güter rapide absank. Doch von einer Wirtschaftskrise lässt sich das globale Bevölkerungswachstum kaum stoppen, und gegessen wird schließlich immer. Aber auch der rein auf landwirtschaftlichen Produkten basierende Index S & P GSCI Agriculture nahm eine ähnliche Entwicklung wie sein großer Bruder. Nach einem Preisanstieg von rund 61 Prozent von 2007 bis zum Sommer 2008 folgte der Absturz.
Allerdings gehörten Agrarrohstoffe 2009 mit einem Preisanstieg von über 80 Prozent klar zu den Gewinnern. Zucker und Kakao sind so teuer wie seit 30 Jahren nicht mehr. Der süße Stoff ließ mit einem Kurssprung von 120 Prozent im vergangenen Jahr sogar den Goldpreis klar hinter sich. Einzig Weizen, Mais und Soja stiegen kaum. Zwei meteorologisch überaus gute Jahre hatten zu Rekordernten geführt.
Für Anleger bietet sich so aber die Chance, zu einem günstigen Zeitpunkt in die Ackerfürchte zu investieren. Denn neben einer ständig wachsenden Weltbevölkerung sprechen weitere Faktoren für einen langfristigen Preisanstieg. Der wachsende Wohlstand in Schwellenländern führt etwa dazu, dass in diesen Regionen weit mehr Fleisch gegessen wird.
Um aber nur ein Kilogramm Rindfleisch zu erzeugen, wird das Achtfache an Futtergetreide benötigt, und die steigenden Ölpreise lassen die Herstellung von Biotreibstoffen aus Ethanol wieder attraktiv erscheinen. Zynischerweise könnte zudem der Klimawandel ein Preistreiber werden. So warnt die UNO, dass bereits ab einem Temperaturanstieg um zwei Grad die landwirtschaftliche Produktivität in Asien, Afrika und Lateinamerika um 40 Prozent sinken würde.
Auch ohne Klimakatastrophe kann ein Investment lohnen. Etwa über die bis zum 26. Februar in der Zeichnung befindliche Agrar-Safe-Anleihe (ISIN: DE 000 LB0 EVE 3) der LBBW. Das Zertifikat setzt auf den S & P GSCI Agriculture als Basiswert. Mais, Sojabohnen und Weizen machen mit gut 65 Prozent den Großteil des Index aus, womit deren momentane Schwäche gut ausgenutzt werden kann. Allerdings beteiligt das Zertifikat seinen Käufer nicht unbegrenzt an den Kursgewinnen, die bis zur Fälligkeit am 3. März 2015 entstehen können. Nach einem Kursplus von 40 Prozent ist Schluss. Dafür und gegen zwei Prozent Ausgabeaufschlag gibt es aber vollen Kapitalschutz.
Anleger sollten jedoch bedenken, dass gerade bei Agrarrohstoffen viel vom Wetter abhängt. So waren es bisher oft Wetterschocks, die zu Miss- oder Rekordernten führten und damit die Preise massiv beeinflussten. Zudem stellen sich auch Landwirte auf die geänderte Nachfrage ein und schaffen neue Kapazitäten.Auch unter Analysten herrscht derzeit Uneinigkeit, wer die Preise mehr beeinflusst, die strukturellen Trends oder Petrus.




