von Emmeran Eder, €uro am Sonntag
Gleich mit einem Klassiker startet am Freitag die Bundesliga-Rückrunde. Bei der Partie Mönchengladbach gegen Bayern München treffen zwei Titelaspiranten aufeinander.
Siegt die Überraschungsmannschaft dieser Saison, dürfte das Meisterrennen wieder offen sein. Dann schließen die Westdeutschen punktemäßig zu den Münchnern auf. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Statistisch betrachtet gab es für die Bayern in Gladbach in den vergangenen 30 Jahren wenig zu holen. Nur dreimal verließ der Rekordmeister als Sieger den Platz, zehnmal dagegen die Borussia. Meistens endeten die Duelle mit Remis.
Schon beim Hinspiel in der Allianz-Arena gewann sensationell Gladbach. Auf eine Wiederholung des Coups hoffen auch Wettprofis.
1.725 Prozent Gewinn bis Mai
Die können nicht nur in Wettbüros, sondern auch an der Börse zocken — mit Sportzertifikaten. Mit ihnen spekulieren sie darauf, wer am Ende der Saison deutscher Fußballmeister wird. Das Prinzip ist einfach. Das Gladbach-Papier steht derzeit bei 5,48 Euro. Schlägt die Borussia Bayern und trägt eine eventuell aufkommende Euphorie die Elf in der Rückrunde zum Titel, würden Investoren am Ende der Saison am 5. Mai 100 Euro je Zertifikat erhalten. Das wäre ein fantastischer Gewinn von 1.725 Prozent in nur vier Monaten!
Die Gewinnquote ist so riesig, weil außer eingefleischten Borussen-Fans kaum jemand glaubt, dass Reus & Co dieser Coup gelingt. Das Beispiel des BVB in der vergangenen Spielzeit zeigt aber, dass es nicht reine Fantasie ist: Zum Saisonstart im August 2010 war das Dortmund-Zertifikat für 6,50 Euro zu haben, zur Winterpause war es 97 Euro wert.
Im Überblick: AM MEISTER UND POKALSIEGER VERDIENEN (PDF)
Von solchen Erträgen können die Bayern-Fans nur träumen. Sie gelten regelmäßig als Top-Favorit, weshalb die Wettquoten bescheiden sind. Bei 85 Euro steht das Bayern-Papier —nur eine Chance von 18 Prozent. Dafür ist die Gewinnwahrscheinlichkeit hoch. Viel mehr drin ist mit dem Titelverteidiger BVB — fast 300 Prozent. Sogar 772 Prozent Gewinn bringt Schalke 04. Nur diese vier Teams können realistisch betrachtet noch Meister werden, die übrigen
14 sind chancenlos. Daher notieren Zertifikate auf diese Klubs zu Spottpreisen (siehe www.sportzertifikate.de).
Das hat seinen Grund: Das Risiko ist enorm. Bis auf das Siegerpapier verfallen alle anderen am Saisonende wertlos — das heißt Totalverlust. Umso wichtiger ist es, die Papiere in der Rückrunde rechtzeitig zu verkaufen, wenn es für die betroffene Mannschaft schlecht läuft. Die Fußballzertifikate werden an der Börse Berlin und der Tradegate Exchange gehandelt — anders als bei Wettanbietern wie Bwin oder Betfair. Dort sind die Quoten besser, dafür können weder Gewinne realisiert noch Verluste limitiert werden.
Umsonst ist der Handel nicht. Da er relativ illiquide ist, beträgt der Spread bis zu 25 Prozent. Gewinne sind abgeltungsteuerpflichtig, Verluste anrechenbar.
Neben der Heynckes-Elf ist vom Chance-Risiko-Verhältnis her Gladbach attraktiv. „Oft werden nicht mit den Teams, die Meister werden, sondern mit denen, die sich überraschend lang an der Spitze halten, die höchsten Renditen erzielt“, sagt Matthias Baller, Vorstand des Emittenten, von Wiener Extra Sportwetten.
Interessant ist auch ein Anti-Bayern-Basket. BVB, Schalke und Gladbach kosten in Summe 42,45 Euro. Hält einer der drei lange mit dem Rekordmeister mit oder holt gar die Schale, sind Spitzenerträge drin.
Noch riskanter als die Meisterzertifkate sind die auf den Sieger des DFB-Pokals. Die Viertelfinalspiele finden am 7. und 8. Februar statt. Eine Niederlage bedeutet den Totalverlust des Kapitals. Analog zu den Meisterpapieren erhält der Inhaber des Zertifikats auf die Elf, die in Berlin am 12. Mai triumphiert, 100 Euro. Daher ist es wichtig, schon während des Wettbewerbs Gewinne zu realisieren, da die Kurse nach Erreichen der nächsten Runde meist anziehen.
Auch hier sind die Bayern mit 56 Prozent Gewinnchance hoher Favorit vor Dortmund und Gladbach (siehe Tabelle). Zocker können für zusammen nur 6,08 Euro auf Kiel (ISIN: AT0000A0SLR3) und Fürth (AT0000A0SLP7) setzen. Siegt einer der beiden gegen Dortmund oder Hoffenheim, dürfte der Kurs explodieren. Ein Erfolg des VfB Stuttgart über die Bayern würde auch dem VfB-Zertifikat ein sattes Plus bescheren (AT0000A0SLD3).
Die Zertifikate eignen sich nur für hartgesottene Zocker. Den enormen Gewinnchancen stehen hohe Verlustgefahren gegenüber. Gewinnt Gladbach gegen die Bayern, wird das Borussen-Papier stark steigen. Nicht nur Fußballfans, sondern auch einige Trader werden zum Rückrundenstart mitfiebern.