07.02.2013 07:25
Bewerten
 (0)

AUSBLICK/EZB-Leitzinsen sind am Donnerstag Nebensache

   Von Hans Bentzien

   Die Geldpolitik im engeren Sinne dürfte nur eine Nebenrolle spielen, wenn EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag vor die Presse tritt, um die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zu erläutern. Alle 50 von Dow Jones befragten Volkswirte erwarten einen unveränderten Hauptrefinanzierungssatz von 0,75 Prozent. In den Fokus der Aufmerksamkeit könnten stattdessen der hohe Wechselkurs des Euro und die Vorgänge bei der italienische Bank Monte dei Paschi rücken.

   Die Geldpolitik der weltweit wichtigsten Zentralbanken geht seit einiger Zeit getrennte Wege, was deutliche Spuren bei den Wechselkursen hinterlässt. Mit weitem Abstand am lockersten ist die Politik der Bank of England (BoE), die ihre Bilanzsumme jedoch seit Oktober 2012 nicht mehr ausweitet. Es folgen die Federal Reserve, deren Bilanz im Rahmen von QE3 gerade kräftig ausgeweitet wird und die Bank of Japan mit ihrem neuen Wertpapierkaufprogramm. Am wenigsten locker ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

   Dem Euro hat das einen deutlichen Aufwertungsschub beschert, was die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exportunternehmen beeinträchtigt und die Konjunkturerholung dämpfen dürfte. EZB-Präsident Mario Draghi wird am Donnerstag nach den geldpolitischen Beratungen des EZB-Rats Gelegenheit haben, diese Entwicklung zu kommentieren. Journalisten werden Draghi sicherlich fragen, ob er den aktuellen Euro-Kurs bereits als Konjunkturrisiko betrachtet oder ab welchem Kurs er eine Gefährdung der Konjunkturerholung sieht.

   An den Finanzmärkten wird seine Antwort genau analysiert werden. Ein starkes Signal an die Märkte wäre sicherlich die Erwähnung des Wechselkurses in den einleitenden Bemerkungen des EZB-Präsidenten. Allerdings hat die EZB die Aufwertung des Euro mit ihrer erfolgreichen Kriseneindämmungspolitik selbst verursacht. Sie hat die Versorgung der Banken mit Liquidität so organisiert, dass die Institute und nicht die Zentralbank über die Höhe der EZB-Bilanzsumme entscheiden.

   Ein weiterer interessanter Punkt sind die Vorgänge bei Monte dei Paschi. Die Wurzeln des Wirbels um die drittgrößte Bank Italiens liegen in der Zeit, als Draghi Gouverneur der Banca d'Italia war und damit Chef der Bankenaufsicht. Der Kern ist der Kauf des italienischen Bankhauses Antonveneta im Jahr 2007. Antonveneta war damals Teil der vor der Zerschlagung stehenden ABN AMRO und als solcher an die spanische Santander gekommen. Die Spanier hatten die Bank für 6,6 Milliarden Euro gekauft und den größten Teil davon für 9 Milliarden an Monte dei Paschi weitergereicht - ein außerordentlich hoher Gewinn.

   Was heute die Gemüter erregt, sind zwei Fragen: Hat auf italienischer Seite jemand Schmiergelder dafür erhalten, dass Monte dei Paschi einen so hohen Preis an Santander zu zahlen bereit war? In diese Richtung deuten Presseberichte, denen zufolge von italienischer Seite 2 Milliarden Euro nach London überwiesen wurden. Bewiesen ist aber nichts.

   Die andere Frage, die sich stellt, betrifft Mario Draghi. Die Banca d'Italia forderte Monte dei Paschi im Zusammenhang mit der Übernahme von Antonveneta zu einer Kapitalerhöhung auf. Hat sie anschließend hinreichend geprüft, ob und in welcher Weise diese Kapitalerhöhung vorgenommen wurde? In Presseberichten ist von Derivategeschäften die Rede, die die Bank vor den Aufsichtsbehörden geheim gehalten habe. Es ist aber nicht klar, ob das mit den Eigenkapitalanforderungen in Zusammenhang steht.

   Sollte die Zentralbank nicht richtig geprüft haben, würde das sicher einen Schatten auf Draghis künftige Rolle als europäischer Bankenaufseher werfen, obwohl er selbst wohl operativ nicht verantwortlich gewesen sein dürfte. Die EZB soll ab 2014 die Verantwortung für die Bankenaufsicht im Euroraum übernehmen.

   Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

   DJG/hab/chg

   (END) Dow Jones Newswires

   February 07, 2013 00:55 ET (05:55 GMT)

   Copyright (c) 2013 Dow Jones & Company, Inc.- - 12 55 AM EST 02-07-13

InstitutZinssatz
Banka Kovanica1,80%
Banco BNI Europa1,75%
BOS Bank1,60%
Atlantico Europa1,50%
Novo Banco1,45%
weitere Sparbriefe Zinssätze

Heute im Fokus

DAX fester -- Asiens Börsen in Grün -- Covestro belohnt Aktionäre nach Gewinnverdopplung -- Kraft Heinz zieht milliardenschweres Angebot für Unilever zurück -- Air Berlin im Fokus

Bertrandt leidet unter Preisdruck. Immobilienboom setzt sich fort. Amazon kündigt über 2000 neue Arbeitsplätze in Deutschland an. Schäuble: Habe Griechenland nicht mit Euro-Ausscheiden gedroht. Stärkster Anstieg der Produzentenpreise seit fast fünf Jahren.
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Familienunternehmen: Rendite und Sicherheit!

Zwischen Eigentümern und Managern eines Unternehmens besteht häufig ein Interessenskonflikt hinsichtlich kurz- und langfristiger Ziele. Familien- und eigentümergeführte Unternehmen haben solche Konflikte meist nicht. Für Aktionäre sind solche Unternehmen daher meist eine lohnenswerte Investitionsmöglichkeit. Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, welche drei Familienunternehmen einen näheren Blick wert sind.
Anlegermagazin kostenlos erhalten
Die Top-Positionen von Warren Buffett
Jetzt durchklicken
Welche Airline schneidet am schlechtesten ab?
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Jetzt durchklicken

Umfrage

Seit diesem Wochenende gelten in Deutschland neue gesetzliche Regelungen zum Fracking. Wie stehen Sie zu der umstrittenen Fördermethode?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Allianz840400
Apple Inc.865985
Unilever N.V.A0JMZB
Volkswagen AG Vz. (VW AG)766403
Deutsche Telekom AG555750
Scout24 AGA12DM8
GAZPROM PJSC (spons. ADRs)903276
E.ON SEENAG99
BASFBASF11
CommerzbankCBK100
BMW AG519000
TeslaA1CX3T
adidas AGA1EWWW