06.11.2012 09:00
Bewerten
(0)

AUSBLICK/EZB hält still bei Anleihen und Zinsen

DRUCKEN

   Von Hans Bentzien

   Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte bei ihrer nächsten Ratssitzung am Donnerstag ihre Leitzinsen unverändert lassen. Fast alle der 45 von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten, dass der EZB-Rat den Hauptrefinanzierungssatz auf seinem aktuellen Niveau von 0,75 Prozent bestätigen wird. Neue Maßnahmen zur Liquiditätsversorgung sind vorerst ebenfalls nicht zu erwarten. In der Pressekonferenz nach der Ratssitzung dürften sich die Fragen der Journalisten erneut auf die Voraussetzungen und Modalitäten möglicher EZB-Staatsanleihekäufe konzentrieren. Die Zinsentscheidung wird um 13.45 Uhr mitgeteilt, die Pressekonferenz mit Präsident Mario Draghi beginnt um 14.30 Uhr.

   Die EZB hat versprochen, den Euro zu retten. Und weil die Finanzmärkte das glauben, ist der Euro vorläufig gerettet. Ob die EZB zur Einhaltung ihres Rettungsversprechens überhaupt zu Outright Monetary Transactions (OMTs), also Staatsanleihekäufen, schreiten muss, ist nicht sicher. Das wird auch davon abhängen, ob die Lage in Griechenland noch einmal so eskaliert, dass die Staatsanleihezinsen Spaniens und Italiens wieder stark steigen. Denn ohne den Hilfsantrag eines Landes gibt es keine OMTs. Die EZB-Ratssitzung in dieser Woche dürfte demgemäß keine großen Neuigkeiten bringen.

   Etwas seltsam ist die Lage der EZB derzeit doch: Präsident Mario Draghi sagt nicht nur, dass Zweifel am Fortbestand des Euro unbegründet seien. Er sagt auch, die EZB müsse dafür sorgen, dass ihre geldpolitischen Signale überall im Euroraum ankommen. Was bedeutet: Wenn wir die Leitzinsen senken, dann müssen auch überall die Kreditzinsen sinken. Passiert das nicht, ist die Übertragung des geldpolitischen Signals gestört, und wir müssen etwas dagegen tun. Nämlich Staatsanleihen der Länder kaufen, in denen die Zinsen nicht sinken.

   Nun sind die Zinsen in diesen Ländern aber schon nach Draghis Ankündigungen gefallen. Sind die Zinsen, die Spanien derzeit für Staatsanleihen zahlen muss, aus Draghis Sicht immer noch zu hoch? Der EZB-Präsident hat solche Fragen in der Vergangenheit nicht beantwortet und dürfte ihnen auch bei der Pressekonferenz am Donnerstag wieder ausweichen. Bei Beobachtern bleibt jedoch der Eindruck, dass die EZB Maßnahmen, die aus geldpolitischer Sicht möglicherweise notwendig sind, von Entscheidungen Dritter abhängig macht.

   So müsste zum Beispiel Spanien einen Hilfsantrag stellen. Dann müssten die europäischen Partner prüfen, welche wirtschaftspolitischen Auflagen man dem Land machen könnte, und der Internationale Währungsfonds (IWF) müsste auch seine Meinung sagen. Schließlich dürfte die EZB auch noch abwarten wollen, bis der Euro-Rettungsfonds ESM spanische Staatsanleihen gekauft hat. Und wenn die EZB dann immer noch der Ansicht ist, dass Spanien "exzessiv" hohe Zinsen zahlt, würde auch sie eingreifen. Angesichts der derzeitigen Zinslage ist das ein wenig wahrscheinliches Szenario.

   Aber Vorsicht: Kann nicht doch noch die Lage in Griechenland wieder eskalieren - zumindest rein theoretisch? Schließlich haben sich die Athener Regierungsparteien immer noch nicht auf die von den Kreditgebern geforderten Arbeitsmarktreformen einigen können. Spätestens Mitte November muss frisches Geld da sein, sonst kann das Land eine fällige Staatsanleihe nicht zurückzahlen. Und was dann? Griechenland-Default, Euro-Exit, Angriff der Finanzmärkte auf Spanien und Italien?

   Das einigermaßen sorglose Verhalten der griechischen Politiker und moderate Töne aus Deutschland lassen vermuten, dass die Europäer die Lage in Athen nicht so weit eskalieren lassen werden. Längst wird hinter den Kulissen nach Wegen gesucht, den Griechen ohne einen zu großen Gesichtsverlust der Kreditgeber mehr Zeit zum Erreichen der Sparziele zu geben und die dabei entstehenden Finanzlücken zu schließen. Der griechische Finanzminister hat im Parlament schon verkündet, dass eine Einigung da sei, ohne dass ihm allzu heftig widersprochen worden wäre.

   Die Finanzminister der Eurozone werden am 8. und 12. November zu diesem Thema beraten. Diskutiert wird dann vielleicht auch ein noch vor kurzem kategorisch ausgeschlossener weiterer Forderungsverzicht gegenüber Griechenland.

   EZB-Präsident Draghi dürfte nach der Ratssitzung am Donnerstag bekräftigen, dass die Notenbank mögliche Staatsanleihekäufe von der Erfüllung harter Auflagen abhängig macht. Und er wird deutlich machen, dass die EZB derzeit nicht an weitere Zinssenkungen denkt. Diskussionen darüber dürfte es erst bei der nächsten Ratssitzung im Dezember geben, wenn die EZB neue Projektionen für Wachstum und Inflation vorstellt.

   Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

   DJG/hab/chg/apo

   (END) Dow Jones Newswires

   November 06, 2012 02:30 ET (07:30 GMT)

   Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 02 30 AM EST 11-06-12

Sparbriefe Zinsen

  • Anlagebetrag: 10.000 Euro
  • Anlagezeitraum: 3 Jahre
  • Einlagensicherung: Auch die Europäische
  • Zinszahlung: Alle Varianten
InstitutZinssatz
Banca Progetto1,50%
Novo Banco1,45%
Haitong Bank1,45%
Banco Portugues de Gestao1,40%
Atlantico Europa1,35%
weitere Sparbriefe Zinssätze

Heute im Fokus

DAX nach ZEW-Daten weiter kaum bewegt -- Delivery Hero-Aktie nach Analyse auf Rekordhoch -- BASF kauft Polyamidgeschäft von Solvay -- Tesla, HOCHTIEF im Fokus

Eurokurs steigt zum Franken auf den höchsten Stand seit Anfang 2015. RWE-Aktie nach Abstufung erneut schwächer. TUIfly muss angeblich wegen Air Berlin-Pleite Sparkurs einschlagen. Schaeffler-Papiere weiter auf Erholungskurs: Kaufempfehlung von Metzler verleiht Schwung.
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

The rise of Tiger and Dragon: Die besten Aktien aus China!

China ist das Bevölkerungsreichste Land der Erde. Mit einem zuletzt gemeldeten Wirtschaftswachstum von fast 7 % im 1. Halbjahr 2017 ist das Land auf bestem Wege, das eigene Wachstumsziel zu übertreffen. Erfahren Sie im neuen Anlegermagazin, bei welchen chinesischen Aktien vielversprechende Zukunftsaussichten bestehen und warum.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Umfrage

Der Dieselskandal hat die Reputation der deutschen Wirtschaft beschädigt. Unterstützen Sie deshalb die Forderung der Anti-Korruptions-Organisation nach einem Unternehmensstrafrecht?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Bitcoin Group SEA1TNV9
Daimler AG710000
Deutsche Bank AG514000
BYD Co. Ltd.A0M4W9
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
BASFBASF11
Apple Inc.865985
TeslaA1CX3T
CommerzbankCBK100
EVOTEC AG566480
Nordex AGA0D655
Allianz840400
E.ON SEENAG99
GeelyA0CACX
Infineon AG623100