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12.01.2012 07:25

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AUSBLICK/EZB lässt Leitzinsen vorerst unverändert


Von Hans Bentzien Dow Jones NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--Nach den zwei Leitzinssenkungen im November und Dezember dürfte der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) die Zinsen bei der in dieser Woche anstehenden Sitzung unverändert lassen. 45 der 47 von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten, dass der Hauptrefinanzierungssatz bei 1,00 Prozent bleiben wird. Auch für die übrigen Zinsen wird keine Änderung erwartet. Die EZB wird ihre Entscheidung am Donnerstag um 13.45 Uhr bekannt geben. Erläuterungen und Hinweise auf den weiteren Zinskurs sind von der Pressekonferenz mit Präsident Marion Draghi zu erwarten, die gegen 14.30 Uhr beginnt.

   Der Kreis jener Personen, die für das EZB-Direktorium über die Zinsen im Euroraum beraten, hat sich zu Jahresbeginn noch einmal verändert. Anstelle des ausgeschiedenen Jürgen Stark gehört der ehemalige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Asmussen, dem Gremium an, und den Platz des Italieners Lorenzo Bini Smaghi im Direktorium nimmt der Franzose Benoit Coeure ein. Chefvolkswirt ist entgegen den Erwartungen keiner von beiden geworden, sondern der Belgier Peter Praet, der erst im vergangenen Jahr die Österreicherin Gertrude Tumpel-Gugerell beerbt hatte.

   Prinzipiell spräche gegen eine weitere Zinssenkung vor allem die Tatsache, dass die Inflation trotz düsterer Wachstumsaussichten immer noch ungemütlich hoch ist. Die Verbraucherpreise im Euroraum stiegen im Dezember mit einer Jahresrate von 2,8 Prozent. Selbst wenn die Teuerung demnächst weiter sinken sollte, wäre der Realzins bei einem Leitzins von 1,00 Prozent deutlich negativ.

   Entscheidend ist daher, wie die EZB die mittelfristigen Wachstums- und damit Inflationsaussichten beurteilt. Nimmt man die EZB-Stabsprojektionen als Maßstab, rechnet die EZB derzeit für 2012 und 2013 mit BIP-Wachstumsraten von 0,3 und 0,8 Prozent und Inflationsraten von 2,0 und 1,5 Prozent. Die meisten Beobachter erwarten daher, dass die EZB nicht an der Zinsschraube drehen wird, ohne zuvor erneut ihre Wachstums- und Inflationsprognosen gesenkt zu haben.

   Offiziell werden die Stabsprojektionen erst wieder im März auf den Prüfstand gestellt, so dass eine nächste Zinssenkung vor April eher unwahrscheinlich ist. Allerdings hatte der EZB-Rat die Märkte auch im November 2011 überrascht, als er entgegen den Erwartungen seinen Leitzins senkte und dies allein mit der hohen Wahrscheinlichkeit niedrigerer Wachstums- und Inflationsprognosen begründete.

   Eine Handhabe hierfür könnten die bereits einen Monat früher vorliegenden Prognosen der "Professional Forecasters" bieten, die niedrigere Wachstumserwartungen zutage fördern dürften. Darauf deutet die Umfrage von Dow Jones Newswires unter Bankvolkswirten hin, die für 2012 inzwischen einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,2 Prozent voraussagen, nachdem sie im Dezember noch ein Plus von 0,3 Prozent erwartet hatten.

   Besonders pessimistische Bankvolkswirte sehen wegen der Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Euro-Staatsschuldenkrise bereits jetzt Parallelen zu den Geschehnissen nach der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers. Damals ging die Konjunktur in den entwickelten Industrieländern quasi in den freien Fall über und wurde, global gesehen, nur von den Schwellenländern und den Regierungen vor dem völligen Absturz bewahrt.

   Dieses Mal, so warnen diese Experten, wüchsen die Schwellenländer nicht mehr so stark und die Industrieländer könnten keine Konjunkturprogramme mehr auflegen, sondern müssten sparen. Das bremse das Wachstum zusätzlich. Sie erwarten - respektive fordern - dass die EZB zu Staatsanleihekäufen in größerem Umfang übergeht. Bisher hat Draghi diese Forderung stets abgewehrt, Fragen zu diesem Themenkreis sind in der Pressekonferenz gleichwohl zu erwarten.

-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, Hans.Bentzien@dowjones.com DJG/hab/apo (END) Dow Jones Newswires

   January 12, 2012 00:55 ET (05:55 GMT)

   Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 12 55 AM EST 01-12-12

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