07.06.2013 10:34

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Paradigmenwechsel


In den letzten Wochen scheint sich das Makromomentumstabilisiert zu haben.

Es könnte – mit Blick auf das zweite Halbjahr – vor einem wirtschaftlichen Wendepunkt stehen. In den USA zeigt sich das Wirtschaftswachstum dank eines verbesserten Arbeits- und Immobilienmarktes intakt. In Japan mehren sich die Zeichen einer konjunkturellen Erholung. In Europa sind trotz anhaltend rezessiver Tendenzen zaghafte Verbesserungen auch außerhalb Deutschlands zu sehen. Sind das die ersten Folgeeffekte der treibenden Liquidität der Notenbanken?

Dabei gilt: Die Liquiditätsvergabe geschieht immer weniger über den Zinshebel – auch wenn zum Beispiel Australien, Indien und Südkorea zuletzt ihren Leitzins gesenkt haben, um dem Aufwertungsdruck der Heimatwährung Einhalt zu gebieten bzw. die Wettbewerbsfähigkeit zu wahren. Vielmehr wird die Liquidität über diverse Anleiheaufkaufprogramme („Quantitative Easing“) vergeben. So haben die G-4-Zentralbanken über die letzten Jahre hinweg ihre Bilanzen massiv ausgeweitet, um nicht nur das Wirtschaftswachstum in Gang zu halten – und einer möglichen Deflation zu entgehen –, sondern vor allem um die Stabilität von Konjunktur und Finanzmarkt zu gewährleisten.

Auch wenn zuletzt vermehrt Stimmen aufkamen, die ein Ende der expansiven US-Geldpolitik forderten, scheint dies aus aktueller Sicht wenig wahrscheinlich. In Japan befürchten sogar Mitglieder des Rates, die derzeit getroffenen Maßnahmen könnten nicht ausreichen, um das 2-Prozent-Inflationsziel wie geplant zu erreichen. Und: Nachdem die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf ein historisches Tief gesenkt hat, deutete Mario Draghi gegebenenfalls weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen an, um die Wirtschaft zu unterstützen. So werden negative Einlagezinsen nicht mehr kategorisch ausgeschlossen, um noch mehr Liquidität ins System zu pumpen – mit unbekannten Folgen.













Insgesamt handelt es sich hierbei um einen Paradigmenwechsel der Geldpolitik mit dem Ziel, Wachstum bzw. Finanzmarktstabilität zu erreichen. Im Hinblick auf die Unabhängigkeit ein hoher Preis, auf den die Zentralbanken durch ihre monetäre Expansion eingehen. Denn internationale Zentralbanken werden zunehmend von Kreditgebern letzter Instanz zu Käufern von (Staats-)Anleihen letzter Instanz. Die Folge ist „Finanzielle Repression“, in der risikobehaftete Vermögenswerte, wie u. a. Aktien und Spreadsegmente, weiterhin favorisiert werden sollten.

Ein Paradigmenwechsel der internationalen Geldpolitik findet statt, die Suche nach realer Rendite bleibt, meint Ihr Stefan Scheurer

Autor: Stefan Scheurer Vice President, Global Capital Markets & Thematic Research

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: xxx

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