Paris (aktiencheck.de AG) - Nachdem gestern an den wichtigsten europäischen Börsen die Farbe rot dominierte, zeigen sich die Indizes im Donnerstaghandel zur Mittagszeit in grün. Dabei stützen vor allem auch die gut verlaufenen Anleiheauktionen in Italien und Spanien. Indes lies die EZB erwartungsgemäß den Leitzins unverändert. Der Dow Jones EURO STOXX 50 gewinnt derzeit 1,68 Prozent auf 2.378,91 Punkte. Der auch britische und schweizerische Titel umfassende Dow Jones STOXX 50 verbessert sich um 0,46 Prozent auf 2.423,69 Zähler. Die europäischen Länderbörsen zeigen eine positive Tendenz.
Der Geldpolitische Rat der Europäischen Zentralbank beschloss auf seiner heutigen turnusmäßigen Sitzung, das Zinsniveau nicht anzutasten. Der zentrale 2-Wochen-Refi-Mindestbietungssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken refinanzieren, verharrt damit bei seinem Rekordtief von 1,00 Prozent. Marktbeobachter hatten diese Entscheidung bereits im Vorfeld erwartet.
Die Industrieproduktion in der Eurozone hat sich im November 2011 nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat gegenüber dem Vormonat leicht reduziert. Auf Monatssicht schrumpfte die saisonbereinigte Ausbringung in der Eurozone (EZ17) um 0,1 Prozent, während sie im Oktober um 0,3 Prozent gesunken war. Im Vorjahresvergleich ging die arbeitstäglich bereinigte Fertigungsmenge in der Eurozone um 0,3 Prozent zurück, gegenüber einem Plus von 1,0 Prozent im Vormonat.
Die Wall Street dürfte heute mit grünen Vorzeichen in den Handel starten. So rückt der Dow Jones Future derzeit um 0,47 Prozent vor. Der NASDAQ-Future verbessert sich um 0,51 Prozent, während der S&P-Future 0,70 Prozent steigt. Aus den USA werden heute die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, der Einzelhandelsumsatz, der Lagerbestände und der Haushaltssaldo gemeldet.
Der neunköpfige Geldpolitische Rat (MPC) der Bank of England (BoE) hat heute beschlossen, das Zinsniveau unverändert zu lassen. Somit verharrte die als Leitzins dienende Repo-Rate bei 0,50 Prozent. Marktbeobachter hatten diesen Beschluss bereits im Vorfeld erwartet. Auch das Ankaufprogramm für Anleihen wurde unverändert beibehalten. Das Volumen beläuft sich weiterhin auf 275 Mrd. Britische Pfund (GBP). In Großbritannien befinden sich die Aktien des Einzelhandelskonzerns Tesco mit einem Abschlag von 13 Prozent im Tiefenrausch. Das Unternehmen konnte seinen Umsatz über die Weihnachts- und Neujahrsperiode nur leicht steigern. Auf dem Heimatmarkt wurde auf vergleichbarer Basis sogar ein Umsatzrückgang ausgewiesen, womit sowohl die Konzern- als auch die Markterwartungen verfehlt wurden. So erhöhte sich der Konzernumsatz in den sechs Wochen zum 7. Januar 2012 um 2,9 Prozent (ohne Benzin) im Vergleich zum Vorjahr. Einschließlich Benzin wurde hier ein Plus von 4,2 Prozent ausgewiesen. Dabei konnten die internationalen Umsätze (ohne Benzin) um 4,8 Prozent zulegen. In Großbritannien fiel der vergleichbare Umsatz (ohne Mehrwertsteuer und Benzin) im Berichtszeitraum um 2,3 Prozent. Analysten waren hier im Vorfeld von einem Minus von 1,0 Prozent ausgegangen. Dabei konnte die Umsatzentwicklung nicht von der angestoßenen Preissenkungskampagne profitieren. Unterdessen verbessern sich Royal Bank of Scotland Group (Royal Bank of Scotland (RBS)) um 8,6 Prozent. Die Großbank wird Veränderungen im Bereich Wholesale Banking vornehmen. So wird man nach einer Überprüfung der Aktivitäten und angesichts eines veränderten Markt- und Regulierungsumfeldes die RBS Wholesale-Geschäfte in "Markets" und "International Banking" umstrukturieren und ausgewählte bestehende Aktivitäten einstellen bzw. herunterfahren.
Die französischen Verbraucherpreise sind im Dezember 2011 nach Angaben der Statistikbehörde INSEE mit unverändertem Tempo angestiegen. So blieb die Jahresteuerungsrate der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone bei 2,5 Prozent, nach schon 2,5 Prozent im Vormonat. Im Vormonatsvergleich zogen die Lebenshaltungskosten um 0,4 Prozent an, gegenüber einer Preissteigerung um 0,3 Prozent im November. Der für europäische Zwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Frankreich lag um 2,7 Prozent höher als im Dezember 2010. Im Vergleich zum Vormonat stieg der Index um 0,4 Prozent. Unterdessen ist das Leistungsbilanzdefizit Frankreichs im November 2011 nach Angaben der Banque de France kleiner geworden. So verringerte sich das Leistungsbilanzdefizit auf 2,3 Mrd. Euro, nachdem im Oktober ein Passivsaldo von 4,2 Mrd. Euro verbucht worden war. Hierbei sank das Handelsbilanzdefizit binnen Monatsfrist von 6,1 Mrd. auf 4,7 Mrd. Euro. Der Rückzug von Daimler aus dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS scheint sich schwieriger zu gestalten als erwartet. Einem Pressebericht zufolge wurde bereits der erste Meilenstein beim Verkauf eines 7,5-prozentigen Anteils an die staatliche KfW Bankengruppe verpasst. So wollte Daimler bis zum Jahresende 2011 eine entsprechende Absichtserklärung mit der KfW unterzeichnen, was jedoch bisher noch nicht erfolgte. Es werde aber mit Hochdruck daran gearbeitet, erklärten die KfW und Daimler gegenüber der Presse. EADS fliegen um 1,3 Prozent vor.
In Belgien geht es für Delhaize (Delhaize Group) um 9,2 Prozent nach unten. Der Einzelhandelskonzern meldete heute seine Umsatzzahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2011. Zudem wurde eine Umstrukturierung mit einem umfassenden Filial- bzw. Stellenabbau beschlossen. So erhöhte sich der Konzernumsatz im vierten Quartal 2011 um 7,6 Prozent auf 5,64 Mrd. Euro. Im Gesamtjahr kletterte der Konzernumsatz um 1,3 Prozent auf 21,12 Mrd. Euro. Nach einer umfassenden Überprüfung der Geschäftsaktivitäten hat der Konzern darüber hinaus entschieden, insgesamt 146 Filialen in den USA und Südosteuropa zu schließen und 64 Bloom- und Bottom Dollar Food-Geschäfte in den USA in Food Lion-Geschäfte umzuwandeln.
Ericsson (Telefonaktiebolaget LM Ericsson (B)) hat die Übernahme von Telcordia für 1,15 Mrd. US-Dollar in bar abgeschlossen. Bei Telcordia handelt es sich um ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung von Mobilfunk-, Breitband- und Enterprise Communications-Software und Services. Telcordia sei nun mit seinen rund 2.600 Mitarbeiter Teil der Ericsson Group. Telcordia erwirtschaftete im letzten Geschäftsjahr zum 31. Januar 2011 einen Umsatz von 739 Mio. US-Dollar. Für den Titel des Telekommunikationsausrüsters geht es um 0,4 Prozent nach oben.
Lenzing (Lenzing) verteuern sich um 2,9 Prozent. Das Unternehmen wird auch in Zukunft für die neue Generation von US-Armee-Kampfanzügen flammhemmende Spezialfasern liefern.
Dow Jones EURO STOXX 50: 2.378,91 (+1,68 Prozent) Dow Jones STOXX 50: 2.423,69 (+0,46 Prozent) FTSE 100 (London): 5.694,14 (+0,41 Prozent) CAC40 (Paris): 3.248,05 (+1,35 Prozent) MIB (Mailand): 15.379,65 (+3,34 Prozent) IBEX 35 (Madrid): 8.559,60 (+1,58 Prozent) SMI (Zürich): 6.047,96 (+0,66 Prozent) ATX (Wien): 1.933,45 (+2,08 Prozent) (12.01.2012/ac/n/m)