27.06.2013 16:58
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Geldmengenwachstum macht EZB-Zinssenkung wahrscheinlicher

Erhöhter Druck auf EZB
Das Geldmengenwachstum in der Eurozone hat sich im Mai wie erwartet verlangsamt, wobei die Kreditvergabe an Private stärker als zuvor zurückging.
Das dürfte den Druck auf die EZB erhöhen, zusätzliche Maßnahmen zur Belebung der Kreditvergabe zu ergreifen. Auch eine weitere Zinssenkung wäre nach Einschätzung einiger Beobachter gerechtfertigt. Dagegen spricht allerdings der unerwartet deutliche Anstieg des Geschäftsklimas im Euroraum.

   Wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte, stieg die breite Geldmenge M3 gegenüber dem Vorjahresmonat wie erwartet um 2,9 Prozent. Im April hatte das Plus noch bei 3,2 Prozent gelegen. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt stieg M3 gegenüber dem Vorjahreszeitraum ebenfalls um 2,9 Prozent. Das entsprach sowohl der Prognose als auch dem Vormonatswert.

   Die enger gefasste Geldmenge M1 legte mit einer Jahresrate von 8,4 Prozent zu und damit weniger stark als im Vormonat mit 8,7 Prozent. Der erste Rückgang des M1-Wachstums seit April 2012 ist nach Einschätzung von Volkswirten als Reaktion auf den starken Anstieg im Vormonat zu interpretieren. Im April war M1 durch die Überweisungen der Länder an den Euro-Rettungsfonds ESM stark gestiegen. M1 umfasst nur das umlaufende Bargeld und die Sichteinlagen bei Banken und gilt eigentlich als ein guter Vorlaufindikator der Konjunktur.

   Die Buchkredite an den privaten Sektor sanken mit einer Jahresrate von 1,1 Prozent und damit noch deutlicher als im Vormonat mit minus 0,9 Prozent. Die Kredite an nicht-finanzielle Unternehmen sanken um 3,1 (zuvor: minus 3,0) Prozent gegen Vorjahr. Die Kreditvergabe an private Haushalte stieg mit einer Jahresrate von 0,2 Prozent, nach plus 0,4 Prozent im April. Dabei wuchsen die Kredite für den Hausbau um 1,0 Prozent. Im April hatte die Wachstumsrate bei 1,2 Prozent gelegen.

   Volkswirte rechnen angesichts dieser Zahlen zumindest mit einer Fortsetzung der sehr lockeren Geldpolitik. "Die Geldmengendaten stützen die Einschätzung, dass die EZB reichlich Spielraum hat, ihren Leitzins von 0,50 auf 0,25 Prozent zu senken", meint etwa Howard Archer, Volkswirt bei IHS Ecomomic Insight. Zudem setze die schwache Kreditvergabe die EZB unter Druck, auch auf diesem Gebiet etwas zu tun. Die EZB hat angedeutet, dass sie gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank an Plänen für eine Belebung des Markts für Kreditverbriefungen arbeitet.

   Auch ING-Volkswirt Peter Vanden Houte will nicht ausschließen, dass die EZB ihre Politik mittelfristig noch einmal lockert. Er sagte: "Die heutigen Daten können kaum als Beleg dafür dienen, dass die EZB-Politik zu locker ist, eher im Gegenteil. Wir erwarten zwar eigentlich, dass die EZB ihre Zinsen in den nächsten Monat stabil hält, wären aber von einer Zinssenkung nicht überrascht."

   Allerdings gibt es zunehmend Anzeichen für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage. Nach den Einkaufsmanagerindizes stieg im Juni auch der Index der Wirtschaftsstimmung. Mit 90,5 Punkten erreichte er den höchsten Stand seit über einem Jahr. Auch der Geschäftsklimaindex legte zu. Eine stärkere Konjunktur dürfte früher oder später auch wieder die Kreditvergabe und damit die Geldmenge stärker wachsen lassen.

   Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com    DJG/hab/sgs Dow Jones Newswires Von Hans Bentzien

Bildquellen: einstein / Shutterstock.com, Petronilo G. Dangoy Jr. / Shutterstock.com
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