Im Mittelpunkt steht dabei nicht der seit Monaten in den Schlagzeilen stehende Referenzzins Libor, sondern sein Euro-Pendant Euribor. Die EU stehe kurz davor, eine Reihe von Banken wegen illegaler Absprachen bei der Euribor-Festsetzung zu verklagen, schreibt das "Wall Street Journal" (WSJ) in seiner Onlineausgabe unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Die EU hatte im Oktober wegen des Verdachts einer möglichen Manipulation von Zinssätzen Büros von einigen Geldhäusern in mehreren Ländern durchsucht. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg sollen sie versucht haben, den Referenzzins zu beeinflussen, um sich Vorteile im Derivatehandel zu verschaffen. Der Euribor (Euro Interbank Offered Rate) ist der Zinssatz, den europäische Banken untereinander beim Handel von Einlagen verlangen. Euribor und Libor gelten als Referenz für Geldgeschäfte in Billionenhöhe, auch Kredite orientieren sich daran.
Falls sich herausstellt, dass die Institute schuldig sind, kann die EU-Behörde hohe Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen. Dem "WSJ"-Bericht zufolge wurden im Oktober mindestens ein Dutzend Banken durchsucht. Die Ermittler prüften derzeit, ob zum Beispiel die
Crédit Agricole, die
Deutsche Bank, die
HSBC oder die
Société Générale mit der britischen Großbank
Barclays kollaboriert haben.
Barclays hatte bereits eingestanden, auch bei der Ermittlung des Euribor regelwidrig vorgegangen zu sein. Die britische Großbank hatte im Juli mit dem Geständnis, den Libor (London Interbank Offered Rate) jahrelang manipuliert zu haben, einen neuen Bankenskandal ausgelöst. Den Verdacht von falsch ermittelten Libor-Sätzen hatte es bereits zuvor gegeben. Seit dem Geständnis von Barclays hat die Affäre neue Fahrt aufgenommen. Mittlerweile laufen weltweit Ermittlungen gegen zahlreiche Geldinstitute - darunter auch die Deutsche Bank./zb/enl/kja BRÜSSEL (dpa-AFX)
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