28.11.2012 15:32
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Gefahr im Verzug!

Die Enteignung der Anleger ist in vollem Gange
Das anhaltende Niedrigzinsniveau sorgt insbesondere bei sicherheitsorientierten Anlegern mittlerweile für eine gewisse Ratlosigkeit. Die Verzinsung von Festgeldern bewegt sich nahe dem Nullniveau, Anleihen von Emittenten mit Top-Bonität werfen keine vernünftigen Renditen mehr ab. Der Begriff risikolose Rendite scheint im Jahr 2012 nicht mehr zu existieren. Eine Mehrung des privaten Kapitals ist durch „einfache“ Varianten wie das Sparbuch aufgrund der niedrigen Verzinsung unmöglich gemacht worden. Mehr noch: Nüchtern gerechnet findet inflationsbereinigt sogar eine Geldvernichtung statt, derer die Anleger scheinbar hilflos ausgeliefert sind. Alternativen sind gefragt. Die Angst vor Kursschwankungen steht dabei – noch immer – einer Beimischung von Aktien im Wege.

Fortdauernde Niedrigzinspolitik

Es wird immer deutlicher, dass es sich bei den momentanen Niedrigzinsen nicht um ein vorübergehendes Phänomen handelt, sondern eher um einen längerfristigen „Dauerzustand“. Seit Anfang der 80er Jahre sind die Zinsen – nur von temporären Gegenbewegungen unterbrochen - nahezu permanent gefallen. Ein Abwärtstrend seit über 30 Jahren! Besonders spektakulär: Jetzt ist die ominöse „0 %-Marke“ erreicht.

Netto betrachtet droht die Enteignung der Sparer. „Heimlicher“ Profiteur in dieser Situation: Der Staat. Solange die Zinsen für deutsche Staatsanleihen deutlich unter dem Niveau der Inflation liegen, kann die Verschuldung elegant „weginflationiert“ werden – Stichwort finanzielle Repression. So sind letztendlich die Bestrebungen des Staates nicht verwunderlich, das Zinsniveau niedrig zu halten. Paradox: Die Anleger fürchten sich vor einer Enteignung, nehmen aber durch den Kauf von niedrig verzinsten deutschen Staatsanleihen - netto betrachtet - ein sicheres Verlustgeschäft in Kauf. Wer Sicherheit sucht, muss in der aktuellen Situation teuer dafür bezahlen.

Abstriche auch bei Lebensversicherungen

Erschwerend für den Sparer kommt hinzu, dass sicher geglaubte Überschüsse aus langfristigen Lebensversicherungen ausbleiben. Bisher erhielten ausscheidende Kunden 50 % der Bewertungsreserven – die durch die niedrigen Zinsen im Laufe der Jahre stetig angestiegen sind, da der Marktwert der festverzinslichen Wertpapiere teilweise deutlich über dem Buchwert liegt. Dem wird nun ein Riegel vorgeschoben: Laut Bundestagsbeschluss partizipieren Anleger ab dem 21. Dezember 2012 nur noch mit einem kleinen Teil an den Bewertungsreserven. Ein knappes Zeitfenster: Wer Überschussbeteiligungen einstreichen will, muss sofort handeln – und scheitert häufig schon an den nicht eingehaltenen Kündigungsfristen.

Umdenkprozess auch im institutionellen Bereich

Auch institutionelle Anleger sehen sich mit völlig neuen Herausforderungen konfrontiert. Große Versicherungskonzerne müssen sich unweigerlich auf die Suche nach alternativen Anlageklassen begeben. Aktienrückkaufprogramme, Unternehmensbeteiligungen oder Übernahmen vergrößern den Handlungsspielraum der Konzerne – und sorgen für Investitionen in beträchtlicher Höhe im Aktienmarkt. Ein Vorgang, der vor einigen Jahren sicherlich noch als undenkbar bezeichnet worden wäre.

Fazit

Die finanzielle Repression ist in vollem Gange. Festverzinsliche Anlagen werfen keine vernünftigen Renditen mehr ab und stellen sowohl private als auch institutionelle Anleger vor neue Herausforderungen. Wer sein Vermögen langfristig vor dem Zugriff des Staates schützen will, muss umdenken und auf Sachwerte wie Aktien vertrauen.

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen/Disclaimer unter www.gruener-fisher.de.
Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Seine oft dem allgemeinen Marktkonsens entgegen stehenden Prognosen sorgten schon mehrfach für großes Aufsehen. Weitere Informationen unter http://www.gruener-fisher.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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