Von Nina Köppen Dow Jones NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--EZB-Ratsmitglied Athanasios Orphanides hat angedeutet, dass der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) noch für viele Monate unverändert bleiben wird. Der Ausblick für die Verbraucherpreisentwicklung sei freundlich, trotz der jüngst gestiegenen Jahresteuerung, sagte Orphanides, der als Notenbankchef Zyperns im EZB-Rat sitzt, in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit Dow Jones Newswires. Die Kernteuerung, die die volatilen Komponenten Energie- und Nahrungsmittel nicht berücksichtigt, gehe im Trend zurück.
"Angesichts dieser Entwicklung betrachte ich eine hohe Inflation nicht mit Sorge", sagte Orphanides. Seine Äußerungen weisen darauf hin, dass die EZB keinen Grund sieht, ihren Leitzins in den kommenden Monaten anzuheben, um den Preisdruck einzudämmen. Der Hauptrefinanzierungssatz steht bei 1,00%.
Das EZB-Ratsmitglied sieht auch nicht die Gefahr, dass die Verbraucherpreisentwicklung den Euroraum in zwei Teile spaltet - mit Deflation in der Peripherie und Inflation in den anderen Staaten. "Temporäre Abweichungen könnten auftreten und für ein paar Jahre anhalten", sagte Orphanides. Von Dauer dürften die Abweichungen bei Preisen und nominalen Löhnen aber nicht sein, die sich nicht durch die Unterschiede bei der Produktivität erklären ließen. Darum müsse die EZB "die relative Wettbewerbsfähigkeit in den verschiedenen Volkswirtschaft des Euroraums genau beobachten", sagte er.
Orphanides zufolge sollten die Lohn - und Preisentwicklungen sowie die Haushaltspolitiken in der Eurozone stärker beaufsichtigt und die Haushaltsregeln strenger durchgesetzt werden. Vorstellbar wären eine unabhängige Haushaltsagentur, die bei der EU-Kommission angesiedelt sein könnte, schlug er vor.
"Der Euroraum würde klar von einer effektiveren Wirtschaftssteuerung profitieren", betonte der Notenbankchef Zyperns. Eine stärkere Abstimmung sei "von größter Bedeutung, um eine ähnliche Krise in Zukunft zu verhindern", und sollte daher "oben auf der politischen Agenda des Euroraums stehen". Er sei aber zuversichtlich, dass die Politik der Lage gewachsen sei und auf eine integriertere und stärkere Wirtschafts- und Währungsunion hinarbeite.
Eine Reihe von Regierungen - darunter Griechenland, Portugal und Spanien - hätten bereits entschlossene Maßnahmen eingeleitet, um ihre öffentliche Verschuldung in den Griff zu bekommen. "Diese Anstrengungen gehen in die richtige Richtung und sollten Beifall erhalten", sagte Orphanides.
-Von Nina Köppen, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 297 25 300, konjunktur.de@dowjones.com DJG/DJN/kth/sgs Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de (END) Dow Jones Newswires
June 14, 2010 02:44 ET (06:44 GMT)
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