01.02.2013 14:12
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Erstarkender Euro wird zur neuen Herausforderung

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Die Lockerung der weltweiten Geldpolitik ist mit der Ankündigung Japans, soviel Geld...
... wie notwendig zu drucken, um eine Inflation von zwei Prozent herzustellen, in die nächste Phase getreten.

Abwertungswettlauf der großen Währungen

Schon seit drei Jahren verfolgt die US-Notenbank mit enormen Ankäufen von Staatsanleihen und mit einer Nullzinspolitik das Ziel, wieder Schwung in die Wirtschaft zu bringen. Ein schwächerer Dollar wird mit dieser Politik gerne in Kauf genommen, um amerikanischen Exporteuren auf Drittmärkten bessere Chancen zu bieten und auch um Importe teurer und damit für Konsumenten unattraktiver zu machen. Diese Vorgehensweise hat auch gegen viele Währungen, insbesondere den japanischen Yen, der in dieser Zeit immer teurer geworden ist, gut geklappt. Nur der Euro ist gegen den US-Dollar schwächer geworden, da die Befürchtungen über das Zusammenbrechen der gemeinsamen Währung den Euro als Anlagewährung bedroht hat. Mit der Ankündigung von EZB-Präsident Mario Draghi, alles Notwendige zu tun, um den Euro als gemeinsame Währung zu erhalten, ist die Zuversicht zumindest kurzfristig gestiegen. Viele Short-Positionen auf den Euro wurden daher aufgelöst. Ein Anstieg gegen den Dollar war die Folge.

Jetzt kommt aber Japan unter Premierminister Abe ins Spiel, der die japanische Notenbank massiv unter Druck gesetzt hat, falls notwendig unlimitiert neue Yen zu drucken. Damit hat er einen kräftigen Kursverfall der japanischen Währung eingeleitet, was in der Folge ebenfalls den Euro nach oben treibt. Warum ist das für Europa eine gefährliche Entwicklung? Weil damit neben Amerika jetzt auch Japan eine Politik der schwachen Währung verfolgt, um den Absatz seiner Produkte im Ausland zu fördern. Übrig bleibt China und die Eurozone, die damit unter Druck geraten werden. Denn auch England hat mit seiner extremen Lockerung der Geldpolitik schon vor zwei Jahren das Signal gesendet, dass es nichts gegen eine Abschwächung des Pfund-Sterlings hat. Wir befinden uns also inzwischen mitten in einem Abwertungswettlauf der großen Währungen. Ein Phänomen, das historisch gesehen immer zu großen Verwerfungen geführt hat. Denn in der Folge ist es immer zu protektionistischen Maßnahmen gekommen und in der Regel müssen die Gläubigerländer, die auf starken Währungen sitzen, zusehen, wie die Schuldnerländer, die auf den schwächeren Währungen sitzen, ihre Forderungen entwerten. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis es zu größeren politischen Spannungen kommt.

Schwächere Konjunkturzahlen in Deutschland als Vorbote

Für Euroland ist diese Situation besonders brisant. Bereits heute ist der Euro ja für die einzelnen Mitgliedsländer eine große Herausforderung für ihre Wettbewerbsfähigkeit im Export. Aufgrund der unterschiedlichen Produktivität in den Mitgliedsländern ist der Euro für die einen zu hoch, für andere niedrig und damit vorteilhaft. Auch wenn der Euro derzeit gegen den Dollar bei 1,35 steht, so liegt der faire Wert für die Südländer Italien und Spanien eher bei 1,15. Für die besser aufgestellten Länder wie Deutschland, Holland und Österreich bei 1,55. Das heißt, für Italien ist der Euro 15 Prozent zu hoch und erschwert daher die Exportperformance. Für Deutschland und die alten Mitglieder des D-Mark-Blocks ist er vorteilhaft um 15 Prozent zu niedrig und bietet daher beste Exportchancen. Das Ungleichgewicht innerhalb des Eurogebietes nimmt also laufend zu. Oder anders ausgedrückt: Die Kostenstrukturen in Italien, Spanien und Frankreich müssten signifikant gesenkt werden, um in Hinblick auf die Produktivität den zu hohen Euro zu kompensieren. Lohnsenkungen und ähnliche Entwicklungen müssten eintreten. Je stärker also der Euro in den nächsten Monaten wird, desto mehr wird sich dieses Bild für die Südländer verschlechtern - die nächste Phase der Eurokrise beginnt sich also zu entwickeln.

Aber auch die nördlichen Gläubigerländer werden betroffen sein. Denn auch Deutschland wird mit einem stärkeren Euro Marktanteile auf Drittmärkten verlieren und das wird das Wachstum bremsen. Ein schwaches Wachstum in Deutschland wird aber wieder Fragezeichen zur langfristigen Fähigkeit Deutschlands, den Süden zu finanzieren, aufwerfen. Die zuletzt schon schwächeren Konjunkturzahlen in Deutschland sind ein Vorbote. Vor diesem Hintergrund ist es vorgezeichnet, dass Mario Draghi in den Wettlauf der Abwertungen mit einsteigen müssen wird. Der Druck der Südländer, etwas gegen den erstarkenden Euro zu tun, wird zunehmen. Und auch Deutschland wird kein Veto gegen Schritte einlegen, die den Anstieg des Euro verhindern sollen. Es gibt daher vorerst keinerlei Spielraum für die Europäische Zentralbank, die Zinsen zu erhöhen. Vielmehr wird man mit weiteren Lockerungsschritten versuchen, den Anstieg des Euro zu bremsen.

Mit langen Zinsbindungen für hohe Kalkulierbarkeit sorgen

Damit werden auch die Zinsen für längere Laufzeiten in den nächsten Monaten tief bleiben. Das sind also weiterhin gute Rahmenbedingungen für Baufinanzierungskunden, die auch bei langen Laufzeiten von historisch tiefen Zinsen profitieren können. Für die längerfristige Entwicklung und vor allem für die Frage, wann das Zinsgefüge auf den internationalen Kapitalmärkten wieder eine "Normalisierung" erfährt, bedeutet der inzwischen klar ersichtliche Abwertungswettlauf aber nichts Gutes. Die langfristige Unsicherheit steigt. Wir empfehlen daher auch klar und deutlich, mit langen Zinsbindungen für hohe Kalkulierbarkeit der zukünftigen Belastungen aus dem Immobilienkauf zu sorgen.

Tendenz:
Kurzfristig: abwärts
Mittelfristig: seitwärts

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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