10.12.2012 09:42
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Europäische Wachstumsschwäche erreicht auch Deutschland

Lange konnte Deutschland den Eindruck erwecken, dass die Rezession...
... in den europäischen Krisenländern die eigene Konjunkturentwicklung nur gering beeinflusst. Starke Impulse aus Asien und auch die wieder wachsende Nachfrage in den USA nach deutschen Qualitätsprodukten hat die Zahlen in Deutschland gut aussehen lassen. In den neuesten Prognosen der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt sich jetzt aber für 2013 ein ernüchterndes Bild. Wurde noch vor einigen Monaten ein Wirtschaftswachstum von deutlich über einem Prozent für das nächste Jahr erwartet, so erscheint jetzt nur mehr ein leichter Zuwachs von rund 0,5 Prozent als wahrscheinlich. Damit verliert Deutschland die Funktion der Lokomotive für Euroland und das bisher bestehende Gegengewicht zu den Rezessionsländern im Süden fällt für die Gesamtbetrachtung des Euroraumes weg. Damit wird immer klarer, dass für die EZB auch in den nächsten beiden Jahren keinerlei Spielraum für höhere Leitzinsen entstehen wird. Vielmehr steigt die Erwartungshaltung, dass schon in den nächsten Monaten der Euro-Leitzins weiter Richtung null Prozent gesenkt wird. Vor diesem Hintergrund sind in den vergangenen Wochen auch die langfristigen Kapitalmarktzinsen wieder gefallen und nähern sich den Tiefständen vom Sommer 2012.

Die schwächeren Wachstumsaussichten rufen natürlich auch die Euro-Kritiker wieder verstärkt auf den Plan, auch wenn Griechenland vorerst über die neue Liquiditätszufuhr beruhigt wurde. Wie sollen vor dem Hintergrund einer weiteren Abschwächung der Konjunktur und damit auch weiter rückläufiger Steuerzahlungen in den großen Krisenstaaten Spanien, Italien und Frankreich, diese Länder ihre Schuldenberge in den Griff bekommen? Wie soll ein Deutschland, das selbst inzwischen Schwäche zeigt, die Transferzahlungen mittelfristig stemmen? Nur logisch erscheint daher, dass die Zinsaufschläge an den Kapitalmärkten für diese Länder wieder steigen und die Flucht in die beste Bonität Deutschland hier die Zinsen zurückgehen lässt. Die Anleger haben wenige Alternativen und Auswege, auch wenn vielen Analysten klar ist, dass die Belastungen, die auf Deutschland aus dem Festhalten am Euro-Projekt zukommen, auch die Schuldentragfähigkeit Deutschlands einmal in Frage stellen könnten.

Sparer werden um Kapitalertrag gebracht

Vorerst treten diese Überlegungen aber in den Hintergrund. Denn die europäische Politik, und dazu gehört natürlich auch die deutsche, hat mit der EZB einen stillen Bund geschlossen und sich darauf geeinigt, dass über eine Nullzinspolitik und eine unbegrenzte Liquiditätsversorgung des Bankenapparates die Bedienung der Staatsschulden europaweit abgesichert und in der Zwischenzeit über Sparprogramme und Steuererhöhungen eine Entschuldung versucht wird. Mit der Nullzinspolitik werden still und heimlich die Sparer in Europa (nur zum Trost, das gleiche läuft auch in USA und Japan) um ihren Kapitalertrag gebracht. Im Kern findet sich dieser entgangene Ertrag direkt, über die tiefen Finanzierungskosten der Staaten, im Staatshaushalt wieder - im Grunde eine neue Form der Besteuerung. Umso unverständlicher, dass selbst in dieser Phase, und bei dem zuletzt in Deutschland historisch hohen Steueraufkommen, Finanzminister Schäuble keinen ausgeglichenen Haushalt zustande bringt.

Immobiliennachfrage treibt Preise

Eine direkte Folge der Nullzinspolitik ist die aktuelle Entwicklung am Immobilienmarkt in Deutschland. Einerseits drängen Anleger, die von Tiefzinsen für Spareinlagen und Anleihen frustriert sind in den Markt und kaufen mit ihrem Cash Wohnungen, Grundstücke und ganze Miethäuser und treiben die Preise besonders in den Städten mit der höchsten Vermögenskonzentration. Andererseits nutzen viele zurecht die extrem tiefen Baugeldzinsen und erwerben Eigentum. Die steigenden Kaufpreise machen es aber für viele Markteilnehmer mit wenig oder keinem Eigenkapital auch bei tiefen Zinsen unmöglich Eigentum zu erwerben. Die Mietnachfrage bleibt daher ebenfalls hoch und steigende Mieten sind die Folge. Die Erwartung steigender Mieten wiederrum lässt die Kapitalanleger für Objekte höhere Preise bezahlen. Wir sind also mitten in einem Immobilienboom, der im Kern von einem Euro-Zinsniveau ausgelöst wurde, das für Deutschland völlig falsch ist. Genauso wie in Spanien oder Irland bis zum Zusammenbruch der Märkte Zinsen, die für die damalige Entwicklung dieser Länder viel zu niedrig waren, die Immobilienpreise in absurde Höhen gebracht haben. Auch wenn jetzt schon viele die Preise in Deutschlands Städten für hoch empfinden, wir haben mit dieser Entwicklung erst begonnen und im internationalen Vergleich sind die Preise günstig.

Für Eigennutzer heißt das weiterhin, die tiefen Baugeldzinsen zu nutzen und Eigentum zu erwerben. Das ist besser als das Eigenkapital einer Lebensversicherung anzuvertrauen, die damit 10-jährige Staatsanleihen mit 1,30 Prozent Rendite kauft - und übrigens, auch die Lebensversicherungen kaufen Immobilien, aber viel zu wenige als dass der Kunde dies in seiner Performance der nächsten 20 Jahre merken wird. Dann schon besser direkt kaufen. Die eigengenutzte Immobilie bleibt mit Abstand die beste Altersvorsorge. Bei der Finanzierungsstruktur sollte auf lange Zinsbindungen und Tilgungen von mindestens zwei Prozent geachtet werden. Dann kann auch bei Zinsanstiegen in fünf bis zehn Jahren nichts schiefgehen.

Tendenz

Kurzfristig: abwärts
Mittelfristig: seitwärts

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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