
Zinsen scheinen vorerst auf tiefen Niveaus einzementiert
Lösungsdruck für Griechenland wächst, Portugal nächster Krisenkandidat
Bis März muss es also eine Lösung zum Thema Umschuldung geben. Wichtig wird sein, ob Griechenland am Ende aber die Auflagen und Nebenbedingungen für diesen Schuldenschnitt akzeptieren kann und das Volk dies auch will. Ein überraschender Konkurs oder Austritt Griechenlands aus dem Korsett des Euros kann kommen, wenn sich die Positionen festfahren und Herr Papademos die Kontrolle über sein Land verliert. Um das zu verhindern, müsste die Politik final den großen Wurf machen, der aus vier Maßnahmen besteht: 1) drastische Entschuldung inklusive der Forderungen der EZB, 2) Euro-Quarantäne für Griechenland für 7-10 Jahre - d.h. Einführung einer Währung, die in einer bestimmten Bandbreite zum Euro mit einem deutlich tieferen Einstiegskurs handelt, 3) Investitionsförderung der EU für die Restrukturierung der griechischen Wirtschaft, 4) tiefgreifende Reform der griechischen Verwaltung und des Steuerregimes. Nach der Quarantäne würde dann eine Wiederaufnahme geprüft werden. Zu befürchten ist, dass alle bisher diskutierten Lösungen immer zu kurz gedacht sind und dem Land nicht helfen, die Probleme zu lösen. Beide Vorgehensweisen sind mit enormen Kosten für die europäischen Länder verbunden. Der zweite Weg würde aber zumindest die Chance auf Erfolg haben.
Der Lösungsdruck wird dabei von Woche zu Woche größer, da sich mit Portugal gerade das zweite Land anschickt, den "griechischen Weg" zu gehen. Die portugiesischen Staatsanleihenzinsen liegen bereits nahe an 20% und das Signal der Märkte sagt jetzt schon, dass keine Hoffnung besteht, dass Portugal ohne Schuldenschnitt über die Runden kommt. Spanien könnte als Nächster unter Druck geraten. Die Politik der kleinen Trippelschritte, so wie sie derzeit von der europäischen Politik geübt wird, reicht längst nicht, um diese Entwicklung aufzuhalten.
Womit wir wieder bei der EZB wären. Während die Politik wie ein angeschlagener Boxer von einer Ecke des Ringes in die andere taumelt, hat die EZB die Seile gespannt, die den Boxer vor dem Sturz bewahren und immer wieder in die Mitte des Rings zurückwerfen. Nullzinsen im Geldmarkt, Aufkäufe von Staatsanleihen, Refinanzierungslinien für die Banken, Manipulation der langfristigen Kapitalmarktzinsen - alle Register werden gezogen, um den Boxer im Ring zu halten.
Baufinanzierungskunden profitieren weiter
Für den Immobilienfinanzierungskunden hat das weiterhin nur gute Konsequenzen. Die Baugeldzinsen scheinen auf historisch tiefem Niveau einzementiert und haben nur wenig Spielraum nach oben. Deutsche Staatsanleihen bleiben als Hort der Sicherheit gefragt und das drückt auch die Zinsen für Baugeld. Damit ist vorerst der Baufinanzierungskunde in Deutschland der große Profiteur der Euro-Krise. Denn ohne die Krise wären die Zinssätze in Deutschland - bezogen auf unsere eigene Konjunkturentwicklung - zumindest 2-3 Prozentpunkte höher. Diese historische Chance sollte daher genutzt werden, solange sie besteht.
Tendenz
Kurzfristig: seitwärts
Mittelfristig: seitwärts
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