25.06.2012 21:35
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Ökonomen erwarten für nächste Woche EZB-Leitzinssenkung

Leitzinssenkung in Sicht?
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Leitzinsen in der kommenden Woche senken. Davon sind deutsche Bankvolkswirte überzeugt.
Obwohl die EZB in der vergangenen Woche bereits eine bedeutende finanzielle Lockerung auf den Weg brachte, indem sie ihre Anforderungen an Sicherheiten in Repo-Geschäften mit Banken senkte.

   Noch niedrigere Leitzinsen würden zwar kaum der Konjunktur, dafür aber jenen südeuropäischen Banken nützen, die sich bei den beiden dreijährigen EZB-Refinanzierungsgeschäfte massiv mit Liquidität vollgesaugt haben.

   Mario Draghis Dicke Berta war nämlich mit Geld geladen, für das die Banken jenen Zinssatz zahlen müssen, der im Durchschnitt der dreijährigen Tender-Laufzeit geherrscht haben wird. Senkt die EZB jetzt den Zins, wird dieses Geld noch billiger. Derzeit liegt der Leitzins bei 1,00 Prozent. Ökonomen erwarten für kommenden Donnerstag eine Senkung um wenigsten 25 Basispunkte.

   So rechnet der Chefvolkswirt der BayernLB, Jürgen Pfister, mit einer Zinssenkung dieses Umfangs. "Dafür dürfte es im EZB-Rat wahrscheinlich eine deutliche Mehrheit geben", sagte er. Als Grund sieht er die schwachen Konjunkturdaten, die nach der Veröffentlichung der jüngsten EZB-Stabsprojektionen zu Wachstum und Inflation bekannt wurden.

   So lassen die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum eine schrumpfende Wirtschaftsleistung erwarten, und auch die deutschen Frühindikatoren, wie ifo- und ZEW-Index lassen eine zunehmende Furcht vor den konjunkturellen Auswirkungen der Euro-Krise erkennen.

   Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert ist ebenfalls sicher: "Der Reposatz wird auf jeden Fall gesenkt werden, und vielleicht wird auch der Einlagensatz weiter reduziert. Das zeigt, wie groß die Verzweiflung in der EZB ist."

   Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, erwartet, dass die EZB den Leitzins um 25 Basispunkte senken und einen weiteren Langfristtender begeben wird. "Mit 50 Basispunkten würde sie die Märkte so beeindrucken, dass sie ohne weiteren Langfristtender auskommen würde. Wenn nur die 25 Basispunkte, aber kein weiterer Langfristtender kommen, dann müsste die EZB zwei Wochen später nachlegen", sagte er.

   So einig die Experten aber über die nächste Entscheidung der EZB sind, so uneinig sind sie in der Frage, ob die EZB derzeit das Richtige macht. Nach Meinung von Commerzbank-Volkswirt Schubert tut die EZB bereits jetzt zuviel. So werden mit den Langfristtendern seiner Meinung nach nicht mehr lebensfähige Banken künstlich am Leben gehalten. "Es ist immer das gleiche Thema bei der EZB. Sie sieht selbst, dass es Unsinn ist, das zu machen, weil es die falschen Anreize setzt. Und dann kocht die Sache so hoch, dass sie es doch tut", sagte er. Abgesehen davon glaubt er, dass sich die Langfristtender als Instrument abgenutzt haben.

   Seiner Meinung nach ist die EZB bei der geldpolitischen Lockerung auch schon weiter voran geschritten, als es eine rein zahlenmäßige Betrachtung zeigt. "Quantitativ haben Bank of England oder Fed mehr getan. Aber es ist ein Unterschied, ob ich US-Staatsanleihen und Gilts aufkaufe oder Anleihen eines Staates, der kurz vor der Pleite steht", sagte er.

   Nach Berenberg-Chefvolkswirt Schmieding müsste die EZB noch ganz andere Sachen tun: "Die EZB sollte dafür sorgen, dass kein Land der Eurozone, dass seine Reformen wirklich umsetzt, Pleite gehen kann. Sie sollte klar signalisieren, dass sie ab einer gewissen Schmerzgrenze am Markt für Staatsanleihen eingreifen würde", forderte er.

   Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

   DJG/hab/chg

   (Mehr zu diesem Thema und weitere Berichte und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf www.WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)

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   June 25, 2012 15:02 ET (19:02 GMT)

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Von Hans Bentzien

FRANKFURT

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