20.03.2013 12:23
Bewerten
 (4)

Freddie Mac verklagt Banken im Libor-Skandal

Massiver Schadensersatz
Der Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze zieht immer weitere Kreise.
Der US-Hypothekenfinanzierer Freddie Mac fordert vor einem Gericht im Bundesstaat Virginia von mehr als einem Dutzend der weltgrößten Banken massiven Schadensersatz. Es ist die erste von der Regierung unterstützte private Klage im Libor-Manipulationsskandal. Vor US-Gerichten stapeln sich in diesem Zusammenhang bereits andere Klageschriften, in denen von den Banken Zahlungen in Milliardenhöhe gefordert werden.

   Händler der weltweit bedeutendsten Banken stehen im Verdacht, den Londoner Libor-Satz manipuliert zu haben, um satte Gewinne einzustreichen. Drei Kreditinstitute haben sich mit den Behörden bereits auf Strafen von zusammen rund 2,5 Milliarden US-Dollar geeinigt. Bei einem Dutzend Finanzunternehmen wird weiter ermittelt. Der Libor ist der global wichtigste Referenzzinssatz für Interbankengeschäfte. Auf seiner Grundlage werden Kontrakte im Wert von vielen Billionen Dollar abgeschlossen. Die Britische Bankenvereinigung (BBA) ermittelt den Zinssatz durch Befragung der wichtigsten Finanzhäuser. Sie nennen der BBA die Zinsen, die sie auf dem Interbankenmarkt von anderen Geldinstituten für Kredite verlangen.

   Durch die Klage von Freddie Mac gerät erstmals auch die mächtige Vereinigung der britischen Banker ins Fadenkreuz der Gerichte: Der Immobilienfinanzierer verklagt explizit auch die BBA. Sie hat sich inzwischen bereiterklärt, die Zuständigkeit für den Libor an eine neue Organisation abzutreten.

   Britische und US-Aufseher haben die BBA bisher von Anschuldigungen verschont. Trotzdem geriet die Vereinigung unter das Sperrfeuer britischer Abgeordneter, die ihr vorwerfen, die Manipulationen nicht verhindert oder wenigstens entdeckt zu haben. Freddie Mac beschuldigt die BBA jetzt sogar, an dem Skandal beteiligt gewesen zu sein. Die Organisation habe das eigene Einkommen nicht gefährden wollen und Mitgliedsbanken in Sicherheit gewogen. Ein Sprecher der BBA wollte sich dazu nicht äußern.

   Laut der Klage haben sich die Banken verschworen, um Liborsätze für den US-Dollar künstlich niedrig zu halten. In der Folge habe Freddie Mac in großem Stil Verluste bei Zinsswaps hinnehmen müssen. Mit diesen Zinsswaps hatte sich Freddie Mac gegen Risiken aus seinem Hypothekengeschäft abgesichert.

   "Wir haben eine Verpflichtung gegenüber den Steuerzahlern, unsere Verluste zu minimieren. Das ist der Zweck dieser Einzelklage", sagte eine Sprecherin von Freddie Mac. Der Immobilienfinanzierer erhielt vom Weißen Haus Hilfen von mehr als 50 Milliarden Dollar. An mindestens einer Libor-Sammelklage ist das Unternehmen laut der Sprecherin noch beteiligt. Sie wollte die Höhe der Schadensersatzforderungen nicht beziffern.

   Das zweite von der Regierung kontrollierte Hypothekenunternehmen Fannie Mae hat bislang noch keine Klage erhoben. "Wir erwägen diese Möglichkeit", sagte ein Sprecher von Fannie Mae. Die beiden Hypothekenfinanzierer haben US-Steuerzahler zusammen bislang mehr als 130 Milliarden Dollar gekostet.

   Die Entscheidung von Freddie Mae zu klagen spiegele den zunehmenden Druck auf Investoren wider, im sich verschärfenden Libor-Skandal möglichst viel Geld zurückzubekommen, sagt Kanzleichef Michael Hausfeld von Hausfeld LLP, der Anleger im größten Libor-Gerichtsverfahren vertritt. "Das unterstreicht die Frustration im Markt", erklärt Hausfeld im Hinblick auf bisher ausgebliebenen Schadensersatz.

   Die jetzt verklagten Institute müssen sich bereits in 30 anderen Prozessen mit Anlegern, Städten oder auch Baufinanzierern auseinandersetzen.

   Derweil setzen sich die verklagten Banken zur Wehr. Sie bestreiten vehement den zentralen Klagepunkt: Keinesfalls habe man sich zusammengetan, um den Dollar-Libor nach unten zu manipulieren. Die New Yorker Richterin Reice Buchwald entscheidet unterdessen bald darüber, ob die führende Sammelklage vor einem Bundesgericht in Manhattan abgeschmettert wird. Zu den betroffenen Geldhäusern zählen die Bank of America, Citigroup, J.P. Morgan, Credit Suisse, Deutsche Bank und UBS. Alle Geschäftsbanken waren für einen Kommentar nicht zu haben.

   Freddie Mac und Fannie Mae sollen zusammen mehr als 3 Milliarden Dollar durch die Zinsmanipulationen verloren haben. Das ergibt sich aus einem internen Bericht des Aufsehers der beiden vom Staat kontrollierten Immobilienfinanzierer. Diese Verluste summieren sich durch entgangene Einnahmen auf. Beide Institute hielten zur Zeit der fingierten Zinssätze mehr als 1 Billion Aktiva an hypothekengesicherten Wertpapieren, Zinsswaps und am Markt gehandelten Anleihen.

   Es ist nicht das erste Mal, das die US-Regierung mit den beiden Baufinanzierern zusammen Schadensersatz von Banken fordert. Im Jahr 2011 verklagten sie 18 große Finanzinstitute wegen des Beinahe-Zusammenbruch von Freddie Mac und Fannie Mae im September 2008.

   Mitarbeite: Shayndi Raice und Al Yoon.   Kontakt zu den Autoren: unternehmen.de@dowjones.com   DJG/DJN/axw/sha Dow Jones Newswires Von Jean Eaglesham, Jeannette Neumann und Alan Zibel

Bildquellen: ZVG, Robert Kneschke / Shutterstock.com

Nachrichten zu Deutsche Bank AG

  • Relevant1
  • Alle1
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Deutsche Bank AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
02.12.2016Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group
29.11.2016Deutsche Bank kaufenBankhaus Lampe KG
17.11.2016Deutsche Bank UnderperformMacquarie Research
11.11.2016Deutsche Bank HoldHSBC
03.11.2016Deutsche Bank kaufenBankhaus Lampe KG
29.11.2016Deutsche Bank kaufenBankhaus Lampe KG
03.11.2016Deutsche Bank kaufenBankhaus Lampe KG
28.10.2016Deutsche Bank buyKepler Cheuvreux
27.10.2016Deutsche Bank buyKepler Cheuvreux
27.10.2016Deutsche Bank kaufenBankhaus Lampe KG
11.11.2016Deutsche Bank HoldHSBC
31.10.2016Deutsche Bank NeutralUBS AG
28.10.2016Deutsche Bank Equal-WeightMorgan Stanley
28.10.2016Deutsche Bank NeutralGoldman Sachs Group Inc.
28.10.2016Deutsche Bank NeutralJP Morgan Chase & Co.
02.12.2016Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group
17.11.2016Deutsche Bank UnderperformMacquarie Research
28.10.2016Deutsche Bank UnderperformCredit Suisse Group
28.10.2016Deutsche Bank UnderperformMacquarie Research
28.10.2016Deutsche Bank SellSociété Générale Group S.A. (SG)
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Deutsche Bank AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr Analysen
InstitutZinssatz
Banka Kovanica1,80%
Banco BNI Europa1,75%
Atlantico Europa1,50%
Novo Banco1,45%
Haitong Bank1,45%
weitere Sparbriefe Zinssätze

Heute im Fokus

DAX geht schließt mit kleinem Verlust -- US-Börsen kaum verändert -- Im Wahljahr 2017 droht Euro-Krise 2.0 -- US-Arbeitslosenquote sinkt auf tiefsten Stand seit 2007 -- AIXTRON, SLM Solutions im Fokus

Vier Weltstädte wollen bis 2025 Dieselautos verbieten. Deutsche Bank stellt gewisse Kundenverbindungen ein. Italiens Wirtschaftsminister: Kein Finanzbeben nach Referendum. Eine schöne Bescherung: Doch wer bekommt eigentlich Weihnachtsgeld? Tim Cook antwortet per Mail auf Userbeschwerde zu Apple-AirPods.
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Zalando - Wie der Online-Händler seine Gewinn­margen kräftig steigern will!
Der Einkauf von Waren im Internet gehört zu den Megatrends des 21. Jahrhunderts. Laut einer Erhebung des Digitalverbands Bitkom shoppen 98% aller Internet-Nutzer inzwischen online, wobei mehr als drei Viertel mehrmals im Monat Produkte über das Internet ordern. Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Anlegermagazins, warum Zalando zu den Profiteuren dieses Megatrends gehört und wie es seine Gewinnmargen weiter steigern will.
Anlegermagazin kostenlos erhalten
Hobby zum Beruf
Jetzt durchklicken
Welche Aktien besitzt Warren Buffett in seinem Portfolio?
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Jetzt durchklicken

Umfrage

Das Europaparlament hat ein Einfrieren der EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei gefordert. Halten Sie diese Entscheidung für richtig?