14.11.2012 18:07
Bewerten
 (0)

Roubini: Europäer sollen weniger sparen und Zinsen senken

   Von Hans Bentzien

   MAINZ--Der bekannte US-Ökonom Nouriel Roubini hat die Europäer aufgefordert, weniger über Reformen zu reden und dafür mehr für Wirtschaftswachstum zu tun. Bei einer Konferenz in Mainz plädierte Roubini für Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und eine weniger rigide Sparpolitik. "Sparpolitik ist notwendig, aber kurzfristig schadet sie dem Wachstum", sagte der Professor der New Yorker Stern School of Business.

   Roubini verwies darauf, dass die Geldpolitik in der Eurozone noch straffer als in den USA oder Japan sei. "Es gibt immer noch Spielraum für Zinssenkungen - warum zögert die EZB?", fragte Roubini und sprach sich dafür aus, den Satz für Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB unter null zu setzen. Niedrigere Leitzinsen hätten nach Aussage des US-Ökonomen die Nebenwirkung, dass der Wechselkurs des Euro sinken würde. Den hält Roubini für überhöht. "Deutschland kann damit leben, aber die Peripherieländer brauchen eine Abschwächung um 20 bis 30 Prozent", sagte er.

   Roubini wurde bekannt, als er bereits 2004 die Subprime-Krise am US-Immobilienmarkt und 2006 eine Rezession in den USA voraussagte. Seine Schätzungen zu den Kosten der Finanzkrise machte sich später der Internationale Währungsfonds (IWF) zu eigen.

   Bei der Konferenz von Union Investment in Mainz wurde der in Istanbul geborene Roubini denn auch mit seinen Spitznamen "Dr. Doom" vorgestellt. Die Europäer warnte der Star-Ökonom davor, es mit der Sparpolitik zu übertreiben: "Ein anhaltendes Frontloading bei der Austeritätspolitik kann aus der Rezession eine Depression machen", sagte er. Die Wirtschaftsschwäche drohe sich von der Rändern der Eurozone auf ihren Kern auszudehnen, Frankreich steuere auf eine Rezession zu." Der US-Ökonom plädierte außerdem dafür, ein Programm für Infrastrukturinvestitionen aufzulegen.

   EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen, der nach Roubini die Bühne betrat, reagierte zurückhaltend auf die Zinssenkungsvorschläge seines Vorredners mit den Worten: "Nouriel, das war beeindruckend - aber du hast natürlich auch mehr Freiheiten, als ich sie habe."

   Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

   DJG/hab/chg

   (END) Dow Jones Newswires

   November 14, 2012 11:26 ET (16:26 GMT)

   Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 11 26 AM EST 11-14-12

Heute im Fokus

Nach Brexit-Entscheid: DAX geht mit kräftigem Abschlag ins Wochenende -- US-Börsen massiv im Minus -- Briten stimmen für EU-Ausstieg -- Staatsanwaltschaft durchsucht Zentrale von thyssenkrupp

Erneut Warnstreiks bei Amazon in Leipzig. Lufthansa Cargo verlangt von Mitarbeitern Gehaltsverzicht. Deutsche Post verliert Finanzvorstand Rosen. Aktiencrash hat offenbar fünf Billionen Dollar vernichtet. Brexit Step-by-step: So geht's für die Briten jetzt weiter.
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Bayer: Monsanto-Deal würde ein neues Burg­graben-Unter­nehmen ergeben!
Mit der Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto will Bayer im Agrarchemie-Geschäft den großen Wurf landen und zur weltweiten Nummer Eins aufsteigen. Der strategisch sinnvolle Megadeal ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe des Anleger­magazins, warum der Life-Science-Konzern dennoch einen näheren Blick wert ist.
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Der World Wealth Report 2016
Hier ist Leben preiswert!

Umfrage

Am Donnerstag, den 23. Juni blicken die Anleger mit Spannung auf das EU-Referendum der Briten. Welchen Ausgang erwarten Sie?