EZB: Die neue Generation übernimmt


FRANKFURT – Mehrere Mitglieder der EZB-Führungsspitze sind in den Ruhestand gegangen, zwei weitere traten im vergangenen Jahr unerwartet zurück. Damit ist es der erste große Wechsel seit der Gründung der Europäischen Zentralbank 1998.Aber nicht nur durch den Altersunterschied hebt sich Mario Draghi von seinen Kollegen ab. Die jungen Zentralbankchefs aus Deutschland, den Niederlanden und Frankreich, alle Anfang oder Mitte 40, haben politisch geprägte Lebensläufe vorzuweisen. Sie lösen ihre Vorgänger ab, die für die orthodoxe Geldpolitik der Nachkriegsära standen. „Es ist eine Wachablösung", sagt Guntram Wolff vom Brüsseler Thinktank Bruegel. „Sie sind jünger, stehen der Politik näher und sind nicht so dogmatisch".
Der Generationswechsel könnte laut Beobachtern zu einer eher pragmatisch veranlagten EZB stehen führen, wenn es um die Stabilität der Finanzmärkte, die Kommunikation mit Investoren und die immer wichtiger werdenden Verhandlungen mit den nationalen Regierungen geht.Das könnte bedeuten, dass die EZB die Banken stärker unterstützt, die Leitzinsen auf einst undenkbar niedrigem Niveau hält und stärker auf die Politik schaut, wenn diese mit der europäischen Schuldenkrise ringt. Der 64-jährige Draghi hat in den zwei Monaten seiner Amtszeit bereits beachtliche Veränderungen bewirkt. Er nahm die Leitzinserhöhungen des vergangenen Frühjahrs in seinen ersten beiden Ratssitzungen zurück. Die Zinsen liegen jetzt auf einem Rekordtief von 1,00 Prozent. Bei der zweiten Senkung überwarf sich Draghi zudem mit dem damaligen Chefvolkswirt Jürgen Stark, so mit der Sache vertraute Personen. Im vergangenen Monat pumpte die EZB fast 500 Milliarden Euro über Anleihen mit dreijähriger Laufzeit in die europäischen Banken. Neue Entscheidungen zu Zinsen und anderen Maßnahmen dürften am Donnerstag ...
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